
Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 75, 2009-09![]()
Cuba-Gruppe Freiburg:
Cuba – 50 Jahre Revolution
Am 1.1. 1959 siegte die cubansiche Revolution, der Diktator Batista floh nach der entscheidenden Niederlage seines letzten Truppenaufgebots gegen die Rebellen unter der Führung von Che Guevara in der Provinzhauptstadt Santa Clara.![]()
Eine Beschreibung der kommenden Monate und Jahre und des eskalierenden Kampfes gegen die USA füllt Geschichtsbücher, an dieser Stelle kann nur ein kurzer Abriss gegeben werden:![]()
Bereits wenige Monate nach dem Sieg wurde eine erste – sehr vorsichtige – Agrarreform durchgeführt, Grundbesitz über 402 Hektar ging an den Staat, der das Land an 150.000 Bauernfamilien übergab.![]()
Doch schon das reichte, um die US-Politik gegen das neue Cuba auf Konfrontationskurs zu bringen. Seit über 100 Jahren haben sich die USA angemaßt Lateinamerika zu beherrschen und auszubeuten und immer dort politisch und militärisch einzugreifen, wo ihre Interessen gefährdet waren. ![]()
Mindestens seit März 1960 bekämpfte die US-Regierung den neuen cubanischen Staat mit terroristischen Mitteln. Bekannt wurde u. a. das „Programm der verdeckten Aktion gegen das Castro-Regime“ aus dieser Zeit, in welchem Angriffe aus der Luft und vom Meer ausgearbeitet sowie die Unterstützung der internen Konterrevolution beschrieben wurde, in einer Zeit als es diese noch gar nicht gab.![]()
Im April 1961 ließ die USA die von ihr bezahlten, trainierten und bewaffneten Exil-Cubaner in der Schweinebucht landen, unterstützt von US-Marine und -Luftwaffe. Doch keine 72 Stunden später war der Kampf um Playa Giron zu Ende, 200 Söldner waren tot (darunter 4 US-Piloten)und fast 1200 gingen in Gefangenschaft....es war die erste Niederlage des US-Imperialismus in Lateinamerika.![]()
Es folgte die Cuba-Krise (Raketen-Krise), bei der die Soviet-Union auf Cuba Mittelstreckenraketen gegen die USA installieren wollte, als Antwort auf die Stationierung ebensolcher Waffen der USA gegen die SU in der Türkei und in Italien. Seit dieser Zeit wurde auf Betreiben der USA Cuba politisch und wirtschaftlich isoliert und blockiert. Das Land schloss sich daraufhin 1972 dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe der real existierenden sozialistischen Länder an. Die ökonomische Entwicklung Cubas konnte so stabilisiert werden.![]()
Bereits 1985 begann in Cuba die sogenannte Rectificacion (Berichtigung von Fehlentwicklungen, die die Entwicklung des Landes bremsen) mit einer Rede von Fidel Castro. Der 3. Parteitag 1986 analysiert sehr kritisch Probleme und Fehler in Leistung und Leitung der Wirtschaft, z.B. ungenügender Wohnungsbau. An der Suche nach Lösungen und bei der Entwicklung konkreter Aktionen beteiligt sich die Bevölkerung mit ihren Massenorganisationen.![]()
Der RGW kaputt – Cuba am Ende?![]()
1989 kam das Ende für ein unabhängiges Cuba – zumindest in den Tagträumen der kapitalistischen „Experten“, die Cuba noch im besten Fall ein paar Wochen gaben. Der „real existierende Sozialismus“ war sozusagen über Nacht kollabiert und mit ihm der Außenhandel Cubas; 81 % des Exports und 85 % des Imports – die mit den sozialistischen Staaten abgewickelt worden waren.![]()
Um sich das vorzustellen, die Landwirtschaft der Insel war an den Interessen der RGW-Staaten orientiert, Cuba lieferte (nicht nur) Zucker und importierte Lebensmittel. ![]()
