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Artikel


Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 38, 1999-02

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Überschwemmungskatastrophe in Mittelamerika

Ende Oktober 1998 verwüstete der Hurrikan “Mitch” und in dessen Folge Überschwemmungen in immensem Ausmaß weite Teile von Mittelamerika, insbesondere Honduras und Nicaragua waren betroffen. Von bis zu 30.000 Toten wird berichtet, 25.000 Menschen wurden evakuiert. Die Reaktionen von Seiten der Regierungen beider Länder waren mindestens “insensible y impotente” (unsensibel und ohnmächtig), die Regierung von Nicaragua beispielsweise hatte weder die Bevölkerung informiert noch notwendige Vorsorgemaßnahmen getroffen, obwohl schon eine Woche vor Beginn der Katastrophe das geographische Institut INETER vor dem Wirbelsturm gewarnt hatte. Später versuchte die Regierung, die Schäden herunterzuspielen: Sie spricht von 2.362 Toten, Medien und Hilfsorganisationen sprechen von ca. 5.000. Laut Regierung gingen 20 Prozent der gesamten nationalen Agrarproduktion verloren, laut Bauernverband sind es 35 Prozent. Ernten wie Sesam, Soja, rote Bohnen und Reis sind sogar zu ca. 70 Prozent vernichtet. Dennoch erklärte der Vizepräsident Nicaraguas, das Land brauche keine Lebensmittelhilfe, denn die Bevölkerung sei es gewohnt, “gallo pinto” (Reis und Bohnen), zu essen.

Neben Nahrungsmittelmangel leidet die betroffene Bevölkerung an Seuchen und Krankheiten, die sich in rasanter Geschwindigkeit ausbreiteten, doch der nicaraguanische Präsident Alemán schlug das Angebot Costa Ricas, 45 Ärzte zu schicken, mit dem Hinweis aus, man habe Ärzte genug. Straßen und Brücken erlitten Schäden in Höhe von 200 Millionen US-Dollar, immense Waldbestände gingen verloren und fruchtbare Bodenschichten wurden weggeschwemmt oder in Wüsten verwandelt. Weil der nationale Notstand die Regierung zugunsten von Polizei und Armee schwächt, weigerte sich Alemán lange, diesen auszurufen und verzögerte so unnötig das Eintreffen internationaler Hilfe. Die offizielle Begründung allerdings war, der nationale Notstand würde nur bestimmte Nicht-Regierungs-Organisationen begünstigen und materielle ausländische Hilfe die einheimische Wirtschaft schwächen. Bis zuletzt lehnte das nationale Notstandskomitee die Mitarbeit von Nicht-Regierungs-Organisationen ab, um die weitgehende Kontrolle bei der Verteilung der Hilfsmittel zu behalten. Es wurde nach politischen Kriterien besetzt, die Erfahrung im Umgang mit Naturkatastrophen spielte, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle. So konnte sich die Regierungspartei Schließlich wurde die katholische Kirche als Zentralorgan bei der Verwaltung der Auslandshilfe eingesetzt. Lange vorher entstanden in betroffenen Ortschaften Notstandskomitees, die lokal die Verteilung der Güter organisierte. Sofern diese politisch unliebsam waren, wurden sie ersetzt durch PLC- oder katholische Komitees, auch die evangelische Kirche (30% der Bevölkerung) und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden von der Mitarbeit ausgeschlossen.

Die Koordination der Hilfen durch PLC und katholische Kirche führte zu einer äußerst ungleichen Verteilung. Politiker verteilten Hilfsgüter im Namen der PLC und bevorzugten wie die katholische Kirche ihre Gemeinden. Schon nach wenigen Tagen tauchten Hilfsgüter in großem Stil auf den Märtken in Managua auf, während im ganzen Land Hunger, Krankheiten und Armut herrschen: Die Hilfen, die über staatliche Stellen oder die katholische Kirche geleitet werden, kommen nur in geringem Maße und nach politischen oder religiösen Gesichtspunkten verteilt an. Schon am 24.11. wurde das Nationale Notstandskomitee aufgelöst, die Phase des Notstandes, der offiziell nie ausgerufen wurde, ist vorbei. Offiziell hat die Phase des Wiederaufbaus begonnen, die Regierung scheint zu hoffen, daß die Katastrophe möglichst schnell in Vergessenheit gerät. Dennoch ist die Bevölkerung noch immer auf ausländische Hilfe angewiesen. Bei den Betroffenen kommen Hilfslieferungen und -gelder an, die über das Rote Kreuz, verschiedene Entwicklungshilfeorganisationen und hunderte kleine Nicht-Regierungs-Organisationen geleitet werden. Selbst die Bundesregierung und die Regierung der USA wickeln einen Großteil ihrere Hilfssendungen über eigene und nichtstaatliche Stellen ab. pats

NICARAGUA UND HONDURAS BRAUCHEN UNSERE SOLIDARITÄT.

Spenden sie auf eines dieser Konten unter dem Stichwort “Mitch”:

Nicaragua:

# Informationsbüro Nicaragua Kto. 976 738 Stadtsparkasse Wuppertal BLZ 330 500 00

# medico international Kto. 1800 Stadtsparkasse Frankfurt BLZ 500 502 01

# Nicaraguaforum Heidelberg Kto. 151 7732 Bezirkssparkasse Heidelberg BLZ 672 500 20

Honduras:

# LUPE e.V. Berlin Kto. 334 1200 Bank für Sozialwirtschaft BLZ 100 205 00

Da alle Organisationen in besonders betroffenen Regionen Projekte und Organisationen unterstützen, ist eine zuverlässige Verteilung der Gelder gewährleistet. Die Spenden sind steuerlich abzugsfähig.

Quellen:

# 1) “Überschwemmungskatastrophe in Mittelamerika”, Aktionskreis Internationalismus Karlsruhe.

# 2) “Wie ein nie geschriebener Roman”, analyse&kritik Nr. 420, 19.11.1998



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