
Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 48, 2001-12![]()
Cuba-Gruppe Freiburg:
Aleida Guevara war in Freiburg
Am 23. September veranstaltete die Cuba-Gruppe Freiburg eine Diskussionsveranstaltung mit Aleida Guevara, der ältesten noch lebenden Tochter Che Guevaras. Die Veranstaltung war mit ca. 300 Gästen im Vorderhaus der Habsburger Fabrik gut besucht.. Aleida Guevara referierte über aktuelle Themen Cubas, v. a. über wirtschaftliche Entwicklungen und die Fortschritte im Gesundheitssystem durch die Revolution. Die darauffolgende Diskussion war geprägt durch Fragen, die sich auf die momen-tane Situation Cubas und das aktuelle Weltgeschehen bezogen. Wir dokumentieren einige wenige dieser Punkte.![]()
Frage: Was passiert nach dem Tod Fidel Castros und wie bereitet sich Cuba darauf vor?![]()
Aleida: "Wenn Fidel Castro stirbt, wird das ein sehr schwerer Moment für die cubanische Revolution sein, vor allem von den Gefühlen her. Dieser Mann hat das Beste seines Lebens für sein Volk gegeben, und die überwiegende Mehrheit des cubanischen Volkes liebt ihn sehr und respektiert ihn sehr. Aber wenn ihr ernsthaft nachdenkt und all die Aggressionen berücksichtigt, unter denen wir leiden mussten, kommt ihr sicherlich darauf, dass der Wille eines einzigen Mannes nicht ausreicht, um eine Revolution dieser Art aufrecht erhalten zu können. Es muss ein gesellschaftliches Bewusstsein und eine Vereinigung des Volkes existieren, und man muss sicher sein in der Frage, was man will und was man macht. Das heißt, wenn Fidel nicht da ist, muss die cubanische Revolution weiterleben. Trotz unserer Prinzipien und den Errungenschaften der Revolution haben die großen Herren der Vereinigten Staaten beschlossen, dass Cuba einen anderen Weg einschlagen muss, einen nach ihrem Geschmack.![]()
Warum? Das Helms-Burton-Gesetz hat einen internen Teil, der die Übermacht der USA zeigt und sich auf Cuba bezieht. Es sagt sehr klar, dass, wenn Cuba sein soziales System verändert, die USA das Recht hätte, die Blockade aufzuheben oder auch nicht. Wenn Cuba sein soziales System verändert, hat die USA das Recht, ihr Eigentum von vor der Revolution wiederzuerhalten und natürlich das Eigentum derer, die Cuba vor 42 Jahren verlassen haben. Und was ist dieses Eigentum? Das ist praktisch gesehen das ganze Land. Das sind die Orte, wo unsere Kinder unterrichtet werden, das sind die Orte, wo die alten Menschen ruhen, das sind viele unserer Polykliniken. Wie können wir das übergeben und warum? Um uns in ein Haiti umzuwandeln oder in ein anderes Land Lateinamerikas? Nein, das hat keinen Sinn!![]()
Frage: Cuba hat sich nach den Anschlägen vom 11. September in New York solidarisch erklärt im Kampf gegen den Terrorismus. Welche Position nimmt Cuba in diesem Zusammenhang ein, und wie steht Cuba zu den bevorstehenden Angriffen auf Afghanistan?![]()
Aleida: "An erster Stelle haben wir als Volk immer die Integrität jedes anderen Volkes respektiert. Und das ist ein Prinzip. Die internen Probleme von jedem Land müssen vom jeweiligen Land selbst gelöst werden. Was wir verurteilen ist der Staatsterrorismus, unter dem wir 40 Jahre gelitten haben. Wir denken, dass dies nicht die adäquaten Methoden sind, um die Ungleichheiten in der Weltentwicklung zu verändern. Wir denken, dass es andere Dinge gibt, die man tun kann, die viel wichtiger sind für die Entwicklung der Menschheit. Es gibt Kulturen, die wir nicht verstehen, weil sie sehr verschieden von unserer Kultur sind. Aber wir respektieren diese Kulturen. Und wir denken nicht, dass die Welt unterteilt ist in Barbaren und Zivilisierte. Wir denken, dass die Welt unterteilt ist in Reiche und Arme, in Menschen, die sehr viel haben und in Menschen, die überhaupt gar nichts haben. Das ist die Unterteilung der Welt, die wir empfinden. Das andere ist eine Art, die Augen in Bezug auf die real existierenden Probleme der Gesellschaft zuzumachen, damit diese Probleme nicht richtig gelöst werden können.![]()
Cuba hat sehr deutlich seine Position vermittelt: Wir können nicht für die USA sein, wenn sie diese Art von Aggressionen bei einem ganzen Volk durchführen. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist Kriminalität. Und die verurteilen wir energisch. Wenn sie die Schuldigen ausfindig machen wollen, denke ich, dass das gerecht ist. Aber die Welt muss diese Beweise der Schuld kennen. Bis heute sind uns keine Beweise bekannt gemacht worden. Und die USA können nicht als Weltpolizei auftreten, weil wir ihnen dieses Recht gar nicht gegeben haben. Und ich denke, dass es unsere Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass ihre Haltung verbessert wird. Und das ist das, was Cuba sagt. Und das ist das, was ich glaube."![]()
Cuba-Gruppe Freiburg![]()
Die Cuba-Gruppe trifft sich jeden 3. Dienstag im Monat um 20.30 Uhr in der KTS, Baslerstr. 103 in Freiburg. Sie unterstützt in einem Projekt mehrere Behindertenschulen in der Provinz Pinar del Rio.![]()
Sendung zu aktuellen Themen in Cuba jeden 1. Dienstag im Monat um 19.00 Uhr bei Radio Dreyeckland auf 102,3 MHZ.![]()
Spenden erbeten auf folgendes Konto: Postbank München; Kontonummer: 326937-801; BLZ 70010080.
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