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W.P.: Ich habe da einen entgegengesetzten Ansatz. Schon der Begriff Selbst ist – für sich genommen – Ideologie und gehört zu einer Gesellschaft, worin Selbstbezogenheit hohen Wert hat und also selbstverständlich sein soll. Einem ideologisch begründeten Erwartungsdruck kann man sich aber allein schon dadurch entgegensetzen, dass man dieser Selbstbezogenheit keinen Glauben schenkt, solche Ideologie kritisiert und schon dadurch überwindet, dass man sich gesellschaftlich auf andere Menschen bezieht. Das ist zwar auch für einige Menschen möglich, besonders am Rand der Gesellschaft. Ich meine dagegen, dass es für den Großteil der Menschen in einer Dienstleistungsgesellschaft, worin die Kultur des Kapitals gepflegt wird, um existenzielle Probleme geht, worin Selbstbezogenheit zwischenmenschliche Realitäten schafft, welche die Menschen wirklich in Lebensräume treibt, die aus ihren Selbstwahrnehmungen entstehen und daher ästhetische Grundlagen haben, zugleich aber auch Lebenswirklichkeiten erzeugen. Depression ist nach meiner Auffassung – jetzt ästhetisch expliziert – eine Gefühlsverdopplung, also keine Erschöpfung durch Erwartungen, sondern eine Verstärkung ohnmächtiger Gefühle inmitten einer reichen Welt, worin Erschöpfung nicht nötig wäre. Menschen werden durch ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, in denen sie sich durchaus geborgen und ohne Druck erleben, durch ihre Gefühle, die ihnen entäußert wurden, selbst eingesperrt. Sie verfangen sich im Käfig ihrer Innenwelt, weil sie durch ihre Geborgenheit keine Außenwelt mehr erkennen können. E.K.: Nun ist Depression nicht nur ein einfaches Niedergedrücktsein. Depressive Menschen sind tatsächlich auf gewisse Weise als Lebende tot, dass sie, wie du es vorhin beschrieben hast, in einem tiefen, dunklen Brunnen sitzen, aus dem kein Entrinnen ist. Viele von ihnen leiden jahrelang, immer wieder. Manche sind so verzweifelt, dass sie sich selbst töten müssen wie Robert Enke. Wie entsteht die Notwendigkeit der Selbsttötung aus der Depression? W.P.: Es ist der Brunnen selbst, die letzte Entscheidung, einem ausweglosen, also ewigen Rumrühren und Schwimmen zu entkommen. Umgekehrt ist der Brunnen von außen manchmal überraschend leicht zu überwinden. Die ästhetische Falle, die da zugeschnappt ist, kann durch Aufgabe des ihr entsprechenden Lebensraums oder durch Kritik und Entsagungen der Einverleibung einer symbiotischen Bezogenheit geöffnet werden. Auch durch die Auflösung der inneren Kreisläufe, die sich im Selbstlähmungsprozess auch körperlich abspielen, lässt sich oft sehr viel verändern. In diesen Kreisläufen verfängt sich eben nicht einfach eine "Erschöpfung", sondern auch eine Erregung, die alleine aus der Verdopplung der Gefühle, also ihre Identifizierung mit Fremdgefühlen, entsteht und die Wahrnehmung bedrängt. E.K.: Wie sieht denn eine solche Therapie praktisch, also weniger theoretisch formuliert, aus? Können dabei Antidepressiva helfen? W.P.: Ich bin kein Arzt und will mich auch nicht als letztendlicher Ratgeber und Therapeut ausstellen. Es gibt keine einfach funktionalen praktischen Mitteln und keine allgemeine Bestimmung einer Therapie, welche die Depression einfach so "heilen" kann, wie eine