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Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 51, 2002-10

Höxtermann, Martin:
"Die PDS muss integrativer werden"
Freiburger Kandidat Gregor Mohlberg zur Bundestagswahl

Der Student Gregor Mohlberg (25) kandidierte im Wahlkreis Freiburg als Bundestagskandidat für die PDS und erreichte 1,3% (2087) der Erststimmen und 1,7% der Zweitstimmen. Die STATTZEITUNG interviewte ihn zur Ausgang der Wahl und Zukunft der PDS.

Stattzeitung: Wie bewertest du dein Wahlergebnis?

Mohlberg: Entgegen dem Landes- und Bundestrend hat die PDS in Freiburg am 22.September zugelegt, bei den Zweitstimmen von 1,5 auf 1,7 Prozent. Ich hatte von unserem Wahlkampf in Freiburg einen sehr positiven Eindruck und sehe ihn als einen Erfolg, resultierend aus Arbeit der gesamten Ortsgruppe. Den Wahlabend habe ich deshalb auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge erlebt. Wir haben in einigen Stadtteilen über 5%, im Vauban sogar über 7% erreicht. Die PDS in Freiburg wurde während und auch nach der Wahl gestärkt und wird auch in Zukunft dazu beitragen, dass linke Ideen in Freiburg artikuliert und vertreten werden.

Stattzeitung: Warum ist die PDS aus dem Bundestag rausgeflogen? Was waren die wichtigsten Gründe?

Mohlberg: Die PDS hatte es - gerade bei vielen jungen Wählern und Wählerinnen - schwer, neben Grünen und SPD zu vermitteln, welchen Beitrag sie leisten könne, um Stoiber zu verhindern und ihre sinnvollen politischen Konzepte umzusetzen. Viele Stimmen wurden aber auch im Osten verloren. Hier ist es der PDS nicht gelungen, die neue, gesamtdeutsche politische Kultur aufzugreifen. Ostpartei zu sein reicht nicht - der Blick der Menschen dort hat sich längst verändert. Im Westen muss die PDS nach wie vor mit ihrem Ost-Image kämpfen.

Der PDS ist es aber auch nicht gelungen, sich als Vertreter der vielen kleinen, sozialen Bewegungen zu verstehen und hat diesen Gruppen auch kein attraktives Forum bieten können. Das muss und wird sich ändern.

Stattzeitung: War der PDS-Parteitag von Gera der erhoffte Neuanfang?

Mohlberg: Der Parteitag von Gera hat gezeigt, dass das Strippenziehen und das Agieren hinter Kulissen die Stimmung vergiftet und so Diskussionen unmöglich macht. Der Parteitag hat auch gezeigt, dass wir eine agile Basis haben, die sich nicht zum Statisten in ihrer eigenen Veranstaltung machen lässt. Die PDS muss integrativer werden und muss ehrliche PolitikerInnen hervorbringen und fördern, denen es nicht um irgendein Mandat geht, sondern um Veränderung. Dann ist schon viel getan. Gabi Zimmer ist in einer schweren Situation. Aus dem Dreck zieht sich die Partei nur selbst, durch offene Diskussionen und eine friedliche und konstruktive Beilegung interner Konflikte.

Stattzeitung: Welche Zukunft siehst du nach der Bundestagswahl für den PDS-Landesverband in Baden-Württemberg?

Mohlberg: Die PDS Baden-Württemberg steht nach den Wahlen weder besser noch schlechter da. Wir sind nach wie vor ein kleiner Landesverband. Wie wir auftreten und welche Wirksamkeit wir erzielen, hängt davon ab, ob es uns gelingen wird, die Partei personell zu stärken und weitere MitstreiterInnen zu gewinnen. Bei den Landtagswahlen sollten wir unbedingt antreten. Wir haben Ideen, wir haben Vorschläge und wir wollen etwas beswegen. Um nicht an Wahlen teilzunehmen, bin ich nicht in einer politischen Partei. Von Links-Rechts-Orientierungen halte ich übrigens wenig. Uns alle einigt mehr als uns trennt, und das gilt für die meisten Linken, in und (noch) außerhalb der PDS.



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