Die CubanerInnen lernten nach 40 Jahren relativ üppigen Lebens den Hunger wieder kennnen. Der private Hausbau z.B. kam völlig zum Erliegen, alle Resourcen gingen in den Ausbau des Tourismus als einzigen wirtschaftlichen Sektor, den die USA nicht behindern konnten. In der folgenden Jahren wurde der Tourismus zum Motor der Entwicklung des Landes und verdrängte den Zucker als wichtigsten Devisenbringer. Im Jahre 2008 reisten 2.3 Mio. TouristInnen nach Cuba, davon mehr als 100.000 Menschen aus der BRD.![]()
Die verschiedenen Maßnahmen zur Sicherstellung der Ernährung, zur Rettung der Betriebe und der Arbeitsplätze griffen, aber erst 1993 war der Tiefpunkt erreicht, in den Folgejahren erholte sich die Wirtschaft, jedes Jahr konnte eine Steigerung des BIP verzeichnet werden, so dass man in Wirtschaftskreisen von Cuba schon als von einem „kleinen Tiger“ sprach.![]()
So wuchs die cub. Wirtschat im Jahre 2007 um 7,5 % und lag damit deutlich über den 5,6 % Durchschnittsrate Lateinamerikas.![]()
Das Jahr 2008 brachte für Cuba hintereinander die 3 katastrophalen Hurricans Gustav, Ike und Paloma mit Schäden um die 10 Milliarden $ (bzw. 20 % des BIP., die Wachstumsprognose für 2009 von 6% musste kräftig nach unten korrigiert werden).![]()
Terror gegen Cuba![]()
Seit dem Sieg der Revolution bis zum Jahre 2003 kosteten die verschiedenen Terrorakte, die allesamt direkt oder indirekt den USA anzulasten sind, das cubansiche Volk den Tod von 3478 Menschen und hinterließ weitere 2099 verstümmelt oder behindert. Der finanzielle Schaden infolge der Brände, Bomben und Sabotage etc. Wird auf ca. 121 Milliarden $ kalkuliert. Eine der Terrorgruppen, die Alpha 66, unterhält völlig offen ihr Büro in Miami, in den Sümpfen Floridas wird militärisches Training absolviert.![]()
1976 waren es anticubansiche Terroristen, die das ersten Passagierflugzeug in der Geschichte aus dem Himmel bombten, eine DC-8 der cub. Fluggesellschaft. Sie stürzte mit 73 Menschen an Bord ab – es gab keine Überlebenden.![]()
Die geständigen Bombenleger Luis Posada Carriles und Orlando Bosch Avila leben unangetastet ihr Rentnerdasein in Miami. Noch 1997 gab es mehrere Bombenanschläge auf cub. Hotels.![]()
Cuba wehrte sich gegen den Terror u. a. dadurch, dass es Kundschafter in die anticubansichen Terrorgruppen in Miami einschleuste. Deren Informationen verhinderten einige Angriffe, und die cubansiche Regierung teilte den USA die Ergebnisse der Ausspähung mit in der Annahme, die Behörden zum Eingreifen gegen die Terroristen zu veranlassen. Stattdessen suchte man dort die Infiltrierer und klagte sie an, sie hätten die US - Einrichtungen der nationalen Sicherheit ausspioniert. In einem Schauprozess am 12. September 1998 wurden die Männer, Gerardo, Ramon, Antonio, Fernando und Rene zu horrenden Haftstrafen verurteilt, insgesamt 77 Jahre sowie in 3 Fällen zuzüglich 4 mal Lebenslänglich. Diese 5 Männer – von ihren Landsleuten als Helden verehrt- leben immer noch als „Gefangene des Imperiums“, z.T. seit damals ohne Besuchserlaubnis durch ihre Familien.![]()
Obama – alles neu?![]()
Es hat sich nicht viel getan für Cuba unter dem neuen US-Präsidenten, weder hat er die Miami 5 begnadigt, noch kommt die Auflösung des Gefangenenlagers in der besetzten Bucht von Guantanamo voran.![]()
