Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 69, 2007-06![]()
Lutz, Gunhild:
Polizeihund-Attacke auf wehrlosen Mann
Im Folgenden soll hier über einen Vorfall berichtet werden, der sich bereits am Karsamstag (07.04.07) in Freiburg zugetragen hatte.![]()
Ein aus Nigeria stammender Deutscher (Herr K.) und sein achtjähriger Sohn, die einer sich in Not befindenden Frau helfen wollten und aus diesem Grund die Polizei alarmierten, befanden sich kurz darauf selbst in einer Notlage – milde ausgedrückt. Einige Beamte der herbeigerufenen Polizei waren in diesem Fall keineswegs „Freund und Helfer“ sondern verhielten sich Herrn K. gegenüber von vornherein aggressiv und hetzten im weiteren Verlauf des Geschehens einen Schäferhund auf ihn. ![]()
Eine couragierte Zeugin mischte sich ein und protestierte energisch gegen die Unverhältnismäßigkeit des Polizei-Einsatzes. Herr K. wurde noch in derselben Nacht mit 11 Bisswunden zur Notfallbehandlung in die Uni-Klinik eingeliefert. Herr K. nahm sich einen Anwalt und erstattete Anzeige gegen die Polizei, die Polizei wiederum leitete gegen Herrn K. ein Verfahren wegen „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte“ ein. ![]()
Gänzlich unbemerkt (und daher unveröffentlicht) blieb dieser Vorfall von den lokalen Medien nicht. So strahlte TV-Südbaden einen ersten Bericht darüber in der Woche nach Ostern aus. In der Zeitung „Der Sonntag“ erschien dazu am 22.04.07 ein Artikel mit der Überschrift „Zum Hund: “Friss den Neger“ ,“Freiburger Polizeibeamte wegen Gewaltmissbrauchs im Dienst angezeigt“ und mit der Zwischenüber-schrift „Polizisten im Stress“ zwischen zwei Absätzen. ![]()
Insbesondere dieser Artikel erregte einiges Aufsehen. VertreterInnen des Freiburger Friedensforums, der VVN-BdA Freiburg und von SAGA gingen der Sache nach und konnten mit Hilfe von TV-Südbaden und der Zeitung „Der Sonntag“ persönlichen Kontakt zu Herrn K. aufnehmen. Am Donnerstag, den 24.05.07 folgten Herr K. und sein Sohn einer Einladung u.a. des Freiburger Friedensforums und berichteten dort selbst, was ihnen am Karsamstag widerfahren war. ![]()
Auch ein Teil der ortsansässigen Politiker (Gustav Adolf Haas/MdL und Walter Krögner/Stadtrat) wurde tätig und richtete am 11.05.07 eine Anfrage an den Leitenden Kriminaldirektor Heiner Amann, in der sie Genaueres über die Gründe des Verhaltens der Polizei erfahren wollten und auch darauf verwiesen, dass „die Pressemeldung erhebliche Unruhe in der Bevölkerung verursachte“. Unter der Überschrift „Fragen an den Polizei-Chef/ SPD-Politiker sind besorgt wegen der Polizeihund-Attacke auf einen Nigerianer“ griff die Zeitung „Der Sonntag“ am 27.05.07 das Thema erneut auf und zitierte auch aus dem Antwortschreiben des Ltd. Kriminaldirektors Amann an die beiden SPD-Politiker folgenden Satz:![]()
“Aussagen in den Medien, die besonders geeignet waren, Unruhe in der Bevölkerung zu verursachen und die Akzeptanz des polizeilichen Gewaltmonopols in Frage zu stellen, bestätigten sich ersten Ermittlungsergebnissen zufolge nicht.“ Ein bemerkenswerter Satz!![]()
Außerdem wurde in diesem Artikel der Frage nachgegangen, wie mit den Zeugen des Vorfalls vom 07.04.07 bei den![]()
Vernehmungen in der Woche vom 21.-25.05.07 umgegangen wurde. Anders als in früheren Fällen wurde bspw. ein Vertreter von SAGA daran gehindert, Zeugen zu den Vernehmungen zu begleiten. Am 31.05.07 fand im Freiburger Friedensforum eine Pressekonferenz statt, zu der sich u. a. VertreterInnen der BZ, des „Südkuriers“, der Zeitung „Der Sonntag“, des Südwestfunks, von Radio Dreyeckland und Radio Regenbogen und auch die couragierte Zeugin einfanden. Herr K. berichtete nochmals ausführlich und in ergreifender Weise über die Geschehnisse am 07.04.07. ![]()
