
Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 68, 2007-04![]()
Quarti, Adi:
Galionsfiguren und Klabautermänner
Die Globalisierung ist für Jean-Luc Nancy, Philosophieprofessor in Strasbourg, so alt wie die Erschaffung der Welt selbst. Immer öfter erscheint sie aber als Symptom für Krisen und als politisches Projekt zur Durchsetzung von Rationalisierungsschüben der Wirtschaft (wie Airbus/EADS eindrucksvoll belegen). Die Ambivalenzen und Paradoxien der gegenwärtigen (globalen) Kapitalbewegungen sind noch nicht vollständig analysiert, der Voodoo-Zauber ihrer Spindoctors nur unzureichend entlarvt. Seit die Pfeffersäcke der Hanse ihre Handelsschiffe um die Welt schickten, schmücken mystische Galionsfiguren die Koggen, um böse Geister zu vertreiben. Höchste Zeit also für die „Bewegung der Bewegungen“ (Fantômas), ihre Ziele genauer zu definieren. Hurra, wir landen in Heiligendamm! Schein und Sein des Heiligen, grenzwertig.![]()
Hugo Chavez![]()
Eine Biographie des legendenumrankten Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, hat Christoph Twickel bei Edition Nautilus vorgelegt. Was scheinbar praktisch über Nacht über Lateinamerika hereinbrach, hat in Wahrheit eine lange Geschichte, deren ihre Ursprünge in den Guerillabewegungen der ´60 Jahre liegen. Der Autor legt die Wurzeln der Theoriestränge des Bolivarismus und der Focus-theorie frei, die viele, zum Teil in Konkurrenz stehende Organisationen beeinflußt haben. Diese wollten einen zivilen-militärischen Pakt begründen, der darauf abzielt einen Machtwechsel einzuleiten. Da sich Twickel auf einige exponierte Personen konzentriert, die mit Chávez direkt Kontakt hatte, oder auf welche er sich beruft, gelingt dies auch ohne langweilig zu werden. Die Brüche und Ver-werfungen dieser Epoche werden anhand der geopolitischen Umbrüche leicht verständlich erklärt. Der spätere Putschist beginnt mit 17 Jahren eine Militärausbildung, wo er sofort mit revolutionären Kräften der PRV Verbindungen aufnimmt. 1989 kommt es in Venezuela zu schweren Anti-IWF Krawallen und Streiks, die vom Militär zerschlagen werden. Die inzwischen im EBR-200 organisierten Verschwörer um Chávez planen einen Putsch, der am 04. Februar 1992 stattfinden soll und gründlich in die Hose geht. Die Luftwaffe, die strategische Ziele bombardieren soll, kneift, Chávez ruft seine GenossInnen über Fernsehansprache mit einem roten Barrett auf dem Kopf dazu auf, das revolutionäre Projekt “vorläufig” zurück zu stellen. Diese Ansprache macht ihn landesweit sehr populär, er selbst und seine Helfer gehen in den Knast. 1994 erfüllt der neu gewählte Staatspräsident Caldera ein Wahlversprechen und begnadigt die Putschisten, sie treten aus der Armee aus, um nicht unehrenhaft entlassen zu werde. Sofort beginnt man einen legalen politischen Weg einzuschlagen und eine Ochsentour quer durch das Land zu veranstalten, sowie die alten Kontakte zu aktivieren, die nach Richtungswechseln der Organisationen arg gelitten hatten. Diese glaubten nicht mehr an eine Änderung der Verhältnisse durch Wahlen und bevorzugen den Wahlboykott. Die Regierung selbst torkelt von Finanzskandal zu Korruptionsaffäre, das Wahlbündnis um Chávez, welches sich nun Polo Patriótico nennt, gewinnt schließlich 1998 die Wahlen. Es übernimmt ein Entertainer die Regierungsgeschäfte, wie ihn das Land noch nicht gesehen hat. Er verkündet sogleich den Plan Bolivar, der Staats-angestellte verpflichtet sich für Infrastrukturmaßnahmen, Gesundheitszentren und Bildung zur Verfügung