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Artikel


Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 40, 1999-08

Kirchgeßner, Andreas/ Höxtermann, Martin:
10 Jahre Stattzeitung und ...noch lange nicht genug...
Gleich 2 Jubiläen in eigener Sache können wir in diesem Sommer feiern

Vor 10 Jahren, Ende Juni 1989 erblickte die erste »Stattzeitung« das Licht der Welt. Damals als »Nullnummer« mit 24 Seiten für 2 DM in einer Auflage, ohje, keine Ahnung mehr, wahrscheinlich so um die 500 Exemplare. Die nächsten Ausgaben waren schon stärker immer über 40 Seiten bis zu unseren damaligen »Rekordausgaben« im Jahre ´91 mit 72 Seiten für 3 DM. Alle Ausgaben selbst recherchiert, redigiert, lay-outet, gedruckt, damals an feucht-fröhlichen Abenden 800mal selbst gelegt, geheftet und gefaltet und vertrieben. Der Höchstpreis lag ´92 bei 3,50 DM.

Auch wenn die Themen uns immer wieder einholten, uns manchmal umzingelten, schafften wir es doch immer wieder nicht nur hinterher zu schreiben. Unsere ersten drei Titelbilder wurden in der DDR, in Erfurt von Monika Andres, sozusagen in deutsch-deutscher Zusammenarbeit produziert, mittenrein kam da der »Mauerfall«. Leider flog die Mauer zumeist den falschen Leute auf die Füße. Aber Monika Andres ist heute mehr denn je unsere Chefin in Sachen Gestaltung.

Neben Monika sind 2 weitere Personen von Anfang an dabei. Diese klinkten sich Anfang ´89 in das in Offenburg entstehende Initiativenplenum ein. Ausgangspunkt war - und ist es heute noch - die Vernetzung der verschiedenen Gruppen und Initiativen: mehr Kommunikation und Koordination unter den verschiedenen Gruppen; Informations- und Erfahrungsaustausch; gegenseitige Unterstützung und Hilfe bei Veranstaltungen, Aktionen und Initiativen. Daraus entstanden 2 Projekte, die es heute noch gibt, einmal diese Zeitung und das Kulturzentrum in der Kaserne (KiK) in der Weingartenstraße in Offenburg.

Natürlich gab es auch Fluktuation in der Redaktion. Es gingen z.B. die Leute, die sich mehr zu den Grünen hingezogen fühlten. Das war Anfang der 90er, es ging wohl zu arg an die Wurzeln. Dafür kamen andere, genau aus diesem Grund.

Im Juli kommt nun die vierzigste Ausgabe dieses einzigartigen Druckerzeugnisses heraus: 40mal Gegenöffentlichkeit aus Südbaden und darüber hinaus, 40mal Kritik der herrschenden Verhältnisse, 40mal Schlaglichter auf Initiativen, Proteste, Bewegungen, Diskussionen, aber auch auf Kunst und Kultur von unten, 40mal der Versuch, Vernetzungen und Diskussionen zwischen Lörrach, Freiburg, Offenburg und Karlsruhe zu dokumentieren, zu kommentieren und zu initiieren. 40mal Werkzeug der Opposition!

Ja, wie haben die das nur über all die Jahre hinbekommen, wo doch die kleinen, selbstorganisierten und ehrenamtlich gemachten Zeitungen kommen und gehen, werdet Ihr fragen. Die Antwort können wir hier nur teilweise geben. Einmal liegt sie darin begründet, etwas schriftlich fixieren zu müssen, was von jeder Person eine intensive Beschäftigung mit einem Thema bedeutet. Eine andere Antwort: ohne die Unterstützung durch die Druckwerkstatt Renchen hätten wir es nicht geschafft. Hier auch Dank an unsere Anzeigenkunden, die uns über die Jahre begleitet haben und mit ihren Anzeigen einen nicht unerheblichen finanziellen Beitrag zum Fortbestehen der Stattzeitung geleistet haben und leisten.

Und last but not least, gibt es nachwievor Bedarf an der Stattzeitung unter unseren Leserinnenund Lesern und denen, die es werden wollen.

Tatsache ist: die »Stattzeitung feiert ihren 10. Geburtstag! Und sie gibt es mittlerweile nicht nur auf Papier. Auch im Internet (http://www.stattzeitung-suedbaden. notrix.de, E-mail: stattzeitung-suedbaden @gmx.de) sind wir zu lesen und bei Radio Dreyeckland/Freiburg Freitag abends um 19 Uhr alle 4 Wochen und bei Radio Querfunk/Karlsruhe Samstag morgens um 10 Uhr einmal im Monat zu hören.

Und wir haben noch viel vor.

Zum Beispiel möchten wir - mehr als bisher - über regionale Bewegungen, Initiativen und linke Kräfte in Süd- und Nordbaden berichten. Nach wie vor macht es großen Sinn, sei es nun Flüchtlingsarbeit, Arbeitskämpfe, Antifa-Arbeit, Sozialabbau, Initiativen gegen Patriarchat und Männergewalt, Umstrukturierungen und Deregulierungen oder Anti-Kriegsinitiativen und Anti-AKW-Proteste, über den Tellerrand der eigenen Initiative, der eigenen Stadt hinauszublicken. Gerade beim überregionalen, parteiübergreifenden Informationsaustausch und der Vernetzung fortschrittlicher Kräfte bestehen große Defizite, die es abzubauen gilt. So werden weiterhin konträre Inhalte, wie z.B. von Gewerkschaften und autonomen Jobber-Inis nebeneinander Platz finden können. Wir wollen nicht eine Schublade im Sekretär, nein wir wollen the whole fucking carpentry. Uns interessieren dabei weniger die reinen SchreibtischtäterInnen in der hiesigen Linken, sondern eher die Leute, die dazu eine Praxis entwickeln.

Auch in Zukunft werden wir mit Artikelserien - wie zuletzt über die 48/49er Revolution, den Umbau des Sozialstaats oder Verschärfungen des Strafvollzugs - Stoff zum Lesen und zur Diskussion liefern.

Schon seit Jahren gibt es Anfragen, warum wir nicht öfter erscheinen: Statt 4mal im Jahr alle 2 Monate oder gar monatlich. Dann könnte doch auch wesentlich aktueller und kontinuierlicher berichtet werden, als das bei der jetzigen Erscheinungsweise möglich ist - Mehr Platz für Kontroversen und Debatten, für Themen und Termine. Das wünschen sich einige von uns auch.

Doch es folgt natürlich gleich das große »Aber«. Eine zehnköpfige, ehrenamtlich arbeitende Redaktion, deren Mitglieder bis zu 150 km auseinander leben, kann unter den jetzigen Bedingungen nicht die Arbeit leisten, die für ein monatliches Erscheinen der Stattzeitung notwendig wäre. Und nur Zeitung machen, bringt es ja auch nicht unbedingt.

Dazu kommen die Kosten. Die eine Mark für diese Zeitung deckt bei weitem nicht die Kosten und die wenigen Inserate auch nicht. Daher die dringende Bitte: Wenn Ihr uns unterstützen wollt, gebt uns ein Förderabo, besorgt Inserate und Verkaufsstellen, helft mit beim Vertrieb und natürlich beim Schreiben und Recherchieren.

An der Fete bzw. Konzert zu unserem 10jährigen sind wir noch am Basteln. Stattfinden wird es mehr Richtung Winter, mehr können wir noch nicht verraten.



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stattweb.de: Stattzeitung für Südbaden im Internet - Mittwoch, 8.September.2010, 15:50Fake - Nicht klicken! Do not click here!Counter