Am 02.06.07 erschien dazu in der BZ ein Artikel unter der Überschrift „“…dann geh doch zurück!“/ „Ermittlungen zu einem möglicherweise fremdenfeindlichen Polizeieinsatz kurz vor dem Abschluss“. ![]()
Am 28.06.07 brachte die BZ nochmals einen Artikel zum Thema, diesmal unter der Überschrift „Ermittlungen dauern noch“/“Landtagsabgeordneter Haas versteht die Polizei nicht“. Herr Haas empört sich hier zu Recht, dass die Ermittlungen der Landespolizeidirektion (LPD) entgegen früherer Aussagen noch immer nicht (fast 3 Monate nach dem 07.04.07!) abgeschlossen sind. Herr Haas: “Es wurde offenbar ein Vierteljahr benötigt, um nicht festzustellen, ob die Polizei am 7. April 2007 den Deutsch-Nigerianer so verletzt hat, dass er einer klinischen Behandlung unterzogen werden musste.“![]()
Gerade dieser Klinikaufenthalt, bei dem es möglicherweise zu fremdenfeindlichen Äußerungen gegenüber Herrn K. gekommen sein könnte, sei der Grund für das Andauern der Ermittlungen – so die LPD.![]()
Soviel zunächst einmal zu dem, was bisher über den Vorfall berichtet bzw. veröffentlicht wurde.![]()
Hier nun folgt eine Schilderung des Vorfalls, die sich auf die Aussagen des Herrn K. und seines Sohnes stützt.![]()
Herr K. lebt seit 12 Jahren in Deutschland, seit 2 Jahren besitzt er die deutsche Staatsangehörigkeit; er hat 2 Kinder, er ist![]()
alleinerziehender Vater seines achtjährigen Sohnes. ![]()
Herr K. und sein Sohn befanden sich am Karsamstag bei einer Trauerfeier in einem Gebäude der Diakonie an der Ecke Eschholzstr.- Ferdinand-Weiss-Str. in Freiburg. Herr K. machte noch einige Ausführungen zu der Gestaltung der Feier, an der Nigerianer und auch Einheimische teilnahmen. Gegen 22.00 Uhr wollte er sich mit seinem mittlerweile müde gewordenen Sohn auf den Heimweg machen als plötzlich eine weinende, sehr aufgeregte Frau in die Halle des Gebäudes kam und etwas von einer drohenden Schießerei erzählte, die sich in der Kneipe „Furioso“ schräg gegenüber auf der anderen Seite der Eschholzstrasse angeblich anbahnte. Herr K., sein Sohn und einige andere Trauergäste begleiteten die Frau bis vor die Kneipe, in die sie jedoch nicht hineingingen, aus Furcht vor einer Schießerei. Dem Rat seines Sohnes folgend verständigte Herr K. über sein Handy die Polizei und schickte seinen Sohn in Begleitung eines Bekannten wieder auf die andere Straßenseite zurück.![]()
Nach wenigen Minuten traf die Polizei ein; von Anfang an verhielten sich einige der Beamten gegenüber Herrn K. aggressiv.![]()
Herr K. – in der Annahme, seiner Pflicht zur Hilfe mit dem Herbeirufen der Polizei Genüge geleistet zu haben – wollte zu seinem Sohn auf die andere Straßenseite gehen, um seinen Sohn davon abzuhalten, wieder auf die Straße zu rennen. Herr K. dachte daran, dass erst am Vormittag desselben Tages ein 12-jähriges Mädchen durch einen abbiegenden LKW nur eine Strassenkreuzung weiter zu Tode gekommen war.![]()
Die Polizei beharrte darauf, dass er als Zeuge an Ort und Stelle zu bleiben habe und ging auch nicht auf den Vorschlag von Herrn K. ein, seinen Sohn von jemandem zu sich herüberholen zu lassen. Aus Sorge um seinen Sohn wandte Herr K. sich ab und machte ein oder zwei Schritte in Richtung Straße. Er bemerkte noch, dass ein Polizist sich schwarze Handschuhe anzog, dann wurde er von hinten geschlagen und zu Boden geworfen. Er hörte seinen Sohn schreien: “Bringt meinen Vater nicht um!“![]()