Aspirin gegen den Kopfschmerz. Falls die innere Erregung der Lähmung vorherrscht und Schlafstörungen und Hyperventilation oder anderes im Vordergrund sind, muss man da auch somatische Hilfe einbeziehen, z.B. mit Johanniskraut, das es heute schon in hoher Konzentration gibt. Antidepressiva wirken oft auch fatal und unkalkulierbar und greifen auch tief, also auch selbst als Blockade, welche ihre Indikation in Frage stellt. Ich habe immer versucht, weitgehend kommunikativ zu arbeiten und den Gefangenen der isolierten Gefühle zur Flucht zu verhelfen, indem ich mit ihnen spazieren gegangen bin, andere Wahrnehmungen geteilt und besprochen habe und dabei auch selbst viel erfahren und von ihnen gelernt habe. Das war eine Gegenseitigkeit, die irgendwie gut getan hat, sofern sie authentisch war, und doch fremde Menschen in Beziehung brachte, so dass ein durch andere Bezogenheiten erneuertes Leben zur Wirkung kam. Aber immer ist das nicht herstellbar und "funktioniert" in dem Sinn auch nicht so einfach. Für das Leben gibt es keine Garantie; es verlangt Kraft und glückliche Umstände, um aus dem Brunnen herauszufinden. Meist ist dieser glücklicherweise noch nicht ganz zu und lässt neue Beziehungen offen. Bedingung ist, dass Authentizität nicht als Mittel der Therapie eingesetzt wird. Das ist ein Widersinn in sich, der sich schnell ergeben kann. Ich meine daher, dass ein Psychologe wie jeder Mensch auf Dauer von einer solchen Beziehung überfordert ist und irgendwann zu den klassischen Mitteln greift oder die Psychiatrie zu Hilfe ruft, weil er zwangsläufig durch Gewöhnung seine Authentizität verliert. Ich habe aus diesem Grund mit der Psychologie nach 6 Jahren aufgehört. Auch Psychologinnen und Psychologen sollten wissen, dass sie das nicht ein Leben lang bleiben müssen, was sie sind. --- Wolfram Pfreundschuh studierte Psychologie und Philosophie und war langjährig in der antipsychiatrischen Bewegung aktiv. Veröffentlichungen zu den Themen: „Kritik der politischen Ästhetik“ und „kritische Theorie bürgerlicher Subjektivität“. Er betreibt die Website www.kulturkritik.net und arbeitet gegenwärtig an dem Buch „Die Kultur des Kapitals“, das Ende des Jahres erscheinen soll.
Quelle: per mail, 16.11.'>

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In Stuttgart finden am 3. Oktober die offiziellen Feiern zum sogenannten »Tag der deutschen Einheit« statt. An diesem Tag sind jede Menge Schaufensterreden und viel nationales Pathos über die erfolgte »Wiedervereinigung« der bei-den deutschen Staaten zu erwarten. Gegen diese Feier wird ein Bündnis vor allem linksradikaler Gruppen unter dem Motto: «3. Oktober ´97: Es gibt kein Grund zu feiern - Gegen Nationalismus und Sozialraub« in Stuttgart eine Gegendemonstration durchführen. Auf der 1. Antifaschistischen Sozialkonferenz (siehe SZ 31), durchgeführt vom DGB-Landesbezirk, VVN-BdA BAWÜ und der Antifa A-Quadrat, war dies im Frühjahr beschlossen worden. Auch wenn nun einige DGB-Kreise nicht an dieser Demo teilnehmen werden, so weit sind diese noch nicht, gibt es keinen Grund nicht massenhaft dorthin zu organisieren.

Zum Abschluß noch. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bekommt ein neues Domozil. Gleich neben dem neuen Arbeitsamt. Ob das richtungsweisend wird?