Die teilweise Rücknahme einiger durch Bush zusätzlich verschärfter Sanktionen gegen Cuba in den fast 50 Jahre bestehenden Blockade gegen die Insel wurden verbunden mit Forderungen Cuba soll sich der „Demokratie und den Menschenrechten“ (lies: Kapitalismus und seiner Propagierung) öffnen, danach könne man die Blockade beenden. ![]()
Das jetzt US-Firmen einfacher Lebensmittel und Medikamente an Cuba verkaufen dürfen, hat eher mit den größeren Einfluss deren Lobbyisten auf die Obama -Administration zu tun, schließlich hat Cuba für jährlich 700 Mio. $ Lebensmittel in den USA gekauft.![]()
Cuba seinerseits verlangt die Schließung der U - Militärsbasis in Guantanamo und die Rückgabe des besetzten Geländes an Cuba. Außerdem schlägt es einen Gefangenenaustausch vor, die gefangenen 5 Kundschafter gegen die von den USA so genannten politischen Gefangenen in cuban. Gefängnissen.![]()
Die Politik Raul Castros als Präsident der Insel![]()
Für die CubanerInnen hat sich nicht mehrkbar etwas verändert nach dem Rückzug Fidels aus der aktiven täglichen Politik. Die nach gut einem Jahr sichtbarste Veränderung in der Regieurng war die Abberufung des Arztes Carlos Lage, des 1. Vizepräsidenten des Staatsrates von seinem gleichzeitigen Posten als Sekretär des Ministerrats und des Ingenieurs Felipe Perez Roque vom Posten des Kanzlers. Diese bekanntesten und weitere Funktionäre sind gegen alte Weggefährten und Vertraute von Raul Castro ausgetauscht worden. ![]()
Allerdings hat es gut ein Dutzend Veränderungen gegeben, darunter u.a. auch Zusammenlegungen von Ministerien. ![]()
Der am stärksten von der Restrukturierung betroffene Bereich ist die Wirtschaft. Das erklärte Ziel ist eine Steigerung von Effizienz und Produktivität in Politik und Wirtschaft.![]()
Raul Castro: „Heute benötigen wir eine kompaktere und funktionalere Struktur ... das Land braucht strukturelle Wechsel in der Landwirtschaft und in der Industrie. Ich beharre auf der Bedeutung der Disziplin. Wir alle müssen streng mit uns sein und hinter denen stehen, die es mit sich sind. Vorrang hat die Befriedigung der grundlegenden materiellen wie geistigen Bedürfnisse der Bevölkerung des Landes, ausgehend von einer nachhaltigen Stärkung der nationalen Wirtschaft und ihrer produktiven Grundlage, ohne die – ich sage es noch einmal - eine Entwicklung nicht möglich ist.“ ![]()
Solidarität hat viele Formen- eine Mitarbeit in einer Arbeitsbrigade ist eine davon![]()
Zur Feier des 50sten Jahrestages haben wir eine Brigade nach Guantanamo geplant, natürlich nicht in den US-Knast, sondern in die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Wir werden dort gemeinsam mit der Bevölkerung Kanaldeckel herstellen und Bürgersteige bauen. Die Aktivitäten werden koordiniert mit dem cub. Institut für Völkerfreundschaft. Außerdem gibt es ein umfangreiches politisches und kulturelles Besuchsprogramm, Wanderungen durch einen Nationalpark und Ausflüge in den Urwald und an das Meer. Die 1. Brigade ist geplant für Anfang 2010. Wer mehr erfahren möchte - auch zu spannenden Urlaubsalternativen abseits der ausgetretenen Pfade - kann sich an die Freiburger Solidaritätsgruppe wenden oder uns ein mail schreiben unter:![]()
Jochen_Schneider_@hotmail.com![]()
Nähere Informationen gibt es auch jeden zweiten Dienstag im Monat bei der Sendung der Cuba-Gruppe im Radio Dreyeckland um 19 Uhr.
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