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Artikel


stattweb-News Ausgabe 09, 2009-12

Veegd, Konrad:
Kundus: Unsere Jungs in Afghanistan- doppelt ausgebeutet, doppelt betrogen
News-Beitrag auf stattweb.de vom 17.Dezember 2009

Unsere Soldaten in Afghanistan- heute hatten sie den ganzen Tag mal den Kopf hinzuhalten. Nicht nur beim Herausgucken über den Zaun des Lagers in Kundus- auch und vor allem in Zeitungen, Medien und vor allem im aufgerissenen Mund der CDU/CSU/FDP.

Ausgebeutet sind die Soldaten, weil man -wie in den USA- vor allem Leute erwischt, die sonst wenig Aussichten für sich selber sehen. Deshalb auch keinerlei Aufregung beim Bund in den oberen Rängen über die Reduzierung des Normaldienstes auf ein halbes Jahr. Wie in den USA stehn junge Männer fürs deutsche Bafög nachträglich an. Falls sie überleben, was bis jetzt den Normalfall darstellt.

Insofern gewöhnlich ausgebeutet wie andere Dienstleister in anderen Metiers.

Aber auch betrogen. Um den an sich idiotischen Job durchzustehen, müssen sie -als einzige und letzte- fest daran glauben, dass hinter dem Zaun die Bösen warten. Die man abknallen kann, ja muss. Dafür ist man schließlich da. Die Brunnen und die Mädchenschulen würden sie ja gerne dem afghanischen Volk bieten, wenn man nur aus dem Lager rauskäme. Aber draußen warten ja die Bösen- die müssen... s.o.

Zu diesem überlebenswichtigen Betrug kommt der neue. Die Leuten, die da in Afghanistan auf dem falschen Dampfer reisen, werden in Berlin als Opfer gehandelt. Nicht vor allem als die der Taliban. Vor allem als die der deutschen Öffentlichkeit, die bekanntlich zu an die siebzig Prozent das Heldenhandwerk im fernen Lande ablehnt bis verabscheut.

Undankbar. Herzlos. Unmenschlich. Kein vaterländischer Stil.

Jeder häutet seinen Grenadier, wo er ihn gerade erwischt und wo sein Fell sich patriotisch trägt.

Angefangen hat die BILD. Auf der Titelseite. Kleine Kostproben:

Hauptfeldwebel Martin Grötsch (30, Kommando Operative Führung Ulm) : »Unsere Jungs in Afghanistan setzen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel. Davon spricht keiner.« Auch der 33jährige Hauptfeldwebel Peter Zacharias äußert Verständnis für das am 4. September angerichtete Massaker mit mehr als 140 verbrannten Afghanen: »Ich war in Kundus, und es war wie Krieg. Ich fühlte mich auch selber von den Tankwagen der Taliban bedroht. Daher kann ich die Entscheidung für den Angriff nachvollziehen. Die ewig lange Debatte im Nachgang verstehe ich nicht.« ( Zitate wörtlich nach BILD, übernommen von JUNGE WELT, 17.12.09)

Das fand seine Fortsetzung mehrere Stunden lang im Morgenprogramm von PHOENIX. Eine nur mit Vornamen bezeichnete Mutter wurde aufgeboten und ein evangelischer Feldpfarrer. ( Ist die Mutter nichtt in einer Talkshow schon einmal als Heldenweib aufgetreten?)

Im Duett stellten sie die Leiden dar, die unsere Jungs vor, während und nach der Dienstzeit auszuhalten hatten. Das wird schon so sein. Kein Grund zur Häme. Nur schärfster Widerspruch gegen die Schlüsse, die die geistlich-weltliche Familie daraus zog, von der Moderatorin mitleidsvoll begleitet. Genau die, die BILD schon gezogen hatte. Wenn wir daheimgebliebenen Deutschen die Leistung der Soldaten nicht billigen, nicht loben, fühlen die sich soo allein.

An der Stelle wird die Darstellung zum Ärgernis. Hätten die SPARTACUS-Leute im ersten Weltkrieg sich den Mund zuhalten sollen vor ihren immer noch kriegswütigen Kameraden? Um sie zu schonen? Hätten im zweiten Weltkrieg die paar Vernünftigen die Jungs am besten noch extra in die Ardennen-Offensive gejagt, nur damit sie ihren jungen Glauben nicht zu früh verlieren?

Es muss Kritik geübt werden an einem Einsatz, der von Anfang an aussichtslos war- und inzwischen seine Endphase gefunden hat. Nur allzudeutlich der Gedanke eines Oberst Klein und seiner Gesinnungsgenossen: Ziel sind nicht die Taliban allein. Ziel sind die schwankenden Sympathisanten um sie herum. Sie müssen mit den brutalsten Mitteln vom Kontakt mi den “Bösen” abgehalten werden.

Eine immer bereite Lämtrompete namens Wolfsohn hat es kürzlich für nötig gehalten, uns den Partisanenkrieg zu erklären. Da muss tapfer reingehalten und reingeschlagen werden. Eins hat der Lehrmeister allerdings vergessen: das Ende sämtlicher Partisanenkriege mitzuteilen. Von Napoleon in Spanien angefangen bis hin zu den Deutschen in der Ukraine und den US-Soldaten in Vietnam. Immer wieder blindes Herumwüten in der Menge. Wenn es einmal so weit gekommen ist, ist kein endgültiger Sieg mehr möglich. Auch bei brutalstem Vorgehen nicht.

Diese Einsicht durfte im ganzen Bundestag bei der gnadenhalber gewährten Aussprache mit der Opposition keinen Platz finden. Dafür griffen Sprecherinnen und Sprecher der Koalition die dargebotene Fackel freudig auf -und kaum jemand aus dieser Gruppe versäumte es, vor jeder inhaltlichen Aussage den Toten, Verletzten und Kämpfenden erst mal Ehrfurcht zu erweisen. Gutenberg bot einen seiner schwächsten Einstiege, als er ins Vorjammern verfiel. Ins tenorige Schluchzen. Kräftiger schlug er erst wieder zurück, als er dem unseligen Arnold, SPD, seine Sprüche aus den letzten Jahren um die Ohren schlug. Das Unglück der SPD: Sie hat nur Steinmeiers, Arnolds, Erlers, Weisskirchens auf Lager: die jeden Augenblick durch bloße Erinnerungen niedergestreckt werden. Die GRÜNEN haben im Kriegshetzen seit 2005 teilweise pausiert. ( Von der Abgeordneten Beck abgesehen, die öffentlich beim letzten Afghanistan-Auftritt vor Wochen immer kurz vor dem Schluchzen stand.. Und die die erstaunliche Kraft fand, Guttenberg für seine ersten Erfindungen vor dem Bundestag am lautesten zu danken.)

Wir werden in den nächsten Tagen ihnen noch öfter begegnen! Unseren Jungs im Felde- doppelt betrogen durch Lobredner.

Die nur eines wollen: ihren Krieg weiterzuführen ,so lange es eben geht.

Wie sie rauskommen werden, wissen sie selber nicht. Wenn es nur noch diese vier Jahre reicht!!

Den ganzen Arttikel bei Junge Welt mi allen Zitaten lesen www.jungewelt.de/2009/12-17/056.php

Quelle: Junge Welt, 17.12.09


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