Scheiße schon wieder soviel Text, daß kaum noch Bilder reinpassen.'>

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„In der bürgerlichen Gesellschaft ist das Kapital selbständig und persönlich, während das tätige Individuum unselbständig und unpersönlich ist. Und die Aufhebung dieses Verhältnisses nennt die Bourgeoisie Aufhebung der Persönlichkeit und Freiheit! Und mit Recht. Es handelt sich allerdings um die Aufhebung der Bourgeois-Persönlichkeit, -Selbständigkeit und Freiheit. Unter Freiheit versteht man innerhalb der jetzigen bürgerlichen Produktionsverhältnisse den freien Handel, den freien Kauf und Verkauf. [...] Ihr entsetzt euch darüber, daß wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade dadurch, daß es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, daß wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt. Ihr werft uns mit einem Worte vor, daß wir euer Eigentum aufheben wollen. Allerdings, das wollen wir. Von dem Augenblick an, wo die Arbeit nicht mehr in Kapital, Geld, Grundrente, kurz, in eine monopolisierbare gesellschaftliche Macht verwandelt werden kann, d.h. von dem Augenblick, wo das persönliche Eigentum nicht mehr in bürgerliches umschlagen kann, von dem Augenblick an erklärt ihr, die Person sei aufgehoben. Ihr gesteht also, daß ihr unter der Person niemanden anders versteht als den Bourgeois, den bürgerlichen Eigentümer. Und diese Person soll allerdings aufgehoben werden.“[21] Doch lassen wir im Folgenden die „Antideutschen“ rechts liegen und widmen uns den Aufgaben der revolutionären Linken im 21. Jahrhundert. 3. Die Niederlage von 1989 und der Sozialismus des 21. Jahrhunderts Mit der Konterrevolution der Jahre 1989 bis 1991 konnte die Bourgeoisie ihre Herrschaft wieder festigen und die Menschheit auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückwerfen. Diese Niederlage dient der bürgerlichen Geschichtsschreibung als Totschlagargument für den Sieg des Kapitalismus als dem Ende der Geschichte. Das scheinbare Scheitern des Sozialismus wird gehässig zum Anlass genommen, die Ausgebeuteten daran zu erinnern, dass Widerstand zwecklos ist. Die herrschende Klasse betrachtet die von Marx und Engels gestellte Prognose, wonach der Sozialismus den Kapitalismus ablösen wird, für widerlegt. In ihrem Siegesrausch vergisst sie jedoch, dass das Kapital lediglich einen Etappensieg errungen hat. Wie auch der Kapitalismus nicht von heute auf morgen den Feudalismus ablöste, so hat sich nun gezeigt, dass auch der Sozialismus einen neuen Anlauf brauchen wird. Der Wegfall des sozialistischen Lagers hatte katastrophale Entwicklungen zufolge, deren Ausmaß jedem vernünftigen Menschen den Atem stocken lässt: Es dauerte nicht mal 9 Jahre seit der Einverleibung der DDR, bis sich der neue (alte) Kurs des deutschen Imperialismus wieder offenbarte und die Bundeswehr als Teil des NATO-Bündnisses ihren grausamen Kriegseinsatz gegen die jugoslawische Bevölkerung begann. Die im Nachkriegsdeutschland nur mühsam erprobte Zurückhaltung wich der offenen Aggression. Ein Terror, der sich auch im Inneren des Landes vollzog. Anfang bis Mitte der 1990er Jahre erreichte die faschistische Pogrom-Welle ihren grausamen Höhepunkt. Fünf Menschen wurden in Solingen durch einen Brandanschlag ermordet. Die Polizei schaute seelenruhig zu, als sich in Rostock über mehrere Tage der braune Mob austobte und die Bewohner eines Flüchtlingsheimes in Todesangst versetzte. Ob Mölln, Mannheim oder Hoyerswerda – die Liste ließe sich fortsetzen. Und