stattweb.de LogoStattzeitung Logo (2)

Artikel


stattweb-News Ausgabe 09, 2009-09

Kurt Pätzold-auszugsweise:
Zum 1.September: Der Krieg, den man nicht beim Namen nennt, enthüllt sich als der schlimmste
News-Beitrag auf stattweb.de vom 1.September 2009

[ Sicher ist der unbarmherzig weiterverfolgte Krieg in Afghanistan nicht zu vergleichen mit dem letzten Weltkrieg. Zu vergleichen aber ist die Technik der Verdummung, mit welcher die Verwandten der Soldaten, aber auch aller übrigen

Zwangs-Volksgenossen dazu gebracht werden, bewaffnete Auseianndersetzungen für das Allernormalste zu halten, wenn sie nur nicht "Krieg" genannt wurden,weil das die entsetzlichen Erinnerungen an den letzten hervorruft.

Kurt Pätzold zeichnet in einem langen Artikel meisterhaft die Propaganda nach, mit der die Leute 1939 eingelullt wurden. Keiner von denen, die das damals hörten oder lasen, sah sich selbst ein paar Jahre später im Luftschutzkeller oder

wanzenplatt auf einer Wiese unter Tieffliegerbeschuss. Und kannte noch nicht die Verbrechen, zu denen im Kriegsverlauf viele sich genötigt fühlen würden. Und deshalb ist es so nötig, den Kriegshetzern von heute, wenn sie schon die Mordmaschine bedienen, das Lügen zu verbieten. Wir führen in Deutschland seit acht Jahren KRIEG: Mit allen Konsequenzen fg in REDAKTION STATTWEB]

______________________________________________________

Die Leser des Stuttgarter Neuen Tageblattes, einer Zeitung, nicht anders als alle anderen deutschen vom Goebbels-Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda gelenkt, lasen in der Ausgabe vom 17. September 1939 »Zehn Gebote für die Heimatfront«. Das erste lautete: »Du sollst unter allen Umständen deine Ruhe bewahren.« Wie las sich derlei Forderung beispielsweise für ein Elternpaar, das einen Sohn in der Wehrmacht beim Angriff auf Warschau wußte? Dennoch war der Satz wie die ganze Liste der Gebote nicht einem Einfall eines Journalisten entsprungen, der einen besonders originellen Beitrag zur Lage und mit diesem den Nachweis seiner Tauglichkeit an der »Heimatfront« zu erbringen suchte. Was da stand, ordnete sich in die von der Führungsspitze des Reiches vorgegebene und strikt zu befolgende Taktik ein. Sie zielte darauf, den »Volksgenossen« zu vernebeln, was die Entscheidung des 1. September 1939 mit dem Einfall der deutschen Wehrmachtstruppen ins Nachbarland Polen für sie, ihr Leib und Leben, ihr Hab und Gut bedeutete und welche Folgen sich aus dem Kriegsbeginn ergeben könnten. Sie würden, so das Kalkül, das peu à peu schon selbst bemerken und sich an den Alltag des Krieges gewöhnen.

Krieg? Nein. Auseinandersetzung

Zu dieser Taktik gehörte, daß von der Propaganda zunächst sogar das Wort Krieg vermieden wurde. Das gab Hitler selbst in seiner Rede am Morgen des 1. September vor, die er den »Männern des Deutschen Reichstags« hielt. Mit der Lüge vom polnischen Angriff auf deutsches Staatsgebiet wurde die »Antwort« verbunden, daß nun »Gewalt gegen Gewalt« gesetzt und das Reich geschützt werde. Die Berichte in den Zeitungen und im Rundfunk sprachen auch in den folgenden Tagen noch von einer »Auseinandersetzung« oder von einem »Kampf«. Kein Gedanke sollte aufkommen, daß es Deutschlands Staatsführung war, die in Europa eine mehr als zwanzig Jahre währende Friedensperiode beendet hatte. Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine waren demnach mit der Durchsetzung berechtigter eigener nationaler Ansprüche beschäftigt, wobei sie – bedauerlicherweise – Waffen einsetzen mußten. Sie hatten begonnen, Ordnung zu schaffen, die mit anderen Mitteln nicht zu erreichen gewesen sei, und – vollkommene Verkehrung des wirklichen Geschehens – Frieden zu stiften, den Polen störe und angeblich gerade hatte beenden wollen. In diesem Sinne hatte die Stuttgarter Postille über die Situation am ersten Kriegssonntag so berichtet: Der Schwabe, schon von Natur aus ruhig und gefaßt, habe diese Wesensart auch an diesem Tage gezeigt. Der Sonntagsbetrieb sei verlaufen wie üblich, die Lokale gut besetzt gewesen und die Sportveranstaltungen hätten ihre Besucher gehabt. Gleiches gelte für die Reichsgartenschau und auch für die Filmtheater. Der Autor faßte seine Beobachtungen so zusammen: »Nirgendwo aber ein Anzeichen von Nervosität und Hast.« Dieser Bericht hatte die Dachzeile erhalten »Eiserne Entschlossenheit«.1 Die Wortwahl änderte sich, als der Kriegseintritt Großbritanniens und Frankreichs (3.9.1939)gemeldet und kommentiert wurde. Jetzt lautete die Aufmachung »Die Westmächte brechen den europäischen Frieden«, als hätte sich Deutschlands Überfall auf Polen auf einem anderen Kontinent zugetragen. England sei der »Weltfriedensbrecher«. In diesen Kontexten wurde nun von Krieg und Frieden geschrieben, der »Kriegspartei« auf gegnerischer Seite und deren »brutaler Gewaltpolitik«. Ein aus diesem Anlaß publizierter Aufruf Hitlers an das Volk brandmarkte die »britische Welteroberungspolitik« und die »britischen Macht- und Geldpolitiker«. Im Appell des Führers an die Armee wurden nicht näher bezeichnete »kapitalistische Kriegshetzer« und »plutokratische Gegner« attackiert. England, so die für den einfältigen Michel bestimmten »Aufklärungen«, habe keinerlei Grund, sich in die Auseinandersetzungen in Osteuropa einzumischen, einer Region, in der es keine eigenen Interessen besitze. Mit Bezug auf das kürzlich geschlossene britisch-polnische Beistandsabkommen hieß es, das Verständnis der Naziführer verratend, ein Vertrag sei kein Grund für diesen Schritt

Den ganzen Artikel lesen unter www.jungewelt.de/2009/09-01/034.php

Quelle: Junge Welt.1.09-09


Links

www.jungewelt.de/2009/09-01/034.php

[Seitenanfang]

[Impressum] [Kontakt]
stattweb.de: Stattzeitung für Südbaden im Internet - Donnerstag, 29.Juli.2010, 16:52Fake - Nicht klicken! Do not click here!Counter