stattweb.de LogoStattzeitung Logo (2)

Artikel


stattweb-News Ausgabe 09, 2009-11

Güde, Fritz :
Karlsruhe: Sloterdijk - Drückeberger! Seine Anforderungen an Diskutanten wären von niemand zu erfüllen
News-Beitrag auf stattweb.de vom 2.November 2009

Sloterdijk hat einiges beigesteuert zur seelischen Unterstützung der FDP und der ihnen Angeschlossenen. Bewusst gegen jede Möglichkeit hatt er dazu aufgerufen, die Mehrausgaben des Staates nicht über Steuern, sondern über Spenden- Schenkungen- zu decken.

Der gelehrte Autor weiß sicher, dass es das wirklich schon mal gegeben hat: bei der sogenannten leiturgia in den griechischen Stadtstaaten der nicht-spartanischen Observanz. (der katholische Begriff der “Liturgie” als Pflichtübung ist davon abgeleitet)

Volksführer konnten damals Reiche aufrufen, mit ihrem Geld ein Stadion oder eine Straße zu bauen. Bedrängte durch solche Forderungen konnten den Herausforderern anbieten, mit ihnen das Vermögen zu tauschen. Dass die Ehrenspender ihre leitourgia öfter als Raub und Zwang empfanden, muss nicht weiter ausgeführt werden. Vor allem -kleinlich bemerkt- konnten sie den Niedergang der Städte gegen Flächenstaaten wie Makedonien und später Rom nicht aufhalten. Fazit: Lieber hatten die Athener sich nach der Spende gegenseitig auch nicht. Und der edle, aber pleite gegangene Spender schlürfte Dankesruhm mit verzerrten Zügen.

Das alles kein Grund, Gruselautor Sloterdijk zum neuen Nietzsche zu erheben, wozu Honneth ansetzt. Der hatte doch ganz anderes im Hintergrund.

Immerhin: eine kleine Diskussion in der ZEIT hätte vielleicht Spaß gemacht. Dem hat sich Sloterdijk nun entzogen. Mit einer sehr humoristischen Begründung: Honneth und Menke hätten nicht alles von ihm gelesen. Zumindest nicht genug. Achttausend Seiten zusätzlich sollten es schon sein. Wer das nicht mitbringt, ist diskussionsunwürdig. Moderne Fassung von “satisfaktionsunfähig” fürs neue Jahrtausend.

Sloterdijk sorgt hier für den Absatz seiner Werke. Bitte sofort melden, wer auch nur die tausend letzten Seiten im Kopf hat.

Unbilliger kann eine Forderung nicht sein. Ein Kyniker -Sloterdijk kennt ihn- trieb einen gerupften Hahn über den athenischen Marktplatz und nannte ihn “Mensch” , um das Ungenügende der Definition des Menschen als “zweibeiniges ungefiedertes Lebewesen” herauszustellen. Hat der auch nur die Hälfte von Platons Werken gelesen?

Oder Kierkegaard mit seinen ausgezeichneten Witzen gegen Hegel: der konnte nicht alles kennen vom Meister der Dialektik, was uns heute vorliegt. Hätte er die philosophische Klappe halten sollen?

Ergebnis: Normalerweise laufen Diskussionen über e i n vorliegendes Werk. Wenn Sloterdijk nicht sicher ist, ob er seine eigenen letzten zwei oder drei Bücher noch im Kopf hat, muss er halt rechthaberisch wie immer im Schweigen zur Grube fahren.

Zur Erinnerung an die Zeit vor der Krise, als Sloterdijk in Gefahr schien, in Vergessenheit zu geraten, eine ausgegrabene Erinnerung an sein vor-voriges Werk

---

Güde, Fritz:

Karlsruhe/Moskau: 90 Jahre Oktoberrevolution - Sloterdijk als Überwinder

News-Beitrag auf stattweb.de vom 7.NOVEMBER 2007

Vor neunzig Jahren fand ein Ereignis statt, das bis vor kurzem auf allen Straßen und Plätzen mit roten Fahnen begrüßt und mit Reden geehrt worden wäre: die Oktoberrevolution. Inzwischen muss ganz mühsam bis hin zu fünften Seite einer Zeitung gesucht werden, um eine Notiz dazu zu finden. FRANKFURTER RUNDSCHAU hat herausgefunden, dass Lenin ein bloßer Putschist war. Putsch- oder Revolution - es hängt ein wenig vom angelegten Zeitmaß ab. Eine Sache, die zugegeben als Minderheitsaktion begonnen hat, kann dennoch nachträglich von der Mehrheit als eigene Sache übernommen werden. Im Bürgerkrieg hätten die Bauern und Arbeiter ja reichlich Gelegenheit gehabt, auf die andere Seite -die der ehemaligen Gutsbesitzer und Fabrikinhaber- überzugehen, wenn sie gewollt hätten.Müssen sie also doch zumindest partiell für den Lenin-Putsch gewesen sein und ihn allen Ernstes für ihre eigene Revolution gehalten haben. Den Bürgerkrieg hätten die Bolschewiki nie ohne diese Zustimmungsakte gewinnen können. Derselbe Artikel in der FR sieht eine enorm angewachsene Wirtschaftskraft des Zarenreiches in seinen letzten Jahren. Hätte also Lenin unrecht gehabt, als er annahm, dass im Weltkrieg Russland als wirtschaftlich schwächste unter den imperialistischen Mächten als erste unterliegen werde? Man muss nur Solschenizyns "August 1914" zur Kenntnis nehmen, um zu verstehen, woran es bei der russischen Armee haperte. An allem!

Und Solschenizyn hätte seinem Zaren den Sieg nachträglich so sehr gegönnt. Aber er war zu ehrlich

Nicht mit solchen Kleinigkeiten gibt sich ab, der wenn nicht welt- so doch deutschlandweit bekannte Philosoph Sloterdijk. Im Fernsehen bemüht er sich nach Kräften, mit Safranski zusammen, die Lust am Philosophieren auszutreiben. Bei Reich- Ranickis literarischem Pendant konnte man wenigstens manchmal noch lachen. Über die besprochenen Werke erfuhr man allerdings auch nicht mehr als bei Sloterdijk.

Im Hausmeisterblog der taz hat dankenswerterweise jemand Sloterdijks letzten Schlag oder Wurf gegen die Revolution wahrgenommen und als Konzentrat weiterserviert. Atmet auf, Leser, die ihr bisher noch Angst hattet, der Tote aus dem Sarkophag in Leningrad steige herab und komme wieder. Von Sloterdijk erholt er sich nicht mehr! In seinem vorletzten Werk- noch vor den "Zornbanken" -hat er alles enthüllt. Es heißt. Im Weltinnenraum des Kapitals” und ist schon voriges Jahr- 2006- herausgekommen.

Zunächst schließt Sloterdijk sich Nolte an. Die Nazis haben den Vernichtungswillen bloß bei den Bolschewiken abgekupfert. Hitlers Taten- nur Echo, Abklatsch, Spiegelung dessen, was die Russen- wohlgemerkt seit Lenin- ab Oktober 1917 ihm vorgemacht hatten.

Die seit der Oktoberrevolution im Namen des Sozialismus von Kommunisten und Sozialisten begangenen Verbrechen sind für Sloterdijk keineswegs Gegenstände einer nach wie vor nötigen Reflexion über schwere politische und moralische Fehler, die in den Strategien und Theorien der Linken künftig um jeden Preis vermieden werden müssen. Ihm geht es vielmehr um den Ausschluss des linken Befreiungsdenkens aus dem Kanon moralisch zulässiger Überlegungen. Kaum anders läßt sich jedenfalls seine Behauptung interpretieren, die von Linken begangenen Verbrechen hätten »in die Verbindung der Aufklärung mit dem Prinzip links einen Keil getrieben« der sich »nicht mehr entfernen läßt« .Für uns Lahmere im Denken zum Mitschreiben noch mal: Entweder aufgeklärt -oder links! Beides geht nicht.