auch heute erklären die faschistischen Banden ganze Stadtteile zur „national befreiten Zone“. Verheerend auch die ökonomische Rückwärtsentwicklung und die Zerschlagung des Gesundheitssystems im gesamten Osten: Hatte die DDR seinen Bürgern kostenfreie medizinische Versorgung, ein Recht auf Arbeit und Wohnung, Bildungsmöglichkeiten und Gleichberechtigung garantieren können, so wurden diese Fortschritte rücksichtslos zerschlagen. Mithilfe der „Treuhand“ wurden die DDR-Bürger enteignet. Westliche „Investoren“ fielen mit der Arroganz von Kolonialherren über das Land her und die versprochenen blühenden Landschaften erwiesen sich angesichts der entstehenden verheerenden Arbeits- und Perspektivlosigkeit rasch als Illusion. In Russland, einst Vorreiter des sozialistischen Aufbruchs, herrschen heute die Oligarchen, zusammen mit dem orthodox-klerikalen Patriarchat und der Mafia. Die Ukraine sowie die baltischen Staaten stehen vor dem Staatsbankrott. Es kommt zu einer Renaissance des Nationalismus und damit steigt die Kriegsgefahr. Jede Provinz entdeckt ihre „nationale Identität“ und schreit nach Autonomie. Die Konterrevolution hat die ehemals sozialistischen Länder in die Barbarei gestoßen. Und bei aller Kritik, die an der realsozialistischen Wirklichkeit geübt werden kann und muss, so ist dieser erste groß angelegte Versuch, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen für immer zu beseitigen, zu verteidigen. Gerade in Deutschland und gerade vor dem Hintergrund seiner Geschichte. Mit Abscheu beobachten wir den Siegesrausch der herrschenden Klasse, die Verfolgung von Verantwortungsträgern der DDR. Die „Birthler-Behörde“ muss dicht gemacht, die antikommunistische Hetze gestoppt werden. Mit Freude verfolgen wir jedoch die Entwicklung des Sozialismus im 21. Jahrhundert und die Stärkung der Linken in Lateinamerika. Die Revolution in Venezuela beweist tagtäglich größte Entschlossenheit im Kampf gegen die Bourgeoisie. Nach und nach werden der herrschenden Klasse sämtliche Industriezweige entrissen und in Gemeineigentum verwandelt. Die Einführung des Sechs-Stunden-Tages wurde angekündigt und das Land den Bauern übergeben. Bei aller Entschlossenheit beweist die Linke Lateinamerikas, dass sie dazu gelernt hat und nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen gedenkt. Sadismus und Willkür, beides eines Kommunisten unwürdige Eigenschaften, haben in Venezuela keinen Platz. Nicht Rache, sondern Fortschritt steht auf der Agenda der Revolution in Venezuela. Und die politische Führung war schlau genug, zu wissen, dass die Revolution mehr als nur eine ökonomische Komponente hat. So hat die Chavez-Regierung als erstes die Rechte der Frauen und Homosexuellen gestärkt und zahlreiche Diskrimierungsparagraphen der alten Gesellschaft ersatzlos gestrichen. Auch die Linksentwicklung in Bolivien sowie der nicht zu brechende Kampfgeist der kubanischen Bevölkerung, die auch 50 Jahre nach der Revolution nicht zulässt, dass die US-Imperialisten sich in ihre inneren Angelegenheiten einmischen, gibt Anlass zur Hoffnung, dass der nächste große proletarische Aufbruch seinen Anfang genommen hat. 4. Bündnispolitik Wir, die ALFR, arbeiten mit allen fortschrittlichen Kräften zusammen im Kampf gegen Faschismus, Hunger und Krieg. Wir wollen hierbei keinen marxistischen Kräften „Konkurrenz“ machen, sondern im Gegenteil Schulter an Schulter mit ihnen für die Einheit der Revolutionäre kämpfen. Wir werden hierbei unser eigenes Profil bewahren und auch als