zu stellen. Er drängt bei der OPEC auf Einhaltung der Förderquoten, um dem Ölpreisverfall zu stoppen, der die Staatsfinanzen ruinierte. Die Ölförderung selbst wird verstaatlicht! Und: Chávez übernimmt persönlich die Moderation einer wöchentlichen Life-Fernsehrunde, wo er auch schon mal die Ministerriege antreten lässt, um sie vor laufender Fernsehkamera mit der Trillerpfeife zu entlassen. Eine Performanz, die alle Quoten bricht. Es wird eine verfassungsgebende Versammlung (ANC) einberufen, die stark von Feministinnen dominiert wird, was den mächtigen Klerus auf den Plan ruft. Trotzdem heißt es in der Verfassung, Artikel 88: “Der Staat erkennt die Hausarbeit als eine Wirtschaftstätigkeit an, die Mehrwert erzeugt und Werte sowie sozialen Wohlstand schafft. Hausfrauen haben entsprechend der gesetzlichen Regelung das Recht auf soziale Absicherung”. Erstaunlich für ein südamerikanisches Land. Artikel 70 dagegen fördert alle Ansätze von Selbstverwaltung, Mitbestimmung und Genossenschaften in all ihren Formen. Kirche und die Reichen des Landes, die mit ihren schweren Geländewagen durch Caracas fahren, laufen Sturm. Mittlerweile hat laut Medienberichten eine wahre Massenflucht der Reichen nach Florida begonnen. Die Chávez-Show aber läuft und läuft, das Ende ist zwar offen, missen möchte man sie nicht. Wenn es dem eigenwilligen Exzentriker gelingt den Mercosur zu stärken, wird es den reichen Ländern zunehmend schwerer fallen, die südamerikanischen gegeneinander auszuspielen. G.W. Bushs Alpträume (es riecht nach Schwefel), nicht als Second Live, wie es das künstliche Cyberspektakel suggeriert, in Echtzeit. Hasta la victoria siempre! Ein kenntnisreiches, sehr detailliertes Buch, das ohne die hierzulande so geschätzten lateinamerikanischen Exotismen auskommt, welche die bekannten schaurigen Distanzierungen erlauben. ![]()
Christoph Twickel, Hugo Chávez. Eine Biografie. Edition Nautilus, Hamburg 2006. 346 Seiten.![]()
Wir sind überall![]()
Eine beachtliche Anthologie von Texten einer Bewegung, die nach eigener Definition nicht als globalisierungskritisch eingeordnet werden möchte, ist soeben bei Edition Nautilus erschienen. Die Originalausgabe wurde 2003 bei Verso (London und New York) veröffentlicht und ist somit die wohl einzige Textsammlung einer internationalen Graswurzelbewegung eines unwiderstehlichen, weltweiten Aufstandes. Die einzelnen Kapitel (Entstehung, Netzwerke, Autonomie, Ka-neval, Macht aufbauen, ohne sie zu ergreifen) in denen beispielhaft von überall auf der Welt Menschen erzählen, die in direkten Kämpfen gegen den Neoliberalismus stehen, werden von der Herausgebergruppe Notes From Nowhere eingeleitet und kommentiert. Der Band enthält den wohl umfassendsten Überblick beispielsweise über die Bewegung der Landlosen in Brasilien, Protest-Dörfer in Thailand, französische Arbeits-lose, die Zapatisten in Mexiko, aufständische Taxifahrer in den USA, kenianische Studenten gegen die Weltbank, die Nachbarschaftsversammlung von Buenos Aires in Argentinien, polnische Arbeiter, die sich ihre Fabrik zurück holen und vielen anderen. Er zeigt außerdem unzählige schöne Fotos über Seattle, Genua, Indien und überall auf der Welt, die Basisaktivitäten illustrieren und werden in schönen Fußnoten von 1994 bis 2003 dokumentiert. Sie zeigen vor allem eines: Eine unglaublich pluralistische, kreative und spannende Bewegung, die den G7 und G8 dieser Welt noch Kopfzerbrechen bereiten wird. Allianzen und Koalitionen, wie die gegen Armut in Ontario, Kanada, die sich in der Basisorganisation OCAP organisiert haben und die englische Reclaim the Streets-Bewegung stellen sich vor, letztere sind ja auch gelegentlich in Freiburg aktiv, sehr zum Ärger des Grünen Oberbürgermeisters. