stattweb-News Ausgabe 09, 2009-04![]()
Olga:
Genmais endgültig vom Acker?- Marienkäfer flieg, Monsanto erklärt dir den Krieg°
News-Beitrag auf stattweb.de vom 14.April 2009
40.000 Hektar wollte Monsanto in diesem Jahr bundesweit eigentlich mit seinem genveränderten Mais MON 810 bewirtschaften lassen. 40.000 Hektar entsprechen knappen zwei Prozent der gesamten Maisanbaufläche in Deutschland. ![]()
Herausgekommen sind gerade mal knappe 4000 Hektar. So viel haben deutsche Landwirte für dieses Jahr beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet. Und auch genau diesen Anbau hat Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner an diesen Dienstag verboten. Die überraschende Entscheidung der CSU-Politikerin ist sinnbildlich für das Scheitern eines Großkonzerns, der in Deutschland seinen Einfluss über- und den Widerstand unterschätzt hat.![]()
Bisher war der weltweit agierende Konzern zwar Protest gewohnt, hat seine Ziele aber erfolgreich umgesetzt: Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt weltweit 17.000 Mitarbeiter in mehr als hundert Ländern, verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 11,4 Milliarden Dollar und ist Quasi-Monopolist bei gentechnisch veränderten Pflanzen. In den nächsten zwei Jahrzehnten will Monsanto Chart zeigen-Chef Hugh Grant die Erträge von Mais, Soja und Baumwolle verdoppeln, beim Gewinn will er das schon 2012 schaffen.![]()
Doch mit dem Erfolg könnte es jetzt vorbei sein, denn die Front der Monsanto-Gegner wächst langsam, aber stetig. "Bislang ist Monsanto beim Endverbraucher so gut wie nicht in Erscheinung getreten", sagt Alexander Hissting, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. "Aber das ändert sich langsam - und damit wächst der Widerstand gegen die Methoden des Konzerns."![]()
Inzwischen sind es nicht mehr nur Umweltschützer in Indien und anderen Entwicklungsländern, die sich gegen die Dominanz des Saatgut-Giganten wehren. Es sind Biolandwirte, Hobbyimker, Kirchen und seit neuestem auch die CSU, die ihre traditionelle Stammklientel kurz vor der Europawahl nicht mit grüner Gentechnik verschrecken will. Sie alle stehen den gentechnisch veränderten Pflanzen kritisch gegenüber - und das Vorgehen des Konzerns verstärkt ihre Skepsis.![]()
Das Unternehmen schlägt schnell zu, wenn es um seine Gegner geht. "Skrupellos" und "rücksichtslos" nennt Greenpeace-Experte Hissting das Vorgehen des Konzerns. Bestechung, das Verdrehen von Fakten, das Zurückhalten von Informationen und das Diskreditieren von Wissenschaftlern, die unangenehme Fragen stellen - all das werfen Kritiker dem Konzern vor. Wenig Gutes trägt auch die Konzerngeschichte bei: Monsanto war einst wesentlicher Produzent des dioxinhaltigen Kampfstoffes Agent Orange, der im Vietnam-Krieg eingesetzt wurde.![]()
Dazu kommt die von US-Farmern inzwischen als "seed police", Saatgutpolizei, verschriene Gattung von Monsanto-Vertretern, die die Erzeugnisse der Landwirte kontrolliert. Sie prüfen, ob die Abnehmer des gentechnisch veränderten Saatgutes die jährliche Technologiegebühr zahlen - und das Saatgut nicht etwa unerlaubt vermehren. Dabei macht man auch vor unbeteiligten Farmern nicht halt, deren Saat durch Pollenflug verunreinigt wurde - wie der Fall des kanadischen Bauers Percy Schmeiser zeigt, den Monsanto wegen angeblicher Patentverletzung anzeigte.![]()
"Monsantos Geschäftsprinzip basiert darauf, den Bauern zu verbieten, was sie seit Jahrtausenden getan haben: aus der Ernte Saatgut für die nächste Aussaat zurückzuhalten", sagt Marie-Monique Robin. Die französische Journalistin hat sich drei Jahre lang mit dem Großkonzern beschäftigt und ihre Recherchen Anfang des Jahres in dem Buch "Mit Gift und Genen: Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert" veröffentlicht. Darin beschreibt sie, wie Monsanto seine Abnehmer vertraglich so bindet, dass ihnen relativ schnell keine andere Wahl bleibt, als das drei- bis viermal teurere Saatgut des Konzerns zu kaufen.![]()
Vor allem aber kritisiert Robin den politischen Druck, den Monsanto inzwischen aufbaut: "Den Einfluss, den ein multinationales Unternehmen auf demokratische Staaten ausübt, finde ich schockierend", sagt die Journalistin. ![]()
In den Abendnachrichten von ZDF trat sofort kämpferisch ein Herr Schmitz auf, der das Verbot der Ministerin nicht auf sich sitzen lassen wollte.![]()
Wie üblich wurde im Fernsehen eine winzige Kleinigkeit besonders hervorgehoben-nämlich dass eine Abart unseres Marienkäfers ebenfalls von dem Gen angegriffen wird, von dem Monsanto heilig behauptet, dass es einzig und allein dem schlimmen Maiszünstler auf den Pelz rücke .![]()
Trotz allem ein großer Erfolg. Mit Recht wurde darauf hingewiesen, dass sie in der bayrische CSU Angst vor den Wahlen haben. Aber warum diese Angst? Weil soundsoviel Initiativen gerade im bayrischen Franken den Gen-Mais-Anbauern noch in den letzten Tagen die Hölle heiß gemacht haben. Und damit eine Breitenstimmung erzeugt, die dem an sich monopolfreudigen Ministerium die Knie vor den Wahlen haben zittern lassen.![]()
Es ist anzunehmen, dass MONSANTO sich hinter die EU-Bürokraten steckt, um doch noch einmal ihr Monopol durchzusetzen. Herr Schmitz blitzte mit den Brillengläsern. Und erfand- hoffentlich zum letzten Mal -dass es doch jedem Landwirt frei stehe, genvoll oder genfrei seinen Mais zu produzieren. Die älteste Erfindung: da der Wind bekanntlich nicht lesen kann, helfen die Scahmabstände zwischen genvoll und genfrei überhaupt nichts. ![]()
Wie lang oder kurz auch immer der Sieg über den Gen-Mais dauern mag: es ist gut, dass er überhaupt einmal errungen wurde![]()
Quelle: SPIEGEL/ Susanne Amann/ ZDF 14.4.21.45
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