Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 60, 2005-03![]()
Adamo, Hans:
Es klappert die Mühle am rauschenden Bach...
Hans Adamos Protest gegen ein Zwangsidyll
Am 21. Dezember 2004 strahlte der Sender SR-Südwest zum zweiten Mal den Film „FAHR MAL HIN – VOGESENWINTER IM TAL DER BREUSCH« von Georg Bense aus. Als der Film im Jahre 2003 zum ersten Mal gezeigt wurde, schrieb der 73jährige Historiker, langjähriges Mitglied der VNN-BdA,![]()
Hans Adamo der zuständigen Redaktion seine Bedenken zu dem Film. Da die Kritik unbeachtet blieb, richtete sich Adamo Mitte Januar in einem offenen Brief an den Sender, aus dem wir hier Auszüge veröffentlichen:![]()
»Der Film hat die Landschaft im Tal zu Breusch in den Vogesen mit ihren idyllischen Dörfern und der Geschichte der Region zum Inhalt. Es ist kein geschichtsloser Film. Er erwähnt die humanistische Tätigkeit Pfarrer Oberlins, eines der Väter der Sozialbewegung des 19. Jahrhunderts, die Geschichte der Holzverarbeitung, des Bierbrauens und des Dialekts. ... Dieses und mehr vermittelt der Film, nur eines nicht: An einem Berghang des Breuschtales in der Nähe des Dorfes Natzweiler befindet sich das ehemalige deutsche KZ Struthof.![]()
Von 1941 bis 1945 betrug die Gesamtzahl der Häftlinge 45 000. Es waren rassisch und politisch Verfolgte, Gegner des Naziregimes und Widerstandskämpfer aus vielen Ländern Europas. Entsprechend dem Prinzip ›Vernichtung durch Arbeit‹ betrug die Zahl der Toten für dieses Lager mit seinen Nebenlagern 25000.![]()
Man kann das Lager deutlich sehen vom Gipfel des Donon. Dort haben die Saarbrücker Filmemacher alte Steine aus der Zeit der Kelten gesehen. ... Über den Berg der Kelten haben sie informiert, über den ›Berg des Todes‹ – so der Titel einer Broschüre, von einem ehemaligen KZ-Häftling geschrieben – haben sie nicht ein Wort verloren...![]()
Die Frage, die sich zuerst stellt: Wurden Georg Bense und seine Mitarbeiter zum Schweigen veranlasst? Entspricht es der Wahrheit, daß aus ›ästhetischen Gründen‹ das ursprüngliche Konzept für den Film geändert werden mußte, weil angeblich die heile Welt des romantischen Breuschtales mit dem Blick auf ein ehemaliges KZ-Lager nicht vereinbar ist?![]()
Die zweite Frage: Nutzt der Film den Franzosen und Deutschen, die sich zunehmend gemeinsam um die Bewältigung der Vergangenheit bemühen, oder den Leuten um Le Pen, die als Auschwitz-Leugner auch die Existenz des KZ-Lagers auf dem Struthof leugnen? ...![]()
Die dritte Frage: Sind Sie nicht auch der Meinung, daß der Film unbedingt überarbeitet werden muß? Mit einer Minute weniger Plätschern der Breusch zugunsten einer angemessenen Information über das ehemalige KZ-Lager auf dem Struthof wäre ein erster Schritt getan.«
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