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die deutschen Verleger nicht von einem Ereignis inspiriert worden wären, welches noch bevorsteht, dessen Vorzukunft aber möglicherweise schon lange begonnen hat. Der G8-Gipfel geht baden: 6./7./8. Juni 2007 in Heiligendamm, oder ist das scheinheilig? Dieser Band könnte die “Bibel” der Bewegung der Bewegungen werden, die beste, umfangreichste und ausführlichste Einführung in ein komplexes Thema. ![]()
Notes From Nowhere (Hg.), wir sind überall. weltweit. unwiderstehlich. antikapitalistisch. Edition Nautilus, Hamburg 2007. 535 Seiten.![]()
Zwischen Verzweiflung und Widerstand![]()
Indien und China sind die Länder mit dem höchsten Wirtschaftswachstum, und mit ihnen entsteht ein neuer Pol im Süden, wie der Soziologe Giovanni Arrighi in einem Interview in der junge Welt (03./04. Feb.) meinte, „ein Gegenpol zu den USA“. Aber nicht so sehr um die geopolitische Einordnung geht es Gerhard Kas in seinem Buch Zwischen Verzweiflung und Widerstand, sondern eher um die Auswirkungen des Boom und die Verhaltensweisen der Menschen dort. Teile der Mittelschichten in Indien, können heute mit ihren Verdienstmöglichkeiten und Lebensstandard, mit denen im Westen ohne Probleme mithalten. Aber weder die Landbevölkerung noch die Angestellten im öffentlichen Dienst profitieren von diesem Wachstum, das sind weit mehr als zwei Drittel der Bevölkerung. Diese sind es, welche die gesellschaftliche Dynamik bestimmen, mit vielfältigen Aktionsformen, Bauern besinnen sich auf traditionelle Anbaumethoden, um sich nicht von den Multis abhängig zu machen, welche mit Gensaatgut handeln. NGO’s rufen zum Boykott dieser Firmen auf, maoistische Guerilla setzen auf den bewaffneten Kampf. Die einzelnen Kapitel liefern ein kontrastreiches Bild, die durch Interviews mit Aktivistinnen abgerundet werden. Der Gewerkschafter Pradeep Kumar berichtet freimütig von seinen Kontakten zur unabhängigen französischen Gewerkschaft SUD/PTT, ist im Weltsozialforum aktiv und analysiert die Auswirkungen des Neoliberalimus auf den Norden und den Süden. Eines ist klar, gegen die Globalisierung als solche sind sie nicht, allenfalls gegen ihr marktliberale Umdeutung. Zum bereits erwähnten G8-Gipfel in Heiligendamm sind dieses Jahr zum ersten Mal China und auch Indien als Gäste zum erwählten Kreis geladen. Es solle, so Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), >>Klima für neue Klimaverhandlungen<< gemacht werden. . Keine Ahnung was er damit meint, etwa indonesisches Palmöl, welches in deutschen Blockheizkraftwerken verbrennt, und dort zur Rodung der Regenwälder führt? Wie auch immer, Gerhard Klas hat ausführlich recherchiert, angesichts der begehrlichen Blicke auf den Subkontinent, eine wichtige Informationsquelle. ![]()
Gerhard Klas, Zwischen Verzweiflung und Widerstand. Indische Stimmen gegen die Globalisierung. Edition Nautilus, Hamburg 2006. 153 Seiten.![]()
Die Nachahmung der Modernen![]()
