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Büchertipps / Rezensionen



Titelbild
Hans Scheugl:

Sex und Macht
Eine Metaerzählung des amerikanischen Films des 20. Jahrhunderts

Das Buch bietet einen Überblick über die Entwicklung des amerikanischen Films im letzten Jahrhundert.


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Sexualität und Macht, sind nicht nur die zentralen Kategorien der Psychoanalyse, sie ziehen sich auch wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kultur, so auch durch den Spielfilm, der sich im letzten Jahrhundert zu einem zentralen Medium des Kulturschaffens entwickelt hat. Hans Scheugl gibt zum einen einen lexikalischen Überblick über die Entwicklung des Kinos in Amerika des 20. Jahrhunderts, er behandelt insgesamt 1200 Filme, zum zweiten versucht er aufzuzeigen, wie der Veränderung der amerikanischen Gesellschaft in Hinblick auf die Sexualität sich auf dem Film auswirkten und umgekehrt, wie der Film Einfluss auf die Gesellschaft nahm.

Interessant ist auch, wie die zwei Weltkriege sich auf den Film ihrer Zeit ausgewirkt haben. Schon beim ersten Weltkrieg wurde die Rolle des Films für die Meinungsbildung der Gesellschaft erkannt. Während des ersten Weltkrieges war es in den USA umstritten, ob man intervenieren oder in Bezug auf Europa den Isolationismus weiter aufrecht erhalten sollte. So entstanden sowohl Filme mit pazifistischen Inhalten als auch Filme, welche die Notwendigkeit der militärischen Verteidigung propagierten. So produzierte die Filmindustrie, welche auf den Kriegsfall unvorbereitet war, mit Filmen wie "The Beast of Berlin" Propagandafilme in denen die Deutschen als Hunnen dargestellt und verteufelt wurden. Für die Frauen stellte der Erste Weltkrieg im Film eine Chance da, so spielte die Figur der Jean d'Arc, als Heldin der allierten Franzosen, eine wichtige Rolle in den Amerikanischen Filmen. Dadurch konnte die Frau nicht nur als tapfere Mutter am Krieg partizipieren, sondern, zumindest an der Leinwand, auf dem Felde in männliche Rollen schlüpfen. Dazu gehörte auch, dass sie Männerkleider trugen und mit Technik umzugehen lernten. Unter diesem Gesichtspunkt waren die Kriegsjahre für die Frau im Film eine gute Zeit. Des weiteren gewann das Kino durch den Krieg an Bedeutung, den Soldaten wurden auf Kriegsschiffen wöchentlich Filme gezeigt, natürlich gab es hier ein großen Bedarf an Erotik, was zu einer Lockerung der Sittenvorschriften im Film führte.

Zu den Zeiten des erstarkenden Faschismus verhielt sich Hollywood abgesehen von einzelnen Ausnahmen abwartend. Nachdem Kriegseintritt der USA wurden viele Propagandafilme produziert, die den Patriotismus und die Abenteuerlust schüren wollten. Nicht zufällig waren in der nähe von Kinos oftmals auch Rekrutierungsbüros der Armee. Daneben wurden auch Dokumentationsfilme gedreht, die den Sinn hatten über den Kriegsverlauf und das Kriegsgeschehen aufzuklären. Es gab auch den Charakter den Humphrey Bogart oft darstellte, so auch in Casablanca, den resignierten zwielichtigen Mann, der sich aus allem politischen raushalten will und mit diesem Ansatz scheitert. Diese Figur kann auch als eine Karikatur Isolationismus verstanden werden.

Der Film Noir stellt auch eine Reaktion auf den 2. Weltkrieg da, in diesem wurden viele Traumata, Enttäuschungen und Ängste der US-Amerikanischen Bevölkerung und der Soldaten aufgearbeitet. In einigen Filmen leidet der Mann unter einer Amnesie und muss sich erst mühevoll seine Erinnerung an schreckliche Erlebnisse erarbeiten. Frauen erschienen auch oft als Mörderinnen die ihre "schwachen" Ehemänner aus dem Weg räumten, um an eine "bessere Partie" zu kommen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass viele Männer bei der Heimkehr Angst hatten nicht mehr in ihre Familie zu passen, beziehungsweise Angst vor der Untreue der Frau während der eigenen Abwesenheit hatten. Die unkritischere Aufarbeitung des 2. Weltkrieges fand im Western statt, hier war die Welt in Ordnung und der kämpferische Mann zog ohne Zweifel durch die Prärie.

Über diese Perioden gibt das Buch einen Überblick. Man erfährt aber auch über die späteren Jahre viel interessantes, so über die Rolle der Homosexualität oder die Verdrängung der Frau in den 80ern. Das Buch kann recht anstrengend zu lesen sein, da es an manchen stellen ein reines Name-Dropping ist, Filme werden einfach in einer Aufzählungsreihe genannt, ohne dass auf sie näher eingegangen wird, was auch den Rahmen des Buches sprengen würde. Trotzdem kann das Buch zum einen als Nachschlagwerk benutzt werden, des weiteren liefert es einen guten Überblick über die Geschichte des amerikanischen Filmes und macht Lust, sich einige der genannten Filme (nochmal genauer) anzuschauen.

RezensentIn: Gerald Whittle

Erschienen bei Schmetterling 2007, 29,80 Euro. Sie können dieses Buch bei Amazon bestellen.


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