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Artikel


Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 34, 1997-12

Kirchgeßner, Andreas:
Für das Leben und die Freiheit Mumia Abu-Jamals

Ende Oktober fanden in der Reihe «Brennpunkte« in Oberkirch und Offenburg zwei Veranstaltungen zur oben genannten Thematik statt. Durchgeführt wurden sie von derVVN-BdA Ortenau in Zusammenarbeit mit zwei Vertreterinnen des Unterstützungskomitees (UK) Mumia-Jamal, Wiesbaden.

Zur aktuellen Situation der Soli-Kampagne in der BRD führte A. Kirchgeßner ein Interview mit einer Vertreterin des Wiesbadener Unterstützungskomitees.

SZ: Vor ca. 2 ½ Jahren gab´s in der BRD eine breite Mobilisierung zur Unterstützung Mumia Abu-Jamals, damit dieser nicht hingerichtet wurde. Z.B. der damalige Bundespräsident Richard v. Weizsäcker sprach sich für ihn aus, im ARD-Kulturweltspiegel wurde darüber berichtet, durch die große internationale Solida-rität wurde letztendlich seine Hinrichtung verhindert. Welche Breite hat die jetzige aktuelle Soli-Kampagne in der BRD?

UK: Es ist so, daß nach der Aussetzung des Hinrichtungsbefehls im Aug. ´95 erst einmal die Kampagne in der Breite, wie sie eben angeführt wurde, nicht mehr weitergeführt wurde. Es gab 'ne Ruhezeit, obwohl dann bei der Buchmesse ´95 Mumias 1. Buch auf deutsch erschien und wir 'ne Rundreise mit seinem RA Len Weinglass organisiert hatten. Hinzu kam im letzten Jahr die Ausstellung mit Kunstwerken von politischen Gefangenen aus verschiedenen Ländern, vor allem den USA, aber auch aus Lateinamerika, der BRD, Frankreich und Italien. Diese hatten Kunstgegenstände hergestellt, die als Wanderausstellung 1996 auch in der BRD gewesen ist. Im Rahmen dessen hat sich dann noch etwas mobilisiert. In den Städten, wo diese Ausstellung gezeigt wurde, wurde dies auch immer mit einem Rahmenprogramm begleitet. Gezeigt wurde dabei auch der neu erschienene Film »Hinter diesen Mauern«.(siehe SZ 29/S.19/Dez.96)

Als dann Richter Sabo die Wiederaufnahme des Verfahrens von Mumia Abu-Jamal ablehnte, war der Tenor im mittlerweile geschrumpften bundesweiten Treffen der Unterstützungskomitees: Wir müssen wieder anfangen, aktiv zu werden und wir haben dann ab Frühj. ´97 begonnen uns regelmäßig zu treffen und zu diskutieren, da die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes Ende ´97, Anfang ´98 fallen wird, ob es eine Wiederaufnahme des Verfahrens geben wird oder nicht. Wir sind jetzt am Anfang einer neuen Mobilisierung, d.h. Veranstaltungen machen in einzelnen Städten. Wir hatten Len Weinglass jetzt wieder eingeladen, er hat in 5 Städten gesprochen und Mumias 2. Buch ist erschienen. Das sind die Anfänge einer neuen Mobilisierung, in der wir noch einiges mehr vorhaben, auch an öffentlichen Aktivitäten, Herangehen an die Presse etc.

SZ: Gibt es noch Anknüpfungspunkte von der Kampagne vor 2½ Jahren, wie z.B. den Journalistenverband oder Teilen der Gewerkschaft? Habt Ihr da noch Kontakte? Geht´s da schon wieder los?

UK: Die Kontakte zu den journalistischen Kreisen, wie die IG-Medien sind insofern nie eingeschlafen, da der Verleger von Mumias Büchern mit denen im ständigen Kontakt steht. Außer den IG-Medien müssen die ganzen Kontakte zu gewerkschaftlichen und kirchlichen Kreisen wieder aufgegriffen werden, sowie die Kontakte zu lokalen und überregionalen Presse müssen wiederbelebt werden.

SZ: Die Kontakte zur lokalen Presse müssen ja wohl eher über die örtlichen Gruppen oder Komitees laufen. Dazu noch 'ne Frage. Hier in Offenburg be-richtete ne ältere Genossin, daß auf der Straße immer weniger Leute bereit sind, überhaupt 'ne Unterschrift zu geben, auch wenn´s um die Unterstützung von Mumia geht. Habt Ihr da ähnliche Erfahrungen gemacht?

UK: Die Erfahrung für uns in Wiesbaden ist eine andere. Es muß aber auch hinzugefügt werden, daß es in der neu anlaufenden Mobilisierung bisher wenig öffentliche Aktivitäten gab. Also wie früher, daß jede Woche ein Infostand in der Fußgängerzone gemacht und Kontakt mit der Bevölkerung aufgenommen wurde. Was aber ansonsten in Veranstaltungen, die wir machen, ist, daß sich sehr viele Leute wieder mobilisieren lassen. Dies war positiv überraschend, da im Moment die politischen Aktivitäten eher etwas ruhiger sind. Daß z.B. in Wiesbaden zu einer Veranstaltung ca. 40, 50 Leute erschienen sind, ist sehr gut.

SZ: Wie sieht´s denn zur Zeit in den anderen europäischen Ländern aus?

UK: Das Netzwerk, das 1995 aufgebaut wurde, sowohl hier bundesweit, als auch in den europäischen Ländern, wie Dänemark, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, dieses Netzwerk existiert nicht mehr. Es ist wie so vieles erstmal schlafen gegangen. Es muß wieder aufgebaut werden. Was wir aber gehört haben, ist, daß z.B. in Italien der Bürgermeister von Venedig Mumia Abu-Jamal zum Ehrenbürger der Stadt ernannt hat. Die Ausstellung, die letztes Jahr aus Holland zu uns kam und vorher noch in Frankreich war, von uns dann weiterlief nach Spanien und Italien, zeigte, daß es weiterhin in anderen europäischen Ländern immer noch Gruppen und Personen gibt, die sich für Mumia einsetzen.

SZ: Zum Abschluß noch: Len Weinglass sagte auf einer Veranstaltung in Heidelberg vor ein paar Wochen, daß vor allem Unterstützung von prominenten Leuten aus dem Ausland in den USA beachtet werden würde. Wie sieht´s da aus bzw. wie ist da Eure Position dazu?

UK: Wir hatten 1995 dies auch so analysiert, daß es ganz wichtig ist, Prominente und einflußreiche Leute aus allen möglichen Sparten für Mumia zu gewinnen. Dies ist uns ja auch gelungen, wie z.B. Peggy Parnass, die dann auch im 1. Buch von Mumia vorne als Mitherausgeberin erschienen ist. Wie schon erwähnt, Leute aus den oberen Etagen der Gewerkschaften oder kirchlichen Kreisen, dieser Teil der Mobilisierung, was sich an die Kreise der Prominenten richtet, das müssen wir jetzt wieder aufbauen. Wir schätzen es aber auch so ein, wie Len Weinglass gesagt hat, daß es sehr wichtig ist, daß wir auch Leute aus politischen und anderen gesellschaftlichen Kreisen, die prominent sind dafür gewinnen können. Oder ich will es auch mal so formulieren, daß sich der politische Druck durch die Mobilisierung von uns so erhöht, daß Leute, wie z.B. der Herr Weizsäcker oder Herr Kinkel gezwungen sind, zur Situation von Mumia, Stellung zu nehmen.



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