stattweb-News Ausgabe 09, 2009-07![]()
Veegd, Konrad:
Nussdorf Walser: Ein Lichtlein schleicht durch verwachsene Dämmerung. Raus aus Afghanistan
News-Beitrag auf stattweb.de vom 9.Juli 2009
Dieser Text Walsers ist in strengster Bauchlage abgefasst. Im Geiste tiefster Verehrung. Zunächst einmal vor unserer Bundeskanzlerin.![]()
Niemand ist bisher so"gut, so gescheit und gütig gewesen wie sie"- eine Stunde lang vor Illner. Aber auch für Schröder fällt einiges ab -er hat uns vor dem Irak-Krieg bewahrt.![]()
Alle anderen sahen in Merkel die eisige Arroganz derjenigen, die sich ihre Lügen vor den Wahlen nicht vorschreiben lässt. Und Schröder? "Nicht gedacht soll seiner werden"![]()
Der erschütterte Autor im Staub nimmt sich fest vor, die "Große Koalition" zu wählen. Wie will er das machen? Bisher hatten wir zwei Stimmen auf dem Zettel. Wie wird daraus Koalition?![]()
Endlich ist die unterste Stufe der Zerknirschung oder höchste der Erhebung erreicht. Frühere Landesbeamte in Baden oder Hessen hatten die Bitte um Ernennung zu unterzeichnen mit "ersterbe ich demnach in Ehrfurcht". Walser empfindet das nach mit dem Satzbeginn:"ich wage zu empfinden, dass Ihre Regierung nicht "geschlossen" hinter dieser Kriegführung steht.Herrn Steinbrück und Herrn zu Guttenberg kann ich mir nicht kriegführend denken". So geht es, wenn man immer nur noch die Zeitung vom Tage im Kopf hat. Ausgerechnet die zwei! Steinbrück japste seinerzeit hinter Schröder her, der bekanntlich nicht nur den Irak-Krieg für uns gemieden, sondern auch den Jugoslawienkrieg für uns geführt hat. Und Guttenberg hatte sich -vor er das Wirtschaftsgenie wurde- als außenpolitischer Platoniker erwiesen, der in Fernliebe an Bushs Busen drängte, so nah es ging.![]()
Obama kriegt auch noch sein Kränzlein aufgedrückt. Wann tut er endlich das, was er in Kairo versprach? Die Alt-Erkenntnis, die die Metternichs mit den Talleyrands austauschten, ging nun in Walser auch schon unter. Die nämlich, dass uns die Sprache verliehen ist, um unsere Absichten zu verbergen. Die bei Merkel und Obama ziemlich ähnlich darin bestehen, die Oberaufsicht des Westens in Form der NATO über den Rest der Welt aufrecht zu erhalten.![]()
Allzu verwachsen alles, in hollunderlicher Sommergartentiefe! Nussdorf, wie fern liegst Du der bösen Welt!![]()
Durch all dies Enzianige, Dunkelverwolkte huscht aus fernsten Tagen ein Schein, fast ein Nichts: Erinnerung an die Augenblicke auf dem Bauch, als die Panzergranaten krachten und die Bordgeschütze zischten. Als der ganz junge Walser selber was zu verteidigen hatte, und mit Recht erkannte, dass da nichts war.![]()
Aus dieser Haltung wendet er sich gegen den Afghanistankrieg. Dass Terroristen stärker werden, wenn man sie bekämpft, wird freilich weder die Taliban noch die Merkels beeindrucken. Es gab schließlich auch solche, die am Ende auf dem Boden lagen und aufgeben mussten.![]()
Immerhin bringt Walser zwei Argumente hervor, die ihre Wucht nie verlieren werden. Das eine: Die Russen habens doch auch probiert, und Burkas bekämpfen wollen und Opium verboten, wie das ein Erler nicht heiliger behaupten könnte. Und haben doch verloren -und müssen den Siegern der Geschichte jetzt über ihr eigenes Land den Teppich breiten in jenes Afghanistan, das sie so schändlich verließen.![]()
Das zweite: einer der größten Fürchtebutze unter Amerikas Generälen, McNamara, der Wälderzestörer, musste Jahre nach seinen Untaten bekennen, dass er Verbrechen befohlen hatte, die Millionen das Leben kosteten.![]()
Das immerhin bleibt! Und die Zeiten sind leider so, dass die politische Bühne so übervölkert ist von den Merkels und Strucks und Erlers und Klaedens, dass man auf keinen verzichten kann, der sich gegen sie wendet- wenn auch mit dem Blick schon zur Erde. Zum Ende.![]()
Quelle: ZEIT,Druckausgabe 9.7.09/ S.3. Artikel Martin Walser: Unser Irrtum
[Seitenanfang]