Antifa-Gruppe in die gesellschaftlichen Kämpfe eingreifen, sowohl auf regionaler als auch auf bundesweiter Ebene. Die Zusammenarbeit mit linken Parteien und Organisationen, den Gewerkschaften und sozialen Initiativen ist für uns ebenso selbstverständlich wie ein Zusammenwirken mit Kräften der autonomen Linken. Wir wollen die Spaltung der Linken überwinden und eine soziale Gegenmacht mit entsprechender Schlagkraft aufbauen. Hierfür ist es auch nötig, die Fehler der Linken schonungslos aufzudecken und in die politische Diskussion zu tragen. Denn gerade die autonome Bewegung ist in Freiburg – und nicht nur hier – in einem besorgniserregenden Zustand. 5. Der Zustand der Antifa-Bewegung: Pop statt Politik – Rituale statt Revolution Die Abkehr vom Klassenstandpunkt hat in breiten Teilen der Antifa-Bewegung geradezu groteske Formen angenommen. Auf der einen Seite beobachten wir den unsäglichen Trend des „Pop-Antifaschismus“, der politische Inhalte auf dem Altar des „postmodernen“ Mainstreams geopfert hat. Die Provokation ersetzt den Gedanken, der inflationäre Gebrauch von Anglizismen täuscht Internationalität vor, erinnert in Wahrheit eher an das Vokabular von Werbeagenturen. Sein politisches Profil besteht aus Parolen wie „Volk abwracken“ oder militärischen Vernichtungsphantasien als Ausdruck vermeintlich besonders radikalen Gehabes. Auf der anderen Seite beobachten wir das Fortleben eines 80er-Jahre-Autonomismus, der sich mit seiner antiautoritären Verweigerungshaltung selbst an den Rand der Gesellschaft katapultiert und nicht begreift, dass seine Weltflucht nur dazu führen kann, eine Ghettoisierung zu manifestieren, aus der heraus revolutionäre Interventionen völlig chancenlos sind. Stur an längst überholten Ritualen festhaltend, bedient man sich gerne einer besonders naiven Symbolik, vorzugsweise kleine bezopfte Mädchen, die zur Bandenbildung aufrufen. Fortlaufend Kreativität und Phantasie betonend ist dieses Milieu zur revolutionären Organisierung nicht imstande und verwechselt Subkultur mit Klassenkampf. Die Erfindung der „Szene“ ist symptomatisch für dieses 80er-Jahre-Überbleibsel, wird doch aus einem bloßen gemeinsamen Konzertbesuch eine gemeinsame Weltanschauung abgeleitet, die in Wahrheit überhaupt nicht existiert. Die Linke kann erst dann siegen, wenn sie aufhört, in Szenen und beginnt, in Klassen zu denken. „Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unsern Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung.“[22] „Sie [die Antiautoritarier; ALFR] fordern, daß der erste Akt der sozialen Revolution die Abschaffung der Autorität sei. Haben diese Herren nie eine Revolution gesehen? Eine Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt; sie ist der Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung dem anderen Teil seinen Willen vermittels Gewehren, Bajonetten und Kanonen, also mit denkbar autoritärsten Mitteln aufzwingt; und die siegreiche Partei muß, wenn sie nicht umsonst gekämpft haben will, dieser Herrschaft Dauer verleihen durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen. Hätte die Pariser Kommune nur einen einzigen Tag Bestand gehabt, wenn sie sich gegenüber den Bourgeois nicht dieser Autorität des bewaffneten Volks bedient hätte? Kann man sie nicht, im Gegenteil, dafür tadeln, daß sie sich ihrer nicht umfassend genug bedient hat?