stattweb-News Ausgabe 05, 2005-11![]()
VVN-BdA Stuttgart und Landesvereinigung Baden-Württemberg:
Widerstand ein Leben lang - Gertrud Müller wird 90 Jahre alt
News-Beitrag auf stattweb.de vom 28.November 2005
Am 29.11.2005 begeht die Stuttgarter Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Gertrud Müller ihren 90. Geburtstag.![]()
Gertrud Müller stammt aus einer Feuerbacher Arbeiterfamilie. Ihre Eltern waren entschiedene Nazigegner. Schon als 17-jährige wurde sie 1933 zum ersten mal kurzzeitig verhaftet, weil sie dem kommunistischen Jugendverband angehörte; ein zweites Mal, weil sie ihrem Freund und späteren Ehemann Gustav Müller ins Gefängnis schrieb, daß Hitler mit der Aufrüstung beginne.![]()
Gertrud Müller ließ sich von dieser ersten Verhaftung nicht weiter beirren. Sie verteilte mit drei weiteren Feuerbacher Jugendlichen zahlreiche Flugblätter gegen die Nazis. „Das ist natürlich nicht einfach gewesen, aber wir haben alles riskiert, weil wir jung gewesen sind und es mit Begeisterung macht haben. Wir haben uns zum Beispiel sehr darüber gefreut, daß sich die Nazis jedes Mal so wahnsinnig darüber ärgerten, wenn sie uns nicht erwischt haben“, erzählte Gertrud Müller später über diese Aktionen.![]()
Als sie 1942 zusammen mit ihrem Mann und einem Freund versuchte, hungernden russischen Zwangsarbeiterinnen heimlich etwas zu Essen zuzustecken, wurde sie von einem Wachposten der Firma Behr in Feuerbach, wo sie als Kontoristin arbeitete, erkannt und verraten. Der Nazistaat rächte sich furchtbar. Ihr Mann und ihre Familie wurden verhaftet. Die Nazis beschuldigten sie „staatsfeindlicher Aktivitäten und des Hochverrats“. Es folgten endlose Gestapoverhöre, über ein Jahr Einzelhaft, Arbeitslager Rudersberg, schließlich KZ Ravensbrück. Dort erfuhr sie, daß in ihrer Akte „Rückkehr unerwünscht“ stand. Ein Todesurteil. Doch der illegalen Lagerleitung der Häftlinge gelang es, Gertrud Müller in einen Gefangenentransport in das KZ-Lager Geislingen, ein Außenlager des KZ Natzweiler, zu schmuggeln. Ihre Befreiung erlebte sie, gesundheitlich schwer angeschlagen, im Lager Allach, einem Außenlager des KZ Dachau.![]()
Was sie in den verschiedenen Konzentrationslagern an Entsetzlichem, aber auch an Solidarität unter den Häftlingen erlebte, hat ihr ganzes späteres Leben geprägt. Lange Jahre wirkte sie als Vorsitzende der Stuttgarter Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN - seit 1972: VVN-Bund der Antifaschisten). In zahlreichen Vorträgen vor Schulklassen, bei alternativen Stadtrundfahrten, Podiumsdiskussionen, als Rednerin bei Kundgebungen und Demonstrationen, warnte sie vor dem Wiederaufflammen von Rassismus und Neonazismus. Unzählige, vor allem junge Menschen, haben sie so als temperamentvolle und überzeugende Kämpferin für eine humane Welt, in der es nie wieder Faschismus und Krieg geben darf, kennengelernt. Gertrud Müller war lange Jahre Vorsitzende der Lagergemeinschaft Ravensbrück. Heute ist sie Ehrenvorsitzende der Lagergemeinschaft Ravensbrück /Freundeskreis e.V. Auch heute im hohen Alter, legt Gertrud Müller lebendig und unermüdlich Zeugnis ab von den Verbrechen des Faschismus und fordert jüngere Generationen zum aktiven Handeln gegen Neofaschismus, Rassismus und neue Kriege auf.![]()
Die VVN-Bund der Antifaschisten ist stolz darauf Gertrud Müller, die Mahnerin und Kämpferin für eine bessere und gerechtere Gesellschaft in ihren Reihen zu haben.![]()
Wir gratulieren herzlich!


