stattweb-News Ausgabe 10, 2010-03![]()
Veegd, Konrad:
Sarkozys Flatterballon vom dicksten Zimmermannsbolzen durchbohrt! Mut zum Sinkflug
News-Beitrag auf stattweb.de vom 14.März 2010
Bei den Regionalwahlen fiel die Partei des Präsidenten nach den Hochrechnungen auf ein historisches Tief. In den meisten Landesteilen liegen die Sozialisten in Führung, die freilich den Sieg unter keinen Umständen verdient haben. Die Kameraden am Rocksaum der Proklamationskünstlerin Ségolene erfreuen nicht mehr als die deutschen Kollegen unter Nahles. "Wenn die Sozialisten zusammenstehen für die Franzosen, finden sie deren Vertrauen wieder” erging sich Aubry die gegenwärtige Chefin dieses Politik-Klumpens wie üblich in guten Vorsätzen. Verhaltene Begeisterung bei den Grünen und Plusterung beim Front National. Mit Recht erwarteten viele Französinnen und Franzosen von einer neuen Regierung nicht mehr als von der alten und blieben entschlossen daheim. Die Wahl-Kampagne ging der Hauptsache aus dem Weg und erging sich in Verdächtigungen, rassistischer Polemik und sexistischen Seitenhieben![]()
“Den ernüchternden Enthaltungsrekord bei der ersten Abstimmungsrunde für die Zusammensetzung der Regionalräte kann man nur interpretieren als Absage an die Politik schlechthin.” ( ZITAT Spiegel Online, 15.3.10.) “![]()
Ortstermin im Elsass: Vor dem Wahlbüro 1011 einer Grundschule in Straßburg-Neuhof ist der Andrang bescheiden. "Na, man tut ja schließlich seine Schuldigkeit", knurrt ein Rentner auf dem Weg zur Urne. Es kommt wenig nach.. Dabei gilt gerade der Elsass als hart umkämpfte Gegend und Bastion der Rechten. Es ist - zusammen mit Korsika - eine Region, in der die Regierungspartei UMP von Sarkozy bisher den Regionalrat anführte.”( SPIEGEL-Online)![]()
Die Wahlverweigerung der meisten Franzosen wirkt sich vor allem auf die konservative Regierungspartei UMP aus, die acht Minister als Spitzenkandidaten ins Rennen geschickt hatte: Selbst der propagandistische Begleitschutz der Sarkozy-freundlichen Medien half wenig. Man wartet die nächste Präsidentenwahl ab- 2012- um Sarkozy endgültig den Schemel unter den Beinen wegzuziehen.![]()
Premier Francois Fillon wälzte sich unerschrocken in Selbstgefälligkeit: "Für die UMP stimmen, heißt für Klarheit und Transparenz stimmen." Wie Lessing schon herausbekommen hat: man plärrt am lautesten den Tugenden nach, die einem selbst auf ewig unzugänglich bleiben. Frankreichs Grüne schreien und schreiten pfauengleich: sie könnten die politische Alternative markieren, wenn sie nicht Cohn-Bendit nachschlappen müssten.![]()
Über die endgültige Zusammensetzung der auf vier Jahre regierenden Regionalräte entscheidet erst die zweite Runde am kommenden Wochenende. Da nur die Listen mit mindestens zehn Prozent antreten dürfen, beginnt jetzt der Schacher um Bündnisse und Koalitionen.![]()
Mit anderen Worten: es steht auf beiden Ufern des Rheins gleich unerfreulich. Bis zum zweiten Wahlgang wird es nach dem perversen französischen Wahlstystem zu den unangenehmsten Verknotungen kommen.![]()
Einen umfassenderen Stimmungsbericht von Stefan Simons nachlesen unter www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,683514,00.html![]()
Quelle: WELT 16.3.2010; SPIEGEL-online 15.3.2010
Links
[Seitenanfang]
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,683514,00.html

