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Artikel


Stattzeitung für Südbaden Ausgabe 71, 2008-03

Schneider, Patrik:
Große Solidarität für die im Öffentlichen Dienst aus allen Branchen

Achern, 6.3.2008: „Die einen schaffen immer mehr, die anderen schaffen´s gar nicht mehr“. Nicht kämpferisch, eher nachdenklich sind die Töne der Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Etwa 100 Achener Beschäftigte waren bei der Demonstration für die laufende Tarifrunde am Donnerstagabend in Offenburg, zu der ver.di Südbaden eingeladen hatte.

Auch Achern zeigte Flagge in dem sich anbahnenden Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes. Der DGB Ortsverband Achern konnte etwa 100 Beschäftigte gewinnen, an der zentralen Demonstration der Gewerkschaft ver.di in Offenburg am Donnerstag Abend teilzunehmen. Beschäftigte aus allen möglichen Teilbereichen des öffentlichen Dienstes waren dem Aufruf gefolgt: Bauhof, Stadtwerke, Kommunen, Landratsamt, Süwag, Kindergärten, Krankenhaus etc. Es war kein Warnstreik während der Arbeitszeit, sondern eine Demonstration außerhalb der Arbeitszeit. Unterstützt wurden die Aktion auch von Betriebsratskollegen aus anderen Branchen Acherns – so z.B. der Glashütte. „Die Unterstützung tut gut“, so der DGB Ortsvorsitzende Arnold Thierfelder, der über die große Beteiligung und das Interesse sehr froh war. „Damit ist in Achern ein klares Zeichen gesetzt – die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind bereit, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen“.

Mit Bussen, organisiert vom DGB OV Achern, fuhren die Beschäftigten zu der Veranstaltung nach Offenburg. Es war der Tag, an dem im Südwesten viele öffentliche Bereiche bestreikt worden sind, besonders der Nahverkehr in den großen Städten. Die Töne der Teilnehmer waren eher nachdenklich, weniger kämpferisch: „Wir wollen nicht streiken, denn es träfe die Falschen – nämlich die jungen Eltern“, sagt eine Kindergärtnerin. Sie erzählt von einem Gespräch mit besorgten Eltern am selben Nachmittag. Seit die Gefahr droht, dass die Bahn ab Montag wieder streiken wird und auch der öffentliche Nahverkehr just empfindlich bestreikt wurde, machen sich die Teilnehmer verstärkt Gedanken, wie weit ausgedehnte Streiks im öffentlichen Dienst Menschen weiter treffen und einschränken werden. Das lässt die Beschäftigten nicht kalt. Aber sie wissen auch: Die Preise für das tägliche Leben sind massiv angezogen in den letzten zwei Jahren – besonders die für Energie. „So wie unsere Arbeitszeiten. Arbeitsplätze wurden gestrichen, und unsere Löhne sind knapper geworden. Das tut weh“, so ein Teilnehmer. “Denn explodierende Managergehälter und implodiernde Arbeiterlöhne passen nicht so recht zusammen. Deshalb ist es gut, heute Farbe zu bekennen.“ Da waren sich die meisten einig und demonstrierten erst mal außerhalb ihrer Arbeitszeit. „Damit können wir leben und wir opfern dafür gerne unsere Freizeit, wie heute Abend, um öffentlich die Forderungen von ver.di zu unterstützen.“ Denn zeitgleich fanden in Potsdam bundesweite Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern statt.

So marschierten sie in Offenburg mit. Dort waren wohl über 300 Teilnehmer aus dem öffentlichen Dienstbereich der gesamten Ortenau. Für den Acherner DGB sprach der Personalrat des Landratsamtes Werner Federle. Er unterstrich die Bedeutung der 8% Lohnforderung und dass die angebotenen 5% für zwei Jahre eine „Mogelpackung“ seien. Seiner Meinung nach sei es nicht einsichtig, dass der spürbare wirtschaftliche Aufschwung, die hohen Managergehälter an den öffentlich Beschäftigten spurlos vorbeigingen. Beifall von allen. Es geht aber nicht nur um mehr Geld und mehr Lohn, sondern auch um vermehrte Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit. „Die Autobauer kriegen Sonderprämien für den Aufschwung, wir nichts“. 3.750 Euro Sonderzulage bei Mercedes für alle Beschäftigte. Demgegenüber hat im öffentlichen Dienst die Leistungsverdichtung durch Deckelung der Personalkapazitäten spürbar zugenommen. „Die einen schaffen immer mehr, die anderen schaffens nicht mehr“, brachte es ein Arbeiter auf den Punkt. Die Arbeit sei für manchen nicht mehr ertragbar – egal für welchen Lohn. „Streik muss nicht sein, aber wir wollen, dass unsere Arbeit vom Arbeitgeber auch wertgeschätzt wird.“ Streik, den wollen die Teilnehmer gerne vermeiden, das spürt man. Höhere Löhne sind nicht nur mehr Geld, sondern auch Anerkennung und Wertschätzung für Dienste, die so selbstverständlich sind, dass sie im Alltag gar nicht mehr auffallen. Erst ein „Streik wie heute im öffentlichen Nahverkehr zeigt den Menschen, was da täglich geleistet wird und was los ist, wenn das eben nicht mehr geleistet wird.“

So waren auch die Kisten der Beschäftigten der Stadt Achern zu verstehen, die sie beschriftet durch den Demonstrationszug trugen: „Verstecken bringt nix. 8% mehr Lohn!“

Nach drei Stunden waren die 100 in Achern zurück. „Ein voller Erfolg“, so der örtliche ver.di Vertrauensmann und DGB Vorsitzende Thierfelder.

Patrik Schneider für den DGB-Ortsverband Achern



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