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Artikel


stattweb-News Ausgabe 08, 2008-05

Veegd, Konrad:
Es taumelt ein Mann durch den Irrgarten der Geschichte: Pofalla
News-Beitrag auf stattweb.de vom 29.Mai 2008

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom Donnerstag (29.5.) neben einem sehr maßvollen Artikel zur Gysi-Verhau-Aktion einen des führenden Denkers der CDU: Pofalla. Selbstlos erklärt dieser Mann darin der SPD sie selbst und ihren Weg durch die Geschichte. Natürlich, um ihr zu erklären, dass sie mit Lasalle Marxismus abgelehnt hätte, und in guten Zeiten immer dabei geblieben sei. Jedesmal, wenn die Linke lockte, sei das ihr Unglück geworden. Gut, ein Pofalla muss das sagen, sagt es auch gern, denn es fordert kein weiteres Nachdenken. Pofalla erklärt das jedem, der es hören will -auch dem, der nur arglos am Fernseher auf die nächste Sendung wartet- immer wieder und immer freudiger und immer neu.

In dieses Hohelied ist Pofalla nun auch folgender Satz gerutscht: „Nach dem Ersten Weltkrieg verhinderte auch die SPD mit ihrem beherzten Auftreten für eine Republik, dass Spartakisten und Kommunisten Deutschlands Zukunft bestimmten.“ Der besonders beherzte Auftreter hieß damals Noske. Es ist inzwischen erwiesen, dass mit seiner billigenden Zustimmung im Rahmen des beherzten Auftretens Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht unter dem Kommando von Hauptmann Papst umgelegt wurden. Pofalla ist im Augenblick wohl nicht gegenwärtig, dass die von Ebert als Hilfstruppe herangezogenen Freikorps im März 1919 noch einmal ein Blutbad in Berlin anrichteten. Auch die freudige Unterstützung für Hindenburg als Reichspräsident ist ihm entfallen. Bekanntlich der Herr, der seine Vorliebe für die Republik vor allem durch die Ernennung Hitlers zeigte. All diese Verbrechen rechnet Pofalla der SPD als ein Verdienst an, das sie fast zur zweiten CDU machen könnte.

Weiß Pofalla das alles -oder weiß er es nicht? Ich halte nicht für unmöglich, dass er es nicht weiß und dunkel nachlallt, was in seinen Kreisen über die Zeit schon immer verbreitet wurde. Unwissenheit ist gewiss ein namenloses Unglück. Aber doch verzeihlich, wenn man sie wenigstens nicht zum Hauptberuf macht und in Artikeln offen herausstellt.

Oder weiß er es doch- und wollte der SPD nachrühmen, dass sie -wie die Vorgänger seiner eigenen Partei- lieber Maschinengewehr und Revolver sprechen lässt, bevor sie daran denkt, die Macht abzugeben? Wenn das so wäre -was wir kaum anzunehmen wagen- hätte Chavez mit seiner Beschuldigung vielleicht doch ein wenig recht gehabt. Mit der nämlich, die CDU stehe in einer Traditionslinie, die auch vor der Unterstützung eines Hitler nicht zurückschreckte. Hauptsache, ihre Leute blieben oben, wenn auch die Partei darüber eine Zeit lang zum Pausieren genötigt wäre.

Quelle: Frankfurter Rundschau online, 29.5.08



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