Eine Erschütterung, ein Beben, gewaltige Seismen, auf die man eigentlich in Kalifornien spezialisiert ist. Ihren Ur-sprung nehmen sie am Théâtre National de Strasbourg, wo ein Philosoph die Antigone von Sophokles - Hölderlin ins Französische übersetzte und mitinszenierte, der im Januar verstorbene Philippe Lacoue-Labarthe. Seine Arbeiten sind in der Engeler Edition erschienen, für den deutschen Leser Herausforderung und Spiegelung zugleich. Die Vorträge schließen einen Bogen von Diderot und Hölderlin, Nietzsche und Heidegger, bis uns näher, Derrida und Loytard. Warum ist Hölderlin, der die Spannungsbögen seiner Tragödien gelegentlich in spröde mathematische Formeln goss, der im Turm zu Tübingen sich am Ende nicht der besten psychischen Verfassung erfreute, für den deutschen Leser so interessant? Und warum haben Nietzsche und Heidegger sich so eindeutig auf ihn bezogen? Weder Feldwege noch Holzwege, keine Umwege, kommen wir gleich zu Heidegger. Bei ihm laufen all die schönen griechische Mythologien zusammen, diese romantischen Griechen, von denen der Nazi-Rektor so viel von Hölderlin erfahren hatte (der fiktive Briefwechsel, den der Mitkämpfer für die Freiheit Griechenlands gegen die Türken, Hyperion, mit seinem deutschen Freund Bellarmin führt). Pathos, Eros, Verzweiflung an der Welt, alles da, was pubertierende Jugend begehrt. Der sei es verziehen, alten Eseln nicht! Hölderlin schrieb an der Schwelle zum 19. Jahrhundert, es kündigte sich an, was man später die Moderne nennen sollte. Literaturwissenschaftlich angesiedelt irgendwo zwischen Klassik und Romantik, einem Nichtort, jedenfalls schwer zu verortendes Terrain. Seine Verehrung für das antike Griechenland zieht sich durch sein gesamtes Werk, von den Gedichten bis zu den Tragödien. Lacoue-Labarthe: „Mit ungleich größerer Gewalt als bei Friedrich Schlegel, wird das Griechenland, das Hölderlin erfindet, die deutsche Phantasie in ihrem Grund bis heute unaufhörlich heimsuchen, und jedenfalls den gesamten philosophischen Text, von Hegel über Nietzsche bis zu Heidegger, durchlaufen“. Schon ein wenig Ironie, wenn heute in Deutschland die Kinder derer, die einst als Gastarbeiter aus dem so geliebten Griechenland kamen, ihren (deutschen) Landsleuten den Spiegel vorhalten. Der Autor und Psychologe Mark Terkessidis beschrieb unglaublich humorvoll, wie Heidegger 1962 von der Reling eines Kreuzfahrtschiffes auf Korfu blickte, alles mutete ihn italienisch an, gar nicht so wie er es von Hölderlin kannte, er beschloß also an Bord zu bleiben (Globalkolorit. Das Land der Griechen mit dem Körper besuchen. Hannibal Verlag, 1998). „Fünf Jahre später das Gleiche noch einmal“. Schuldbewußt schrieb er an Erhard Kästner: „Es wird wohl so bleiben, dass ich einiges von Griechenland denken darf, ohne es zu schauen‘“. Wer aber „groß denkt, muss groß irren“, wie Heidegger in „Aus der Erfahrung des Denkens“, Pfullingen 1954, einräumte. Wissenschaftler, auch wenn sie Philosophen sind, seien also auch nur Menschen. Soll das etwa beruhigend klingen? Was aber hat in Heideggers Denken sein politisches Engagement von ‘33 ermöglicht, oder jedenfalls nicht unterbunden? Das einzige in seinem Denken, was er übrigens nicht wieder verworfen hat, in einem Spiegelgespräch, das auf seinen Wunsch hin erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde: Die Rektoratsrede! Kann man „mit Heidegger, gegen Heidegger denken“, wie es Habermas 1987 vorgeschlagen hat, im übrigen dem Vordenker brav folgend? Ist es (sein Denken, ein Neutrum, wenn auch nicht neutral) nicht völlig eingeschlossen im Zangendruck der Geschichte „eines metaphysischen Volkes, in der Zange zwischen Amerika und Russland“? Selbst Heideggers „Kehre“, die mal für dies, dann für jenes stand, war durchsetzt von einer reaktionären Ideologisierung von „Haus und Hof, der bäuerlichen und handwerklichen Ökonomie und der Scholle“, ein wenig Bauernschläue und jede Menge Mythen. Lacoue-Labarthe: „Die folglich zu einem ziemlich scharfen, reaktiven und reaktionären Protest gegen die Moderne insgesamt neigt (nicht nur gegen alle Formen der Entwurzelung, der Irre, der Befremdlichkeit und der Verwüstung, sondern auch, in den schwächsten Momenten, gegen die Technik im Sinne der Industrialisierung, die Städte, die Massenkultur, die Medien, usw.)