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Artikel


stattweb-News Ausgabe 10, 2010-01

Friedrich, Sebastian:
Berlin: Schritt nach vorn – Rückblick auf die 15. Rosa-Luxemburg-Konferenz
News-Beitrag auf stattweb.de vom 11.Januar 2010

Die letzten Jahre haben wir immer ausführlich über die Rosa-Luxemburg-Konferenz berichtet. Auch an der 15. Auflage der Konferenz nahmen wir teil. Letztes Jahr sind wir in unserem Artikel „Aus dem Nichts entsteht eine große Leere“ hart mit dem Konzept der KonferenzorganisatorInnen ins Gericht gegangen. Wir bilanzierten damals:

„Insgesamt war die Veranstaltung mit etwa 1600 [dieses Jahr wohl wegen dem schlechten Wetter etwas weniger] TeilnehmerInnen gut besucht und konnte so ihren – vielleicht einzigen – Zweck erfüllen: Die Vernetzung. Positiv auch, dass sich vermehrt auch jüngere Menschen für solcherlei Veranstaltungen interessieren, hoffentlich schreckt das aber mittel- und langfristig nicht ab.

Etwas inhaltliches beizusteuern gelang allenfalls bei Einzelvorträgen, die Diskussionen waren fürchterlich. Das lag erstens an lustlosen oder schlicht unfähigen Moderatoren, zweitens an einer – teilweise – katastrophalen Gästewahl und vor allem drittens am Mangel eines wirklichen thematischen Schwerpunkts. Deshalb wurde überall über alles und somit über nichts diskutiert.

Nächstes Jahr werden sich alle wieder treffen, diskutieren und anschließend gedenken. Um aber wirklich dem Erbe von Luxemburg, Liebknecht und Co. gerecht zu werden, ist vor allem eines dringend notwendig: Umdenken!“


Was ist zu den drei Kritikpunkten aus dem letzten Jahr dieses Mal zu sagen?

(1) Arnold Schölzel moderierte wie im letzten Jahr die Podiumsdiskussion. Hat er 2009 noch die DiskutantInnen teilweise 20 Minuten dozieren lassen und dann aufgrund des daraus folgenden Zeitmangels keinen einzigen Beitrag aus dem Publikum zugelassen, hat er dieses Mal alle Podiumsteilnehmerinnen um kurze Statements gebeten, woran sich auch gehalten wurde. Ungefähr ein halbes Dutzend ZuschauerInnen hatten dann auch die Möglichkeit, sich zur Thematik zu äußern. Das ist zwar noch keine umfangreiche „interne“ Debatte, aber angesichts der allgemeinen Zeitproblematik bei solchen Konferenzen und des Diskussionsverlaufs im letzen Jahr ein Schritt nach vorn.

(2) Die Gästewahl auf dem Podium war an sich gut. Neben der idealistisch-argumentierenden Sabine Leidig (Die Linke, Attac) saßen der eher konkrete Karmann-Betriebsrat Achim Bigus, der französische Publizist und Querdenker Pierre Levý sowie Christina Kaindl vom Aktionsbündnis „Wir zahlen nicht für eure Krise“. Von der Auswahl der Podiumsgäste hätte man eigentlich eine interessante Diskussion erwarten dürfen. Dass der Funke doch nicht übersprang und neue Erkenntnisse eher Mangelware blieben, lag jedoch wohl auch ein bisschen an der manchmal schwer zu kontrollierenden Phlegmatik solcher Diskussion. Ob auch die DiskutantInnen mit ihren in Teilen vereinfachten Ansätzen dazu beigetragen haben könnten, kann jede und jeder selbst entscheiden. Auf der Seite der jungen Welt können die wesentlichen Teile der Diskussion nachgelesen werden: http://www.jungewelt.de/2010/01-11/038.php

(3) Als Zwischenfazit kann also bis jetzt festgehalten werden, dass die ersten beiden Kritikpunkte aus dem letzten Jahr dieses Mal nicht so fürchterlich waren und schon einige positive Schritte zu verzeichnen sind. Wie sieht es aber mit dem Hauptkritikpunkt aus dem letzten Jahr aus, nämlich dem, dass es an einem thematischen Schwerpunkt fehle und dadurch „überall über alles und somit über nichts diskutiert“ wurde? Das Problem blieb auch dieses Mal. Vielleicht würde eine Fokussierung auf ein konkretes Thema der Konferenz gut tun. Damit könnte man raus aus der Beliebigkeit und durch intensivere Auseinandersetzung mit einem eingegrenzten Thema tiefere Erkenntnisse gewinnen. Ein Thema dieses Jahr hätte beispielsweise Afghanistan oder der Bildungsstreik sein können. (Letzteres Thema wurde übrigens auf der diesjährigen Konferenz in kaum einem Satz erwähnt.) Dann bestünde die Möglichkeit, über dem Wiedersehen, dem Plauschen am Buchstand und der Vernetzung hinaus einen guten Grund zu finden, am Samstag vor dem Gedenken an Karl und Rosa auf die Rosa-Luxemburg-Konferenz zu gehen.

Alles in allem war die Konferenz im diesem Jahr ein Fortschritt - wobei das Grundproblem blieb. Die Beiträge im Laufe des Tages waren mitunter sehr interessant (siehe hier die Übersicht von Arnold Schölzel: http://www.jungewelt.de/2010/01-11/057.php) – ein Highlight war sicher der Anruf von Mumia Abu-Jamal, der etwa 15 Minuten lang von seiner momentanen Situationen berichten konnte. In einem vollem Saal wurden ihm lautstark solidarische Grüße übermittelt, für die er sich eindringlich bedankte. Wie schön wäre es, wenn er nächstes Jahr nicht nur per Telefon zugeschaltet sein könnte, sondern leibhaftig mitdiskutieren könnte...


Links

www.jungewelt.de/2010/01-11/057.php

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