Ein Polizist rief, man solle den Hund rausholen, der solle „den Neger fressen“. Der nicht angeleinte Hund biss Herrn K., der auf dem Boden lag, überall. Ein Polizist forderte Herrn K. auf aufzustehen und hielt den Hund am Halsband fest. Als Herr K. wieder stand, wurde der Hund erneut auf ihn losgelassen. Eine Polizistin schlug Herrn K. mit der Pistole in den Nacken. Herrn K.´s Kleider waren voller Blut und zerrissen. Nach kurzer Bewusstlosigkeit fand sich Herr K. auf der anderen Straßenseite wie der. Die couragierte Zeugin blieb – nachdem sie auf die Vorgänge aufmerksam geworden war – die ganze Zeit da und verlangte von einem der Einsatzbeamten seinen Dienstausweis zu sehen. Um die Frau, die sich zuerst Hilfe suchend an Herrn K. gewandt hatte, kümmerte sich offensichtlich niemand mehr.![]()
Mittlerweile waren auch viele der Trauergäste aus der Halle herausgekommen, die Herrn K. und seinem Sohn beistehen wollten. Es kamen weitere Polizeiwagen, die in die Menge hinein fuhren; die Polizisten, die ausstiegen, schlugen mit Knüppeln um sich. Einem der Trauergäste gelang es, mit seiner Kamera Filmaufnahmen zu machen. Der Film ist noch vorhanden und wurde auch schon gezeigt. Herr K. wollte in die Klinik, doch es verging noch fast eine ganze Stunde bis ein Krankenwagen kam. Herr K., der sich in dem Krankenwagen in Begleitung seines Bruders und seines Sohnes befand, bemerkte, dass der Wagen ohne Blaulicht fuhr und an allen roten Ampeln anhielt. Aus Protest wollte Herr K. aussteigen, daraufhin fuhr die Polizei mit Blaulicht voraus. Die Polizei betrat mit Herrn K. und seinen Begleitern den Behandlungsraum. Nach einigem Hin und Her schickte der Arzt die Polizei aus dem Behandlungszimmer. Herr K. hatte starke Schmerzen und zitterte vor Angst. Da es auf Grund der Schmerzen nicht möglich war, Herrn K.´s Kopf durch Abtasten zu untersuchen, wurde eine Röntgenaufnahme gemacht. Der Arzt verhielt sich Herrn K. gegenüber unfreundlich, was wohl auch durch die angespannte Atmosphäre im![]()
Behandlungsraum verursacht worden sein kann. Gegen 3.00 Uhr verließen Herr K. und seine Begleiter die Klinik, von einem der Einsatzbeamten wurden sie wieder zu dem Diakonie-Gebäude an der Eschholzstraße gefahren, wo sie auf einen Bekannten trafen, der sie nach Hause brachte.![]()
Am Ostersonntag begab sich Herr K. zur Nachbehandlung wieder in die Klinik; sowohl von dem Arzt als auch dem Oberarzt wurde Herr K. verständnisvoll behandelt. Zur Dokumentation wurden Photos von den Verwundungen gemacht. Ihm wurde geraten, sofort Anzeige zu erstatten. Noch am Ostersonntag ging Herr K. zum Polizeirevier Süd; der Beamte, auf den er traf, behandelte ihn mit Respekt und entschuldigte sich für das Verhalten seiner Kollegen. Er empfahl ihm auch, einen Antrag auf Entschädigung zu stellen. ![]()
Herr K. und sein Sohn befinden sich seit dem Vorfall in Psychotherapie.![]()
Zu ergänzen ist an dieser Stelle noch, dass es mittlerweile zu einem klärenden Gespräch zwischen Herrn K. und dem![]()
Klinikpersonal – insbesondere mit dem erstbehandelnden Arzt – gekommen ist. Der Arzt wies zwar eine fremdenfeindliche Motivation seines Verhaltens zurück, entschuldigte sich jedoch für seine Unfreundlichkeit. ![]()
Herrn K. hat dieses Gespräch geholfen, es hat ihn sichtlich beruhigt und sein Misstrauen gegenüber der Klinik sehr gemildert.![]()
Für ein „Andauern der Ermittlungen“ diesbezüglich (s.o.) durch die LPD besteht insofern also kein Grund mehr.![]()
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