stattweb-News Ausgabe 09, 2009-09![]()
Veegd, Konrad:
Fünfzehn Prozent Westerwellen! Mindestens zehn Prozent Betrogene! Wie war und ist das möglich?
News-Beitrag auf stattweb.de vom 28.September 2009
Unter den tausend Umfragen eine aus einer Schulklasse. Warum FDP wählen? "!Die bringen die Wirtschaft wieder in Gang". Die Wirtschaft- offenbar eine Art Kloß am Straßenrand, der einen kräftigen Fußtritt braucht, damit er wieder rollt. So ähnlich muss es in vielen Köpfen aussehen, von denen, die Westerwelle nachhechelten. Gehobene Fassung des gleichen gedankenähnlichen Hirninhalts: "Erstmal wieder was leisten, dann das Geleistete verteilen, nicht umgekehrt." Höchstens fünf von den fünfzehn Prozent haben auch nur die geringste Aussicht, dass es ihnen ab September 09 besser geht als etwa im Januar 08. Was sie verbal von ihren Wünschen ausdrücken können, ist nur Geräusch. Bedeutet gar nichts.![]()
Nicht mehr allerdings als das, was Anführerin und Anführer selber ausgeben: "Erst Aufschwung, dann Ertrag, dann von dem verteilen." Doppelschwalben sichten Frühlinge.![]()
Wie aber kann es den Aufschwung - volkstümlich Gewinn - genannt geben, wenn nach dem beliebten Programm der letzten Jahre immer weiter exportiert werden soll, wenn doch das Wesen der Krise zugegebenermaßen darin besteht, dass zu viel produziert worden ist, um abgenommen zu werden. "zu viel" - um es wieder einmal zu wiederholen, heißt nicht, dass mehr Autos oder Wohnungen da sind als jemand bräuchte auf der Welt, sondern dass mehr produziert wird als unter gewöhnlichen Handelsbedingungen eingetauscht werden kann gegen etwas, das wir hier in Deutschland brauchen könnten.![]()
An diesem Grundproblem ändert kein Gerede etwas. Also bleibt nur eine seit mindestens einem Jahrhundert geläufige Methode: man muss Konkurrenten aussperren, um sich ein geschlossenes Handels- und damit Exportgebiet zu sichern. Man nennt die Methode wissenschaftlich auch Imperialismus. Wobei dieser nicht erst anfängt, wenn man mit Raketen fuchtelt. Aber es lief in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder darauf hinaus. Auch gegen den Willen der Akteure. Merkel und selbst die Mehrzahl der Gefolgschaft Westerwelles drücken den Gedanken an das unvermeidliche Ende weg. Schon weil sie wissen, dass auch erfolgreiche Kämpfe mit mehr bezahlt werden müssen, als die Eroberungen je einbrachten.![]()
Der Zwang zum Wegdenken ist die riesige graue Wolke, aus der das Geschwätz tropft. In den Interviews heute mit unserer Schutzmantelmadonna war geradezu peinlich, dass sie aus dem erfolgreichen Waschküchen-Dampf ihres Wahlgedröhns nicht mehr herausfindet. So lange sie wabert, irgendwann![]()
muss aber trotzdem die Wahrheit heraus. Nackt, schreiend und ohrenzerreißend.![]()
Wenn es soweit ist, werden mindestens zehn von den fünfzehn Prozent traurig erkennen, dass von dem versprochenen Aufschwung für jede einzelne und jeden einzelnen nur die Schnitte übrigbleiben- jene harten Einschnitte, von denen jeder schon lange redet. Ob danach auch mal der "Aufschwung" kommt - und für wen, das muss weiter versprochen werden. Nur dass die Glaubenskraft nicht für vier Jahre reicht. Geschweige denn für ein Leben. ![]()
Deshalb ist mit traurigem Erwachen zu rechnen schon vor den vier Jahren Hoffen und Versprechen. Das soll nicht heißen, dass die fünfzehn Prozent hinter Westerwelle einfach dümmer wären als wir anderen alle. Dummheit allein erklärt das Wünschen nicht weg. Dieses Wünschen entspricht wohl wirklich empfundenem Druck, den man weghaben möchte von der Schulter. ![]()
Geben wir zu: Es wird im Augenblick alles getan damit keine und keiner rechtzeitig erfährt, was ihm blüht. Von Merkels Wolkigkeit bis zum Schweigegebot für den Betriebsrat ist ein System eingerichtet, das alle daran hindert, das in Erfahrung zu bringen, was zu erfahren am meisten Not täte. Die Bedingungen des eigenen Lebens und Produzierens nämlich.![]()
Von all dem kommt bei den oft erwähnten Leuten unten nur eines an: das dumpfe Gefühl, Zugriffen, Maßnahmen und Zwängen ausgeliefert zu sein, die keiner erklärt. Sie aber mit allen Mitteln - bis hin zur Zwangspfändung - durchsetzt. Aus dieser Zwangswelt herauskommen - in eine lungenweitende Freiheit - eine zum Armehochreißen und zum Tulpenschwenken - diese Gier steckt wohl in den meisten, die jetzt stammelnd hinter den Dröhnern herwollen.![]()
Dass die alle gnadenlos betrogen werden - und zwar gleichermaßen vom Vormarschkapitän wie von der Wolkenfrau - ist gewiss. ![]()
Heilmittel dagegen: nicht einfach verächtliches Schulterklopfen für Trottelinnen und Trottel aller Art. Noch weniger der Angriff gegen solche als unverbesserliche Feinde.![]()
Was nötig wäre: Eintreiben einer unbedingten Wahrheitspflicht gegenüber allen Parteien. Nicht nur gegen die vollmundigen Lügnerinnen und Lügner auch gegen solche wie die Politiker der LINKEN, die die Herkunft der Zwänge noch immer zu sehr verklären. Unvermeidlich wird es in der nächsten Zeit vielen schlechter gehen als unter der Herrschaft der Illusionisten. Wichtig wäre, die Herkunft der Lasten klar zu erkennen. Und ihre Verteilung nach Vermögen und Verdienst nachvollziehbar zu erstreiten. So etwas wäre die beste Vorbereitung für den immerwährend notwendigen Streit ab jetzt. Für lange Zeit. Nicht nur für die nächsten vier Jahre.![]()
Quelle: Interviews am 28.9.9 bei ARD und PHOENIX
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