stattweb-News Ausgabe 09, 2009-08![]()
Anne Will und Kompanien:
Anne Will: Geschrei zur Stählung des Durchhaltewillens
News-Beitrag auf stattweb.de vom 23.August 2009
Damit dürfte die Sendereihe von Anne Will den Tiefpunkt erreicht haben. Es sollte gehen um die Frage, was und wie lange wir es in Afghanistan treiben.![]()
Es wurde zur Gelegenheit, Meinungen herauszubrüllen - ohne jede Gelegenheit, den realen Stand der Dinge zu untersuchen.![]()
So konnte Jung seine herrlichen Erlebnisse schildern in Schulen mit kleinen Mädchen. Wo gab es das je in Afghanistan? Die Wahlen wurden nach Kräften gepriesen, der abgeschnittenen Finger gedacht und der Weg zur Freiheit gerühmt.![]()
Damit Jung nicht allein stand, wurde ihm der bekannte Kriegshetzer Wolfsohn beigesellt, der mehr und schwerere Waffen einforderte. Ihm war es vergönnt, den Terrorismus an sich über die Welt hin zu erblicken, und Erfindungen auszustreuen, dass man auch den in Kenia zur Strecke bringe, wenn man nur in Kundus kräftiger zuschlage. Eine Afghanin jammerte, dass die herrlich aufblühende Frau im Lande wieder in sich zusammensinke im selben Augenblick, wo der letzte deutsche Soldat das Land verlässt.![]()
Scholl-Latour und Gysi wurden als vertränte und vertrante Trottel mit herzigen Einfällen in die Ecke gestellt. Höhepunkt -ohne jede Eingriffsmöglichkeit der Mitdiskutanten- war der Auftritt zweier Soldaten, der eine schon ohne Unterschenkel und mit Tapferkeitsmedaille-, der andere kurz davor. Sie rapportieren Heldisches. Was hätten sie auch anderes tun sollen vor den Ohren des obersten Kriegsherrn. ![]()
Was gar nicht zur Sprache kam:![]()
- dass die eben stattgefundenen Wahlen ohnedies nur die Wahl ließen zwischen einem meineidigen und einem betrügerischen Volksführer - so dass es die angeblich bedrohten Finger nicht wert war.![]()
- die recht übereinstimmende Meinung aller möglichen Leute, die schon 2001 im Land gewesen waren, dass die Zahl der Taliban erheblich zugenommen habe seit den acht Jahren Befreiungskrieg![]()
- Rühe kam in einem Belegfilm als astmathischer Mitbrüller für den Krieg vor, obwohl er seine Meinung inzwischen geändert hat![]()
- gar nicht besprochen werden durfte das Siegeskrähen Strucks auf der einen und das dumpfgeschnarchte Verhandlungsversprechen Steinmeiers auf der anderen Seite. Noch weniger die Siegesaussichten gegen gern oder ungern gesehene massenhafte Partisanenaufstände.![]()
Überprüft man die Geschichte, ließe sich Napoleons Niederwerfung der Tiroler als seltener Fall eines Sieges anführen, weil deren Hinterland -Österreich- sie im Stich ließ. Sonst aber aus den letzten 150 Jahren fast nichts. Selbst ein Walser erinnerte trotzig in einem neuen Interview in der WELT noch einmal an Vietnam. Was gerade Afghanistan angeht, so ist seit dem Krieg im neunzehnten Jahrhundert in der Richtung nichts mehr gelaufen.![]()
Was wird im Jahr 2019 sein, wenn die weiteren zehn Jahre, die Jung in Aussicht gestellt hat, verstrichen sind? Wird ein seniler Karsai in einem hart befestigten Kabul immer noch mit Bibberlippe den Befreiern danken?![]()
In der Ablehnung wirklich jeder Untersuchung des Sachverhalts hat Will sich offen zur Abschiebung bereit gemacht. Es wird kein Verlust sein, wenn sie hinter Christiansen her den Palast der Lügen verlässt.![]()
Quelle: ARD 23.9.08 -ab 21.45 Uhr
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