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Artikel


Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 49, 2002-04

Höxtermann, Martin:
"Eine andere Welt ist möglich!"
ATTAC-Kongress am 2. März in Karlsruhe

Etwa 200 GlobalisierungsgegnerInnen diskutierten über Strategien, Ziele und Perspektiven von ATTAC. Die Stattzeitung führte ein Interview mit ATTAC-Mitglied Sabine Leidig, Vorsitzende des DGB/Region Mittelbaden und Mitorganisatorin des Kongresses.

Seit dem G7-Gipfel von Genua im Juli 2001 schießen allerorten ATTAC- Gruppen wie Pilze aus dem Boden, auch in Südbaden. In Karlsruhe und Freiburg haben die ATTAC-Gruppen großen Zulauf. Viele ATTACies motiviert das diffuse Unbehagen über das ungebremste Voranschreiten der Globalisierung und seiner unsozialen Folgen. Programme, Perspektiven und Handlungsansätze sind beim Anti-Globalisierungs-Netzwerk, das sich als „weltanschaulich pluralistisch“ versteht, bislang jedoch wenig ausgearbeitet.

Um mehr Klarheit über politische Ziele und Aktionsformen zu gewinnen und Interessierten ein Forum zu bieten, hat die ATTAC- Gruppe Karlsruhe (derzeit 55 Mitglieder) mit Unterstützung des örtlichen DGB am 2. März einen Kongress organisiert. Motto: „Eine andere Welt ist möglich!“ In fünf verschiedenen Foren konnte einen Tag lang über die Macht der globalen Finanzmärkte, Handlungsfreiheit und Freihandel, die Privatisierung von Dienstleistungen, Gesundheit, Kultur und Medien, IWF, WTO, GATS und den Zusammenhang von Profit, Rüstung und Krieg diskutiert werden. Ein Angebot, das auf große Nachfrage stieß, wie das dichte Gedränge in den Veranstaltungssälen und vor den Büchertischen gezeigt hat. Waren doch über 200 Interessierte in das Anne-Frank-Haus geströmt.

Stattzeitung: Wie bewertest du das Ergebnis des ersten ATTAC -Kongresses in Karlsruhe?

Leidig: Der Kongress als ein Ort des Lernens und Mitmachens war ein großer Erfolg. Über 200 interessierte Besucher und Besucherinnen sind gekommen, zum Teil auch aus Mannheim und Stuttgart. Das zeigt, dass immer mehr Menschen sich gegen die vermeintlichen Sachzwänge der Globalisierung engagieren wollen. Viele wollen jetzt bei ATTAC mitmachen. Zu den bereits bestehenden fünf ATTAC- Gruppen in Karlsruhe sind neue Initiativen hinzukommen, zum Beispiel eine Arbeitsgruppe zu Kultur, die Themen in spielerischer Form umsetzen möchte, sowie eine AG zum Thema „Krieg und Geld“, die sich mit dem sogenannten „Anti-Terror-Krieg“ der USA und seiner Verbündeten beschäftigen wird. Wir haben auch gesehen, dass wir Formen finden müssen, die Menschen anders ansprechen als durch theoretische Diskussionen. Wir müssen die politische Arbeit so gestalten, dass sie möglichst viele Menschen einbezieht.

Stattzeitung: Die Interessen der TeilnehmerInnen auf dem Kongress waren recht breit gestreut. Die einen waren auf der Suche nach Wissensaneignung und theoretischen Diskussionen, die anderen wollten unbedingt politische Aktionen. Ist ein so breit gelagertes Interesse für eine politische Bewegung nicht lähmend?

Leidig: Ich glaube nicht. Das große Bedürfnis nach Informationen, das vor allem bei jungen ATTAC- Mitgliedern besteht, muss mit konkreten Aktivitäten Hand in Hand gehen, um ein breites gesellschaftliches Bündnis aufzubauen. Beides ergänzt sich. Wir wissen, dass wir Gegenmacht entfalten müssen, um etwas zu verändern und eine emanzipatorische Politik voranzubringen. So wird ATTAC am 1. Mai in Karlsruhe öffentlich auftreten. Wir brauchen natürlich auch das nötige Fachwissen, einen theoretischen Input, um die zum Teil sehr komplexen Zusammenhänge zu begreifen. Alle Kompetenzen sind gleichwichtig.

Stattzeitung: Mögliche Handlungsansätze wurden auf dem Kongress kontrovers diskutiert: die einen wären zufrieden mit einem sozialstaatlich regulierten Weltmarkt, einer „Globalisierung mit menschlichen Antlitz“, und richten ihre Forderungen vornehmlich an PolitikerInnen und Parlamente. Andere fordern die Beseitigung des kapitalistischen Weltmarktes und setzen auf die Bewegungen in aller Welt, mit denen ATTAC Bündnisse gegen das herrschende System eingehen müsse. Reformen oder Weltrevolution – was möchte ATTAC?

Leidig: Revolutionen entstehen ja nicht, weil man sie sich wünscht. Sie haben vielfältige Voraussetzungen. Die Orientierung auf Politikberatung ist in Karlsruhe nach meinem Eindruck jedoch sehr wenig ausgeprägt. Die Illusion, dass man über Bundestagsabgeordnete etwas verändern kann, ist gering. Wir wollen uns selbst Positionen erarbeiten. Und damit in die Öffentlichkeit gehen und andere Menschen aktivieren, unsere Ziele zu unterstützen. Als Gegenmacht zu den entfesselten Kräften der Märkte wollen wir ein breites gesellschaftliches Bündnis aufbauen. Dazu hat der Kongress sicherlich beigetragen.

Kontakt

ATTAC-Gruppe Karlsruhe: Sabine Leidig (DGB-Region Mittelbaden), Ettlinger Strasse 3a, 76137 Karlsruhe, Tel. 0721- 931 21-0, Email: sabine.leidig@dgb.de. Treff jeden zweiten Mittwoch im Monat um 19.30 Uhr im „El Greco“(Walhalla), Augartenstraße 27, Karlsruhe. Nächste Termine:10.April, 8.Mai, 12.Juni.

ATTAC-Gruppe Freiburg: Wolfgang Rohm: Telefon 0761-13 54 06. Homepage: www.attac-freiburg.de. E-Mail: lechoc@web.de. Treff jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im DGB-Haus, Hebelstraße 10, Freiburg.


Links

www.attac-freiburg.de
www.attac.de

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