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Büchertipps / Rezensionen



Titelbild
Richard Reynolds :

Guerilla Gardening
Ein botanisches Manifest

Ein Gartenguerillero berichtet von einer mittlerweilen weltweiten Bewegung - denn der öffentliche Raum gehört nicht dem Grünflächenamt


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Richard Reynolds, Guerilla-Gärtner und Aktivist einer ökologischen Bewegung, welche den öffentlichen Raum zurückerobern möchte, hat ein ungewöhnliches botanisches Manifest vorgelegt. Es geht hier um Sonnenblumen auf Verkehrsinseln, Kartoffelreihen auf Golfplätzen, aber auch Hanfpflanzen in den öffentlichen Anlagen in Tübingen, London oder Brüssel. Reynolds versteht seine Schrift als ein Handbuch für Leute, die sich ähnlich betätigen wollen und ist deshalb überall auf der Welt herumgereist, um die schönsten Beispiele von Nutzpflanzen und Wildblumenbeete zu dokumentieren.

Die Geschichte des Guerilla-Gärtnerns geht zurück auf die Levellers in England und den USA im siebzehnten Jahrhundert. Nutzung von brachliegendem Gelände wie z.B. Holzsammeln war dort durchaus legal, nur eben der Anbau nicht. Verarmte Teile der Bevölkerung wollten sich daran nicht mehr halten und brachten die Obrigkeit gegen sich auf. Als Folge der 1968er-Bewegung wurde das Gärtnern von vielen Hippies in Kalifornien praktiziert und kehrte schließlich als Ausläufer der Reclaim the Streets- Bewegung im Jahre 2004 nach London, im Stadtteil Elephant & Castel und anderswo zurück. Doch Achtung: Diese haben mit den spießbürgerlichen Kleingärtner überall auf der Welt nichts am Hut, sie setzen bewußt auf die Rückeroberung des Bodens zur gemeinschaftlichen Nutzung. Frei nach der Parole Maos der Kulturrevolution, dass man hundert Blumen blühen lassen solle macht man sich nun überall daran sein Umfeld wenn nicht nur zu verschönern, dann wenigstens mehr oder weniger sinnvoll zu nutzen. Dafür wird ein gewaltiges Waffenarsenal aufgeboten und der Autor nennt sowohl lateinische Bezeichnungen als auch die notwendigen Böden und Nährstoffbedarf. Lavendel beispielsweise bevorzugt nährstoffarmen, trockenen Boden und zieht Hummeln an. Wer es lieber bunt mag, bastelt sich am besten Saatbomben aus verschiedenen Samen und plaziert sie möglicherweise in öffentlichen Anlagen. Genaue Bastelanleitung und notwendiges Werkzeug,sowie Strategie und Taktik wird ausführlich beschrieben. Und fast wie nebenbei erfährt man mehr über Landbesetzungen in Lateinamerika, Hausbesetzungen in England, den Kampf gegen Autobahnen und Giftmüllfabriken in den USA, oder auch von einer viel befahrenen Schnellstraße in Kenia, auf deren Mittelstreifen Guerilla-Gärtner Minimaisfelder angelegt haben.Es gibt inzwischen sogar kleine autonome Bananenrepubliken in Honduras. „Jetzt bist du schon fast fertig für deinen ersten Anschlag – es kann losgehen. Begib dich hinaus, erkunde das Terrain, stelle deine Ausrüstung zusammen und fange an zu graben. Die Anleitungen dazu stützen sich auf Feldnotizen von Guerilleros aus aller Welt. Obwohl die meisten Aufzeichnungen im Einsatz auf öffentlichen Plätzen und Flächen städtischer Verwahrlosung entstanden sind, sind sie auch anwendbar für ländliche Gegenden und Privatgrundstücke“ (Seite 123).

Und obwohl das Buch sich wohl in erster Linie an ein junges Publikum richtet, wird es auch älteren Kleingärtner neue Horizonte erschließen. Der Optimismus jedenfalls mit dem es geschrieben wurde, kann ansteckend wirken. Wie schon der deutsche Lehrer von Candide in der schönen Fabel von Voltaire bemerkte, als sie der Unzulänglichkeiten in der besten aller Welten überdrüssig waren: Wir müssen den Garten bestellen, antwortete dieser, als Candide wieder einmal zu philosophieren anfing.

Das Buch enthält zahlreiche vierfarbige Bilder mit den schönsten Guerilla-Gärten und ihren Betreibern aus allen möglichen Ecken der Welt, aus dem Englischen von Max Annas, den viele vielleicht noch als Spex-Autor in Erinnerung haben werden. Für den alltäglichen Guerillakampf unerläßlich!

RezensentIn: Adi Quarti

Erschienen bei Orange Press 2009, 20,00 Euro. Sie können dieses Buch bei Amazon bestellen.


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