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stattweb-News Ausgabe 08, 2008-02

Veegd, Konrad/ Fest-Diersch, Sabrina:
PANORAMA deckt in letzter Sekunde auf: das “K” in DKP heißt: Kommunistisch
News-Beitrag auf stattweb.de vom 15.Februar 2008

Das kam gerade noch rechtzeitig! Wenn auch für Niedersachsen schon zu spät.

PANORAMA hat die rote Fahne der Bergwacht entfaltet: Absturzgefahr. Es sind Bergführer bei der Seilschaft LINKE, die traben stracks in den Abgrund. Wenn man PANORAMA glauben darf, liest man in der westdeutschen LINKEN jetzt gar keine Zeitungen mehr. Auch das Bücherschmökern gilt als sehr bedenklich.

So dass laut Vorabmeldung einzig die bestimmten Leute mit dem “K” die alten Schwarten wälzen von Marx, Engels, Lenin. Stalin als Lektüre hat die Redaktion in unbegreiflicher Leichtfertigkeit ausgelassen.

Und jetzt das Furchtbare, was sicher selbst in der Linken fahles Grauen verbreitet. Das “K” in DKP heißt gar nicht kinderfreundlich, sondern: KOMMUNIST.

Was sind das für Wesen- werden jetzt LINKE und gewöhnliche Leute einander fragen.

PANORAMA nimmt kein Blatt vor den Mund. Es sagt, was Sache ist. KOMMUNISTEN lassen immer mal wieder ein gutes Wort über die DDR selig fallen. Und nehmen den Ausdruck Klassenjustiz in den Mund, wenn sie über Urteile zu Rechtsbeugung in der DDR, Grenzschutz in der DDR sich verbreiten.

Um nachzufassen fing PANORAMA Christel Wegner irgendwo auf der Straße ab. Und verhörte sie. Christel Wegner ist eine von denen - DKP-Mitglied. Inzwischen in Hannover im Landtag. Und die -arglos- gab auf Befragen sofort zu, dass sie nicht mit dem einzelnen Kuchenkringel zufrieden ist. Sie will die ganze Bäckerei. So ähnlich jedenfalls. Das mit den Reformen mag ja ein Stück weit führen. Aber um mit dem Kapitalismus endgültig fertig zu werden, muss Eigentum, das in großem Umfang zur Ausbeutung verwendet wird, denen in die Hand gegeben werden, die darin arbeiten- sonst hört das nie auf mit der ewigen Schinderei und Gerberei, in der einem das Fell über die Ohren gezogen wird. Oder so ähnlich... Arglos tappte sie dann allerdings PANORAMA in die Falle. Als die Reporterin wissen wollte, ob die Befragte vielleicht auch die STASI zurückhaben wollte. - antwortete die Unglückliche mit “Ja”. Die Begründung war richtig: jedes neue Gesellschaftssystem ist äußerst bedroht von den Mächten der alten Gesellschaft, und muss nach Kräften aufpassen, dass die nicht wieder die Oberhand bekommen. So ungefähr hatte Marx die Diktatur des Proletariats auch begründet. Nur, dass diese von einer von der Menge der Arbeiterklasse völlig abgesonderten Polizei durchgeführt werden sollte, wie eben die STASI eine war, davon findet sich bei Marx kein Wort.

Es ist ja klar, dass solche abgesonderten Mächte sich immer auch gegen die wenden, deren Macht sie angeblich schützen und erhalten sollen. Wenn das Wort von der Diktatur überhaupt einen Sinn haben soll, muss -wie Brecht in den Tagen der Commune vorführte-, um allgemeine Wachsamkeit -Aufmerksamkeit - aller gegen alle herrschen, vor allem gegen diejenigen, die zeitweise die Geschäfte der Allgemeinheit führen.

Gut, sie hat PANORAMA den Gefallen getan. Gelegenheit unter den Genossen im Landtag, könnte man denken, einmal selbst den Punkt genauer zu diskutieren. Oder? Leider nein! Im Abspann der Sendung folgten schon erste Reu-und Leid-Erweckungen und schweres Unterwerfungs-Stöhnen. Die Fraktion - oder war es die Partei (?) - der LINKEN NIEDERSACHSEN fordert sofortigen Rücktritt der Bekennerin vom Landtagsmandat. Lesen die tatsächlich gar nicht mehr in Niedersachsen? In der UZ, Parteiorgan der DKP, stehen immer wieder so Sachen. Sie kostet nicht viel, ist relativ dünn und kommt jeden Freitag heraus.