Die langweilige Besonderheit Sloterdijks gegenüber anderen Gehirnwischern und Augenlöschern: er verschmäht keinen Ladenhüter des Denkens. Deshalb müssen auch die Vordenker dran glauben. Sind schließlich die Einflüsterer der Vor-Täter gewesen. Also auch Marx. Er hat die Kategorie "Klasse" aufgebracht. Denn jede begriffsgeleitete Analyse sozialer Ungleichheit erscheint in Sloterdijks Diktion als intellektuelle Beihilfe zum künftigen Völkermord: »Wer nach Stalin und Mao weiter von Klassen spricht, macht eine Aussage über die Täter- und die Opfergruppe in einem potentiellen oder aktuellen (Klassen-)Genozid« . Das Engagement für die Idee einer gemeinnützigen gesellschaftlichen Kontrolle von Wirtschaft und Politik- auch nur in Gedanken- rückt Sloterdijk in die Nähe des politischen Massenmordes.

Die Hauptlast der Ausbeutung trifft heute nicht die »parasitären Armen« – so bezeichnet Sloterdijk hilfsbedürftige Menschen –,sondern ein neues »Proletariat«. Damit meint er allen Ernstes die Nutztiere der industrialisierten Landwirtschaft Dass Rot gleich Braun ist, werden wir so gewalkt und niedergeschlagen ja zugeben. .Variante Sloterdijk allerdings.!»Faschismus ist Sozialismus in einem Land«

Variante 2: alle bisherigen üblichen Verdächtigen haben Faschismus und Nazismus nicht zu verantworten. Also Nietzsche, Moeller van den Bruck, Chamberlain kommen gut weg. Dagegen. Michael Bakunin erfand den »Anarchofaschismus« . Lenins Oktoberrevolution ist für unseren Karlsruher dann der eigentliche Schoß, aus dem letztlich das faschistische Unheil kroch.

Wie und wo die Nazis das abgekupfert haben, wird nicht verraten. Es ist eben so. Bleibt allenfalls ein Purzelbaum zwischen Himmler und Lukacs. Von dem nämlich hatte Himmler das Rezept zum "Anständigbleiben" unter Leichen. Hatte der junge ungarische Kommunist nicht die metahumanistische Pflicht des Revolutionärs ”zur verbrecherischen Gewaltausübung « eingeklagt?” Möglicherweise handelt es sich -aus den wirren Andeutungen zu schließen- um "Taktik und Ethik" von Lukacs. Höchst anständig, unserem Reichsführer solche Lektüre zuzutrauen, von der Empfänglichkeit für die dortigen Lehren ganz abgesehen. Und so weiter. In der Kunst, das Vergangene bis zur Verdauungsfähigkeit gar zu kochen, ist der Karlsruher fleißiger Resteverwerter. Wenn was dazukommt, sind es schlautuerische Behauptungen und ornamentale Sprachformeln..

Entschlossen zeigt sich Sloterdijk aber in der Behandlung der Zukunft. Hierhin gehören Gedankengänge wie der folgende: Da sich nicht errechnen lasse, was Menschen zugemutet werden kann – sie darüber hinaus in Militär- und Klassengesellschaften seit Jahrtausenden »durch abhärtende, resignative Erziehungen darauf eingestellt« worden sind, »sich unter Herrschaftsdruck Mehrwerte abpressen zu lassen«–, wäre das Problem der Ausbeutung weniger eins der politischen Ökonomie als der politischen Psychologie. Natürlich nicht ihrer Abschaffung, sondern ihrer Erträglichmachung. Sloterdijks politische Wissenschaft befaßt sich folglich nicht mit dem Problem, wie sich die Unterdrückten selbst aus ihrem Elend befreien können. Ihm geht es um die Frage der effektiven Herrschaft und Kontrolle, mithin um die »Kunst der psychopolitischen Steuerung von Gemeinwesen«

Als der Staatssozialismus seine welthistorische Niederlage erlebte,also nach 1980 - war bei Sloterdijk von einem gehbaren anderen Weg zum Sozialismus keine Rede . Statt einer Alternative zum Kapitalismus, geht es ihm heute nur noch um Entwicklungsalternativen im Kapitalismus. Und die haben es in sich.