“. Ein Denken also, das auch nach Niederlegung des Rektorats knapp ein Jahr später, weiterhin durch „Aufruf zum Arbeitsdienst“ und den berüchtigten Nachruf „Zum Tode Leo Schlageters“ auf sich aufmerksam machte. Das einzige was ihn von der Nazi-Ideologie trennte, war deren offizielle Rassenideologie, ihr Antisemitismus und Biologismus. Ist das genug, oder nur eine hauchdünne Grenze, kann man es also wieder denken? Philippe Lacoue-Labarthes Argumentation ist schlüssig und konsequent, da er ausführlich zitiert auch für den Laien nachvollziehbar. Ein wichtiges Buch! ![]()
Philippe Lacoue-Labarthe, Die Nachahmung der Modernen. Typographien II. Urs Engeler Editor, Basel / Weil am Rhein / Wien 2003. 287 Seiten.![]()
Studs meets Music![]()
Studs Terkel, der große alte Mann des amerikanischen Radios (Giganten des Jazz, 2003), ist in einem neuen Band im Gespräch im Gespräch mit großen Musikern des zwanzigsten Jahrhundert. Das ist keine gefällige Überschrift emsiger Lektoren, sondern die Quintessenz eines ereignisreichen Lebens. Von den fragilen Schellackplatten bis zur CD, von McCarthy bis Bush, er hat so einiges kommen und gehen sehen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um MusikerInnen aller Stilrichtungen, Klassik, Oper, Jazz, Blues und Rock, die ganze Palette gewissermaßen. Man muß sie nicht alle mögen, die Impresarios und Diven, den langen Zeitraum welchen die Gespräche umschließen, machen den Band aber zu einem außerordentlich wichtigen Zeitdokument. Terkel versteht es wie wenige seiner Zunft, den Zeitgeist und das Lebensgefühl der jeweiligen Epoche zu vermitteln, ob es sich bei seine GesprächspartnerInnen nun um den italienischen Opernbaritone Tito Gobbi, oder die früh verstorbene Bluessängerin Janis Joplin handelt. Der als schwierig geltende junge Bob Dylan plaudert unbefangen über die Geschichten hinter seiner Lyrik, die Gesprächsführung darauf zu lenken kann nicht einfach gewesen sein. Man erinnere nur an das Vorwort seines amerikanischen Verlegers in Tarantel. Richtig in seinem Element ist Studs Terkel aber in den Unterhaltungen mit den Vätern und Müttern der Jazzszene, ob sie nun Louis Armstrong, Earl Hines, Dizzy Gillespie oder Betty Carter heißen. Nichts wird ausgespart, die Rassenschranken, die Konkurrenz der Musiker untereinander, das FBI, welches in der McCarthy-Ära den Künstlern das Leben zur Hölle machte. Das Porträt des amerikanischen Musikarchäologen Alan Lomax, der 1960 eine bahnbrechende Anthologie >>The Folk Songs of North Amerika in the English Language<< veröffentlichte, ist wirklich gelungen. Wollte man die Fragemethode und Porträtskizzen des Autors umschreiben, fällt einem unwillkürlich Carl Rogers Empathiebegriff, oder nicht direktiv ein. Wie auch immer: Ein Buch welches Pflichtlektüre für die nächsten zehn Journalistengenerationen werden sollte. ![]()
Studs meets music. Studs Terkel im Gespräch mit großen Musikern des 20. Jahrhunderts. Verlag Antje Kunstmann, München 2006. 237 Seiten.
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