Freilich, wozu noch lesen, wenn prompt, wie in allen solchen Fällen, Ausputzer GYSI erscheint und jedes Ärgernis wegerklärt. Gleich auch, wie kürzlich schon einmal in Hamburg, der DKP insgesamt türsteherisch den Ausgang zeigt. Kein Fleisch von unserem Fleisch! Ortsverbände besser aufpassen! Wenn mal jemand von den Vögeln im Nest, einfach überpiepsen!

Sollte die Kommunistische Plattform in der LINKEN sich derartig von der DKP unterscheiden? Fliegt die dann demnächst nach?

Dank inzwischen an PANORAMA. Es hat den Angsthasen die Augen geöffnet- die nicht ganz so Hasenherzigen zur Diskussion gezwungen.

PS: “Auferstanden aus Ruinen” wurde in der DKP gar nie gesungen; in der DDR die letzten zwanzig Jahre auch nicht mehr.

Dafür hat ein bedeutender deutscher Staatsmann sich die zweite Zeile zum Titel seines Programmpunkts gewählt ”Und der Zukunft zugewandt”. Er heißt Schäuble.

Sollte PANORAMA nicht auch mal bei dem nachschauen?

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Update/Hintergrund/Nachschlag:

Einer der beiden verantwortlichen Redakteure heißt Ben Bolz. Dieser scheint sich auf die politische Linke langsam eingeschossen zu haben. Letztes Jahr bastelte er an unter anderem an zwei PANORAMA-Beiträgen, die beispielhaft für die Ausrichtung und das Niveau vieler öffentlich-rechtlicher Magazine sind:

- Kurz vor dem G8-Gipfel machten sich Bolz und seine Truppe die Mühe, ein paar kleine Demonstrationen von G8-Kritikern zu besuchen. Sie hielten einigen Demonstranten das Mikro vor's Gesicht, pressten ihre Kamera an deren Nase und fragten sie, warum sie denn demonstrieren. Und genau da schlug der "investigative" Journalismus von Bolz und Panorama gnadenlos zu. Tatsächlich fanden sie auf jeder Demo eine Person, die nicht so schlagfertig war, um innerhalb von fünf Sekunden mal eben die Problematik der wirtschaftlichen Globalisierung verständlich zu machen und auch noch Lösungen vorzuschlagen. So kann man auch ein paar Minuten wertvolle und für den GEZ-Zahler teuere Sendeminuten verschleudern.

- Im Sommer fiel dann PANORAMA und Bolz sogar noch weniger ein. Der G8-Gipfel war vorbei, ansonsten war auch nicht viel los - Sommerloch eben. Also entschied man sich kurzerhand den alten PANORAMA-Feind Lafontaine zu diffamieren. Die Überlegungen für den Beitrag müssen sehr spontan gewesen sein, anders lässt sich das unterirdische Niveau dieses Beitrages nicht erklären. In der Anmoderation wurde Lafontaine zunächst auf die Seite der NPD geschubst um ihm danach vorzuwerfen, dass er mal in einem FAZ-Artikel erwähnte, Papst Johannes Paul II fände den Kapitalismus auch nicht unbedingt spitze, weil er somit den konservativen Papst zum Kommunisten erklärt. Auf Nachfrage, schrieb Bolz einem Stattweb-Redakteur, der Vorwurf sei berechtigt, denn wenn jemand gegen den Kapitalismus sei, müsse er automatisch Sozialist/Kommunist sein und Lafontaine habe nach Bolz bewusst dem Leser unterschlagen, dass der Papst ja gar kein Kommunist war. Dies zu lesen, hätte sicherlich unglaublich viele FAZ-Leser sehr überrascht.

Dieser aktuelle Beitrag zeigt, dass einige in der Panorama-Redaktion irgendwie das Ende des Kalten Krieges verschlafen haben. Mal sehen, was PANORAMA und Bolz noch so alles einfallen wird.

Aber was soll der frustrierte GEZ-Zahler tun? Entweder die Glotze gleich aus dem Fenster schmeißen oder einfach mal abschalten! (Fest-Diersch)

Quelle: PANORAMA 14.2.08



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