“[23] Wir von der ALFR betreten die Bühne der Geschichte mit einem Zitat der Sozialistin und großartigen Theoretikerin Rosa Luxemburg: „Eure `Ordnung´ ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon `rasselnd wieder in die Höh´ richten´ und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: Ich war, ich bin, ich werde sein!“[24] Antifaschistische Linke Freiburg, Juli 2009 ----- [1]Horkheimer, Max, Die Juden und Europa, in: Zeitschrift für Sozialforschung. Studies in Philosophy and Social Science. Herausgegeben von Max Horkheimer. Jahrgang 8. 1939-1940, München 1980, S. 115- 137, S. 115. [2] Marx, Karl – Engels, Friedrich, Manifest der Kommunistischen Partei, in: Marx, Karl – Engels, Friedrich, Werke. Band 4, Berlin 101990, S. 459- 493, S. 493. [3] Zetkin, Clara, Ich will dort kämpfen, wo das Leben ist. Aus der Rede auf dem außerordentlichen Parteitag der U S P D in Berlin. 4. März 1919, in: Zetkin, Clara, Ausgewählte Reden und Schriften. Band II. Auswahl aus den Jahren 1918 bis 1923, Berlin 1960, 93- 115, S. 112. [4] Ansprache und Schwur in französischer, russischer, polnischer, englischer und deutscher Sprache auf der Trauerkundgebung des Lagers Buchenwald am 19.April 1945, in: Buchenwald. Mahnung und Verpflichtung. Dokumente und Berichte. Vierte, völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. v. der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald in Zusammenarbeit mit der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora beim Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR, Berlin 1983, S. 644- 645, S. 645. [5] Eingabe von Industriellen, Bankiers und Großagrariern an Reichspräsident von Hindenburg vom 19. November 1932, in: Kühnl, Reinhard, Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. 7., durchges. und erw. Aufl., Köln 2000, S. 147- 149, S. 148- 149. [6] Gesetz zur „Ordnung der nationalen Arbeit“ vom 20. Januar 1934 (Auszüge), in: Kühnl, Reinhard, Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. 7., durchges. und erw. Aufl., Köln 2000, S. 226- 228, S. 226. [7] Mann, Thomas, Schicksal und Aufgabe, in: Mann, Thomas, Reden und Aufsätze 4, Frankfurt am Main 1960 (Thomas Mann. Gesammelte Werke in zwölf Bänden 12), S. 918- 939, S. 928. [8] Vgl. Aly, Götz, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, 32005, S. 77- 86. [9] Titanic, Deutsche Kapitalisten!, in: Titanic. Das endgültige Satiremagazin 26, 2005, S. 6. [10] Butterwegge, Christoph, Krise und Zukunft des Sozialstaates. 3., erweiterte Auflage, Wiesbaden 2006, S. 54. [11] Schrempp, Jürgen E., Entscheidungen sind notwendig, um den Standort zu retten, in: Wirtschaftsstandort – Wissenschaftsstandort Deutschland. Eine Publikation der Karl Heinz Beckurts-Stiftung. Mit Beiträgen von Manfred Erhardt, Hans-Uwe Erichsen, Hans-Albrecht Freye, Rainer Haungs, Peter Hans Hofschneider, Horst König, Paul Krüger, Hans-Jürgen Krupp, Tyll Necker, Jürgen E. Schrempp, Theo Sommer, Josef Vogl, Paul Weissenberg, hrsg. v. Hans Wolfgang Levi – Brigitte Danzer, Stuttgart 1994, S. 33- 39, S. 39. [12] Marx – Engels, a.a.O., S. 468. [13] Vgl. Welp, Cornelius, Keine Denkverbote bei der Hypo Real Estate (Kommentar am 17.02.2009 auf wiwo.de. Das Portal der WirtschaftsWoche), in: http://www.wiwo.de/finanzen/keine-denkverbote-bei-der-hypo-real-estate-3... [17.07.2009]. [14] Borchert, Jürgen, Befunde und Diagnosen zur Kinderarmut in Deutschland, in: Kinderreport Deutschland 2007. Daten, Fakten, Hintergründe, hrsg. v. Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Freiburg im Breisgau 2007, S. 9- 17, S. 10. [15] Ebd. [16] Vgl. Walther, Claudia – Klug, Petra, Armut bei Kindern mit Migrationshintergrund, in: Kinderreport Deutschland 2007. Daten, Fakten, Hintergründe, hrsg. v. Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Freiburg im Breisgau 2007, S. 147- 160, S. 147- 148. [17] von Clausewitz, Carl, Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Vollständige Ausgabe im Urtext, drei Teile in einem Band. Neunzehnte Auflage – Jubiläumsausgabe, mit erneut erweiterter historisch-kritischer Würdigung von Dr. phil. Werner Hahlweg, Professor für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften an der Universität Münster/W.. Mit Titelbild und 7 Tafeln, Bonn 1980 (Dümmlerbuch 8201), S. 210. [18] Marx – Engels, a.a.O., S. 465. [19] Marx, Karl, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Buch I: Der Produktionsprozeß des Kapitals, in: Marx, Karl – Engels, Friedrich, Werke. Band 23, Berlin 141983, S. 5- 802, S. 16. [20] Marx – Engels, a.a.O., S. 493. [21] Marx – Engels, a.a.O., S. 476- 477. [22] Marx – Engels, a.a.O., S. 475. [23] Engels, Friedrich, Von der Autorität, in: Marx, Karl – Engels, Friedrich, Werke. Band 18, 51973, S. 305- 308, S. 308. [24] Luxemburg, Rosa, Die Ordnung herrscht in Berlin, in: Luxemburg, Rosa, Gesammelte Werke. Band 4. August 1914 bis Januar 1919, Berlin 1974, S. 533- 538, S. 538. [Abschließend sei noch auf die mehr oder weniger erhellende Diskussion bei indymedia und indymedia linksunten, - sf für STATTWEB: http://linksunten.indymedia.org/de/node/9024, http://de.indymedia.org/2009/07/256571.shtml]
Quelle: per Mail, Juli 2009'>29

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W.P.: Ich habe da einen entgegengesetzten Ansatz. Schon der Begriff Selbst ist – für sich genommen – Ideologie und gehört zu einer Gesellschaft, worin Selbstbezogenheit hohen Wert hat und also selbstverständlich sein soll. Einem ideologisch begründeten Erwartungsdruck kann man sich aber allein schon dadurch entgegensetzen, dass man dieser Selbstbezogenheit keinen Glauben schenkt, solche Ideologie kritisiert und schon dadurch überwindet, dass man sich gesellschaftlich auf andere Menschen bezieht. Das ist zwar auch für einige Menschen möglich, besonders am Rand der Gesellschaft. Ich meine dagegen, dass es für den Großteil der Menschen in einer Dienstleistungsgesellschaft, worin die Kultur des Kapitals gepflegt wird, um existenzielle Probleme geht, worin Selbstbezogenheit zwischenmenschliche Realitäten schafft, welche die Menschen wirklich in Lebensräume treibt, die aus ihren Selbstwahrnehmungen entstehen und daher ästhetische Grundlagen haben, zugleich aber auch Lebenswirklichkeiten erzeugen. Depression ist nach meiner Auffassung – jetzt ästhetisch expliziert – eine Gefühlsverdopplung, also keine Erschöpfung durch Erwartungen, sondern eine Verstärkung ohnmächtiger Gefühle inmitten einer reichen Welt, worin Erschöpfung nicht nötig wäre. Menschen werden durch ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, in denen sie sich durchaus geborgen und ohne Druck erleben, durch ihre Gefühle, die ihnen entäußert wurden, selbst eingesperrt. Sie verfangen sich im Käfig ihrer Innenwelt, weil sie durch ihre Geborgenheit keine Außenwelt mehr erkennen können. E.K.: Nun ist Depression nicht nur ein einfaches Niedergedrücktsein. Depressive Menschen sind tatsächlich auf gewisse Weise als Lebende tot, dass sie, wie du es vorhin beschrieben hast, in einem tiefen, dunklen Brunnen sitzen, aus dem kein Entrinnen ist. Viele von ihnen leiden jahrelang, immer wieder. Manche sind so verzweifelt, dass sie sich selbst töten müssen wie Robert Enke. Wie