Einer Elite von Unternehmerheroen schreibt Sloterdijk nun die Aufgabe zu, »den Kapitalismus zu spalten, um den radikalsten Gegensatz zu ihm – aus ihm selbst zu schaffen, ganz anders, als die klassische, vom Miserabilismus überwältigte Linke es sich träumen ließ« . Mit Friedrich Nietzsche rehabilitiert er den Egoismus als »das Incognito der besten menschlichen Möglichkeiten« im Wirtschaftsleben. Sloterdijk bricht eine Lanze für die Herrschaft der wenigen, einer Schicht reicher Oligarchen, die ihre Macht im Rahmen kapitalistischer Konkurrenz erlangt hat. Sloterdijk geht es um die herrschaftsstrategische Trennung von innen und außen. Er bestimmt, wer als »Freund« zu »uns« und wer als »Feind« zu den »anderen« gehört. Dazu definiert er einen kapitalistischen Weltinnenraum, der »demographisch kaum ein Drittel der aktuellen demnächst-Sieben-Milliarden-Menschheit und geographisch kaum ein Zehntel der Festlandflächen« umfasse. Nur innerhalb dieses eng begrenzten Raumes ließe sich die Einbeziehung aller Menschen in ein Wohlfahrtssystem organisieren. Darüber hinaus erklärt Sloterdijk sie für unmöglich:

Das Außen sind bei Sloterdijk die »überbevölkerten Staaten des Nahen und Mittleren Orients und anderswo«. Von dort sieht er die zornigen jungen Männer kommen: »In den Vorstädten schnallen sich versteinerte Gaststudenten den Sprengstoffgürtel um« Sloterdijk läßt keinen Zweifel aufkommen, daß er gegen die von ihm heraufbeschworenen Bedrohungen durch diese anderen auf militärische Lösungen setzt: »Selbst Kenner der Lage besitzen heute nicht die geringste Vorstellung davon, wie der machtvoll anrollende muslimische youth bulge die umfangreichste Welle an genozidschwangeren Jungmännerüberschüssen in der Geschichte der Menschheit, mit friedlichen Mitteln einzudämmen wäre«

Und wozu der Aufwand? Um das banalste zu sagen: Wir im weißen Teil der Welt müssen uns abschotten, aber darauf gefasst sein, dass wir eines Tages über den Rest der Welt herfallen, zum Schutz oder zur Ausbeutung. gleich viel! Das ganze pompös aufgeplustert- und alles, um einer geheimen Angst zu widerstehen, die Sloterdijk in jüngeren Jahren beim Namen kannte: dass nämlich doch eines Tages die Enterbten und Entrechteten, die Erniedriften und Beleidigten sich erheben, um ihren Teil einzufordern.

Um diesem Gedanken keinerlei Raum zu gewähren, nicht einmal als Angstphantasie, muss Lenins Gedanken auf den Kopf gestellt werden. Hatte Lenin erkannt, dass die Befreiung der Arbeiterklasse nur gelingen kann zusammen mit der der ganzen Menschheit, sieht Sloterdijk sich genötigt, den Begriff der Menschheit abzuschaffen, durchzustreichen, mit einem Wort: total zu negieren. Dass dies in der alltäglichen Praxis häufig geschieht, ist das eine. Dass aber die Abschaffung des universalsten Begriffs- dessen der Menschheit- das Denkvermögen bis in die letzte Zelle angreift, davon legt Sloterdijks Werk ein erschütterndes Zeugnis ab.

Dass man in Wirklichkeit ohne Bezug auf den äußersten Umfassungsbegriff Menschheit nicht denken kann, erfährt der Leser eines Sloterdijk in jedem Satz. Wie Trotzki 1932 äußerte: die Bourgeoisie ist an einem Punkt angelangt, wo sie keinen Gedanken mehr zu Ende denken kann! Sloterdijk hat diesen Punkt erreicht.

Denen, die auf die liebgewordene Gewohnheit des Denkens nicht ganz verzichten wollen, bleibt dann nichts übrig, als sich auf Lenins Fortführung der Gedanken der Aufklärung zu stützen. Die wirkliche reale Leugnung der Anfänge Lenins in den Moskauer Prozessen -1937- ist dann der Punkt, auf den Kritik sich zu stützen hätte,ohne Lenins Anfangsgedanken aufzugeben, über alle Niederlagen .]

Quelle: indymediataz/hausmeisterblog

Quelle: Bestände aus ARCHIV STATTWEB 2007



[Seitenanfang]

[Impressum] [Kontakt]
stattweb.de: Stattzeitung für Südbaden im Internet - Sonntag, 12.Februar.2012, 14:02Fake - Nicht klicken! Do not click here!Counter