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Artikel


stattweb-News Ausgabe 09, 2009-11

Tescho, Olga:
Proletarität heute + update
News-Beitrag auf stattweb.de vom 4.November 2009

Dass es das Proletariat heute nicht mehr gibt, darin ist sich die gesamte veröffentlichte Meinung einig. Wenn damit gemeint ist, dass es die geschlossene Reihe im Blaumann nicht mehr gibt, die noch über ganz alte Plakate verschiedener linker Gruppen marschieren, haben sie natürlich recht. Wahr an der Behauptung bleibt eines: es gibt weder eine Partei, in der Proletarierinnen und Proletarier sich zum Kampf zusammenschließen. Auch keine proletarische Kultur, in welcher dieses Bewusstsein ihren Ausdruck finden könnte.

Dass es Proletarität als solche aber heute noch gibt, mit unermesslichem Druck über Tausende und Millionen, zeigen die überraschenden Beschlüsse von ein paar Männern in den USA über den Fortbestand der OPEL-Werke in GM-Besitz.

Dieser eine Beschluss istt gestützt auf ein Besitzrecht, das in Wirklichkeit vom amerikanischen Staat nur geliehen ist. Aber “heulig” einfach als Eigentumsrecht. Nach deutscher Diktion: Recht am eingerichteten Gewerbebetrieb. Konkret gesagt: Befugnis zur Herrschaft über Menschen. Berechtigt, jeden Angriff auf dieses Eigentumsrecht als Angriff auf die Grundlagen unserer Kultur zurückzuweisen.

Umgekehrt Tausende in ganz Europa- von Bochum bis Antwerpen, die ohne Möglichkeit einer eigenen Handlungsperspektive schlicht dem Spruch aus Detroit ausgeliefert sind - gekündigt oder nicht? Zu weiteren Opfern gepresst?

Genau diese Abhängigkeit auf der einen Seite gegenüber dem geheiligten Verfügungsrecht auf der anderen macht das aus, was seit Marx als Kennzeichen von Proletarität gilt: auch bei völliger Anerkennung bürgerlicher Freiheiten totale Abhängigkeit nach Zeit und Ort in der Ausübung einer allgemeinmenschlichen Fähigkeit: Produktiv sein! Debord hat in seiner “Gesellschaft des Spektakels” noch einmal diesen Gesichtspunkt eingeschärft.

Diese Definition wird sofort überdeckt werden von angeblichen Vertretern des Proletariats: solchen wie den Betriebsräten bei Daimler, Porsche, Siemens und so weiter. Und eben auch Opel-Franz.

Noch im Lauf dieses Tages wird er eine Emporungsrede halten. Vielleicht zur Verausgabung des Zorns in einer Angstdemo aufrufen. Und die Medien werden danebenstehen und etwas brummeln von der selbstbewussten Arbeiterschaft unter seinen selbstgewählten Führern.

Knechtschaft bleibt freilich Knechtschaft - wie sehr auch begraben unter Blumengebinden und Beerdigungskränzen.

Werden die einschneidenden Ereignisse, die jetzt vor aller Augen liegen, daran etwas ändern?

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Update: Wievorausgesehen: Opel-Betriebsrat ruft zu Warnstreiks auf

Rüsselsheim. Aus Protest gegen den abgesagten Verkauf von Opel rufen Betriebsräte und Gewerkschaften die Opel-Mitarbeiter zu Warnstreiks auf. Die Veranstaltungen sollen morgen in Deutschland beginnen und sich auf ganz Europa ausdehnen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz der dpa. (dpa)

Solange nicht offen Enteignung gefordert wird - und zwar ausdrücklich. Anders ist die Diktatur des Privaeigentums an Produktionsmitteln über die Mehrzahl der Menschen nicht in Angriff zu nehmen, geschweige denn zu brechen.

Quelle: per mail 4.11.09



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