entsteht die Notwendigkeit der Selbsttötung aus der Depression? W.P.: Es ist der Brunnen selbst, die letzte Entscheidung, einem ausweglosen, also ewigen Rumrühren und Schwimmen zu entkommen. Umgekehrt ist der Brunnen von außen manchmal überraschend leicht zu überwinden. Die ästhetische Falle, die da zugeschnappt ist, kann durch Aufgabe des ihr entsprechenden Lebensraums oder durch Kritik und Entsagungen der Einverleibung einer symbiotischen Bezogenheit geöffnet werden. Auch durch die Auflösung der inneren Kreisläufe, die sich im Selbstlähmungsprozess auch körperlich abspielen, lässt sich oft sehr viel verändern. In diesen Kreisläufen verfängt sich eben nicht einfach eine "Erschöpfung", sondern auch eine Erregung, die alleine aus der Verdopplung der Gefühle, also ihre Identifizierung mit Fremdgefühlen, entsteht und die Wahrnehmung bedrängt. E.K.: Wie sieht denn eine solche Therapie praktisch, also weniger theoretisch formuliert, aus? Können dabei Antidepressiva helfen? W.P.: Ich bin kein Arzt und will mich auch nicht als letztendlicher Ratgeber und Therapeut ausstellen. Es gibt keine einfach funktionalen praktischen Mitteln und keine allgemeine Bestimmung einer Therapie, welche die Depression einfach so "heilen" kann, wie eine Aspirin gegen den Kopfschmerz. Falls die innere Erregung der Lähmung vorherrscht und Schlafstörungen und Hyperventilation oder anderes im Vordergrund sind, muss man da auch somatische Hilfe einbeziehen, z.B. mit Johanniskraut, das es heute schon in hoher Konzentration gibt. Antidepressiva wirken oft auch fatal und unkalkulierbar und greifen auch tief, also auch selbst als Blockade, welche ihre Indikation in Frage stellt. Ich habe immer versucht, weitgehend kommunikativ zu arbeiten und den Gefangenen der isolierten Gefühle zur Flucht zu verhelfen, indem ich mit ihnen spazieren gegangen bin, andere Wahrnehmungen geteilt und besprochen habe und dabei auch selbst viel erfahren und von ihnen gelernt habe. Das war eine Gegenseitigkeit, die irgendwie gut getan hat, sofern sie authentisch war, und doch fremde Menschen in Beziehung brachte, so dass ein durch andere Bezogenheiten erneuertes Leben zur Wirkung kam. Aber immer ist das nicht herstellbar und "funktioniert" in dem Sinn auch nicht so einfach. Für das Leben gibt es keine Garantie; es verlangt Kraft und glückliche Umstände, um aus dem Brunnen herauszufinden. Meist ist dieser glücklicherweise noch nicht ganz zu und lässt neue Beziehungen offen. Bedingung ist, dass Authentizität nicht als Mittel der Therapie eingesetzt wird. Das ist ein Widersinn in sich, der sich schnell ergeben kann. Ich meine daher, dass ein Psychologe wie jeder Mensch auf Dauer von einer solchen Beziehung überfordert ist und irgendwann zu den klassischen Mitteln greift oder die Psychiatrie zu Hilfe ruft, weil er zwangsläufig durch Gewöhnung seine Authentizität verliert. Ich habe aus diesem Grund mit der Psychologie nach 6 Jahren aufgehört. Auch Psychologinnen und Psychologen sollten wissen, dass sie das nicht ein Leben lang bleiben müssen, was sie sind. --- Wolfram Pfreundschuh studierte Psychologie und Philosophie und war langjährig in der antipsychiatrischen Bewegung aktiv. Veröffentlichungen zu den Themen: „Kritik der politischen Ästhetik“ und „kritische Theorie bürgerlicher Subjektivität“. Er betreibt die Website www.kulturkritik.net und arbeitet gegenwärtig an dem Buch „Die Kultur des Kapitals“, das Ende des Jahres erscheinen soll.
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