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stattweb-News Ausgabe 09, 2009-12

Arbeitskreis „Euthanasie“ / Stolperstein-Initiativen / Die AnStifter:
Zum Angriff auf das Buch "Stuttgarter NS-Täter"
News-Beitrag auf stattweb.de vom 9.Dezember 2009

NS Täter Buch
NS Täter Buch

Dr. Volker Lempp, Rechtsanwalt in Stuttgart, Enkel von Dr. Karl Lempp, geht gerichtlich gegen das Buch „Stuttgarter NS-Täter" vor. Mit dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung will er den Verleger Hermann G. Abmayr zwingen, die Verbreitung des Buches "sofort und so lange einzustellen, bis die Seiten, die Dr. Karl Lempp betreffen, aus dem Buch entfernt oder unkenntlich gemacht worden sind, einschließlich der Namensnennung auf der 4.Umschlagseite und im Inhaltsverzeichnis". Der Antrag richtet sich auch gegen den Autor des Kapitels, Dr. Karl-Horst Marquart von der Stolperstein- Initiative Vaihingen, langjähriger Mitarbeiter im Städtischen Gesundheitsamt und Mitglied der AnStifter.

Für den Fall der Zuwiderhandlung beantragt er dem Verleger und dem Autor ein Ordnungsgeld bis zu je 250.000,00 € bzw. Ordnungshaft bis zu sechs Monaten anzudrohen.

Der Antrag wird vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt. Mündliche Verhandlung

Do, 10. Dezember 2009, 11 Uhr, 1. Stock, Saal 155, Landgericht Stuttgart, Urbanstraße 20.

Im angefochtenen Kapitel des Buches wird die Beteiligung von Dr. Karl Lempp, ehemals Leiter des Städtischen Kinderkrankenhauses sowie stellvertretender Leiter des Städtischen Gesundheitsamtes, an Zwangsterilisierungen und an der „Kindereuthanasie“ in der so genannten „Kinderfachabteilung“ dargestellt. Bei seiner Darstellung kann sich Dr. Marquart auf die Fachmeinung fast aller Autoren berufen, die sich mit NS-Kindereuthanasie beschäftigen. Nur in einer Publikation, auf die sich Volker Lempp in seinem Antrag beruft, wird die Existenz einer „Kinderfachabteilung“ in Stuttgart bestritten.

Darüber hinaus legte Dr. Marquart im Kapitel als neue Quelle die Analyse der Totenscheine und „Leichen-Register“-Einträge von 506 Kindern vor, die in der Zeit von Januar 1943 bis Ende April 1945 im Städtischen Kinderkrankenhaus starben. Dies ignoriert Dr. Volker Lempp, der auch verhindern wollte, dass das angefochtene Kapitel im Haus der Wirtschaft vorgetragen wurde. In dieser Hinsicht war sein Antrag erfolglos, die Lesung konnte wie geplant stattfinden.

Dieser Rechtsstreit ist bedeutsam für die Art, wie in Stuttgart mit der NS-Geschichte umgegangen wird, insbesondere auch mit der überfälligen Aufarbeitung der Geschichte der Städtischen Ämter. Mit großer Sorge verfolgen wir diesen Versuch, die Erforschung der Lokalgeschichte zu behindern und engagierte Bürgerinnen und Bürger mundtot zu machen. (...)

Quelle: Pressemitteilung


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www.die-anstifter.de/wp-content/uploads/2009/12/PMLempp.pdf

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