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stattweb-News Ausgabe 09, 2009-10

Friedrich, Sebastian:
Berlin: Interview mit dem Anmelder der Proteste gegen Pax Europa
News-Beitrag auf stattweb.de vom 6.Oktober 2009

Am 03.10.09 führte die Bürgerbewegung Pax Europa eine Kundgebung in Berlin durch. Ein breites Bündnis rief zu Protesten gegen diese Kundgebung auf, um für ein offenes Europa und gegen antimuslimischen Rassismus zu demonstrieren. Da nach der Demo Kritik an dem Bündnis laut wurde, sprachen wir mit dem Anmelder der Demonstration Biplab Basu.

Stattweb: Warum mobilisierten Sie gegen Pax Europa?

Biplab Basu: Ich halte Pax Europa nicht für einen entscheidenen Faktor in der Gesellschaft, aber sie verbreiten in der Gesellschaft gefährliche und rassistische Ressentiments. Der Islam als Religion, Philosophie und Lebensweise, die Milliarden Menschen bewegt, wird diffamierend als Gefahr für die Menschheit dargestellt. Viele Schriften von Pax Europa belegen dies. Wir wollten etwas tun, damit die Menschen, die von solchen Ressentiments angesprochen werden, merken, was sie tun, was sie da unterstützen. Wir wollten nicht schweigend zustimmen.

Stattweb: Ein breits Bündnis hat zu den Protesten gegen die Pax Europa-Kundgebung aufgerufen. Im Vorfeld haben sich jedoch verschiedene Antifa-Gruppen aus der Vorbereitung zurückgezogen, weil sie nicht mit Gruppen wie Milli Görüs zusammenarbeiten wollten. Wie beurteilen Sie diese Kritik?

Biplab Basu: Ich fand den Rückzug der Antifa-Gruppen sehr bedauerlich. Migrantinnen und Migranten sind keine homogene Gruppen, sondern haben unterschiedliche Vorstellungen über die hiesige Lebensweise. Deshalb stehe ich nachwievor zu einem Bündnis mit Milli Görüs.

Im Vorfeld hatten wir einige Diskussionen. Einige der Organisatorinnen und Organisatoren waren gegen eine Beteiligung von Milli Görüs, andere dafür. Ich persönlich sehe keinen Grund, warum Milli Görüs nicht Bündnispartner sein darf. Der Verfassungsschutz berichtet zwar, dass Milli Görüs islamistisch sei, aber ansonsten gibt es wenig sinnvolle Informationen, die gegen eine Beteiligung dieser Gruppe sprechen würde. Wenn wir den Verfassungsschutz als Grundlage für eine Beteiligung heranziehen würden, müssten wir auch auf viele andere Bündnispartnerinnen und -partner verzichten. Viele Antifa-Gruppen werden genauso wie Teile der Linkspartei vom Verfassungsschutz diffamiert. Geheimdienstberichte sind für uns kein Kriterium.

Außerdem hat Milli Görüs sehr konstruktiv und gewissenhaft die Demonstrationsvorbereitung begleitet. Es wurde sich zudem vorbildlich an alle Abmachungen gehalten.

Stattweb: Vereinzelt waren auf der Demo auch Palästina-Flaggen zu sehen. Es soll jedoch im Vorfeld Abmachungen gegeben haben, auf Nationalfahnen zu verzichten.

Biplab Basu: Ja, das war eine Abmachungen. Dies wurde im Übrigen audrücklich von dem Vertreter der islamischen Gemeinde gefordert. Er war der Meinung, Nationalfahnen von Anfang an zu verbieten, um keine Nationalismus-Debatten auf der Demo zu führen. Ein paar Einzelpersonen brachten jedoch kleine Palästina-Fahnen mit. Ich selbst vertrete da die Meinung, dass wir zwar keine Nationalfahnen sehen, aber andererseits auch keine Polizei spielen wollten. Wir wollten nicht den Teilnehmenden vorschreiben, was sie in ihrer Hand halten sollen. Es gab auch ganz vorne im Demonstrationszug vier Frauen mit Deutschlandfahnen. Das finde ich persönlich auch nicht so toll, aber wir wollten so etwas Einzelpersonen nicht verbieten. Wir haben uns aber im Vorfeld mit verschienden Gruppen getroffen, um unseren Wunsch zu äußern, dass keine Gruppen geschlossen mit Nationalfahnen und gesonderten Forderungen auftreten sollen. Wir wollten, dass diese Demonstration unmissverständlich den Eindruck vermittelt, dass sie sich gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit richtet.

Stattweb: Berichten zufolge soll es aus der Demo heraus einen Übergriff auf eine Person mit Israelfahne gegeben haben. Können Sie das bestätigen?

Biplab Basu: Das kann ich nicht bestätigen. Ich sprach sofort mit dem Einsatzleiter, der mir berichtete, dass eine Person mit Israelfahne in die Demonstation gehen wollte. Die Polizisten haben die Person von der Demonstration entfernt, weil diese in keinster Weise das Anliegen der Demonstation teilte. Es gab in diesem Zusammenhang eine Festnahme. Die Polizisten meinten zu mir, dass die Person mit der Israelfahne sich mit einer anderen Person, die auch nicht zur Demonstation gehörte, stritt und es daraufhin zu Handgreiflichkeiten kam.

Stattweb: Wie beurteilen Sie abschließend die Proteste gegen Pax Europa?

Biplab Basu: Ich fand es ganz toll, dass ganz viele Menschen, die weder Muslime sind noch Christen sind, an der Demonstation und dem Friedensgebet davor teilgenommen haben. Außerdem waren sehr viele muslimische und nicht-muslimische Frauen sowie Menschen mit amerikanischer, afrikanischer oder israelischer Herkunft anwesend. Besonders bedanken möchte ich mich bei den vielen jungen Menschen, die an diesem Tag eigentlich wegen dem Tag der offenen Moschee ausgebucht waren, aber trotzdem sehr engagiert bei uns mitgeholfen haben.

Das Interview führte Sebastian Friedrich

Quelle: Interview


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